Ifo: Geschäftsklima in der Elektroindustrie steigt auf 16 Punkte
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 07:40 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDas Geschäftsklima in der deutschen Elektroindustrie hat sich im August erneut verbessert und liegt so hoch wie seit über einem Jahr nicht mehr. Nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts stieg der entsprechende Index auf 16,0 Punkte, nachdem im Juli noch 10,0 Punkte verzeichnet worden waren.
Höchster Wert seit Mai 2023
Mit dem neuen Stand erreicht das Geschäftsklima seinen höchsten Wert seit Mai 2023. Ausschlaggebend für den kräftigen Anstieg waren vor allem deutlich optimistischere Geschäftserwartungen der Unternehmen. Die aktuelle Lage bewerten die Betriebe zwar etwas zurückhaltender als noch im Vormonat, aber weiterhin klar positiv.
„Die Elektroindustrie gehört derzeit zu den wenigen Bereichen der Industrie, in denen die Geschäfte gut laufen“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Zuletzt habe sich die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt zwar ebenfalls verbessert, die Elektroindustrie sei aber bereits vorher deutlich optimistischer gewesen.
Starker Export und volle Auftragsbücher
Die Zuversicht der Branche speist sich vor allem aus dem Auslandsgeschäft: Die Exporterwartungen sprangen im August von -7,6 auf +24,7 Punkte. Gleichzeitig entwickelt sich die Auftragslage sehr gut, die Zahl der Neuaufträge nimmt nach Ifo-Angaben kontinuierlich zu. Entsprechend planen die Unternehmen, ihre Produktion auszuweiten und zusätzliche Mitarbeitende einzustellen.
Im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt ist die Lage dagegen weniger erfreulich. Dort planen die Firmen weiterhin Stellenabbau. In der Elektroindustrie zog darüber hinaus die Nachfrage erneut an, und die Kapazitätsauslastung stieg im Juli auf 81,2 Prozent, nach 79,7 Prozent im April.
Materialmangel bremst Teile der Branche
Ein Belastungsfaktor bleibt die Versorgung mit Vorprodukten. Ein Drittel der Unternehmen meldete Materialmangel, was trotz guter Nachfrage die Produktion einschränken kann. Engpässe bei bestimmten Komponenten gelten weiterhin als Risiko für die weitere Entwicklung.
Ähnlich positive Signale bei elektrischen Ausrüstungen
Im verwandten Bereich der Herstellung von elektrischen Ausrüstungen zeigt sich ein ähnliches Bild. Dort kletterte das Geschäftsklima im August auf 13,7 Punkte, nach 5,6 Punkten im Juli. Auch hier steht die positive Entwicklung in engem Zusammenhang mit langfristigen Trends.
„Hinter der Entwicklung steht vor allem die Digitalisierung“, sagte Wohlrabe. Der Ausbau von Rechenzentren, Investitionen in Künstliche Intelligenz und die Automatisierung in den Kundenbranchen wirkten direkt auf die Auftragsbücher. Laut dem Experten handelt es sich nicht um ein kurzzeitiges Strohfeuer, sondern um das Ergebnis langfristiger Investitionen, die die Branche noch eine Weile stützen dürften.
Die aktuelle Ifo-Erhebung zeigt die Elektroindustrie als einen der wenigen industriellen Sektoren in Deutschland, in denen sich die Geschäfte deutlich beleben. Das Plus beim Geschäftsklima auf 16,0 Punkte im August und der höchste Wert seit Mai 2023 deuten auf einen belastbaren Stimmungsumschwung hin, der über kurzfristige Schwankungen hinausgeht. Die Kombination aus anziehenden Neuaufträgen, steigender Kapazitätsauslastung und Einstellungsplänen signalisiert eine Phase der Expansion, während andere Bereiche des Verarbeitenden Gewerbes weiterhin mit Stellenabbau planen.
Rolle von Digitalisierung und Auslandsgeschäft
Besonders auffällig ist die starke Rolle des Auslandsgeschäfts, das die Exporterwartungen der Branche innerhalb eines Monats aus dem negativen Bereich deutlich ins Plus gedreht hat. Das legt nahe, dass deutsche Elektro-Unternehmen von Investitionsprogrammen und Modernisierungsvorhaben in anderen Ländern profitieren. Im Bereich der Herstellung von elektrischen Ausrüstungen wirkt zusätzlich die anhaltende Digitalisierung als strukturelle Triebkraft: Der Ausbau von Rechenzentren, Investitionen in Künstliche Intelligenz und Automatisierung in Kundenbranchen erzeugen eine kontinuierliche Nachfrage nach komplexer Elektro- und Steuerungstechnik.
Spannungsfelder und Ausblick für Beschäftigte
Trotz des positiven Bildes bleiben Risiken sichtbar. Der von einem Drittel der Unternehmen gemeldete Materialmangel zeigt, dass Lieferketten und die Verfügbarkeit von Vorprodukten weiterhin ein Engpass sein können. Für Beschäftigte in der Elektroindustrie ist das Umfeld gleichwohl vergleichsweise günstig: Unternehmen wollen ihre Produktion ausweiten und zusätzliche Mitarbeitende einstellen. Leserinnen und Leser aus anderen Industriezweigen sehen daran, dass sich innerhalb der deutschen Industrie eine Spaltung fortsetzt – zwischen digitalisierungsnahen, exportstarken Branchen mit Wachstumsperspektiven und anderen Bereichen, die eher auf Kostensenkung und Personalabbau setzen.
