Ifo-Preiserwartungen, Inflation Deutschland

Ifo: Etwas weniger Unternehmen planen Preiserhöhungen

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 07:45 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

In Deutschland planen derzeit etwas weniger Unternehmen, ihre Preise anzuheben. Das Ifo-Institut sieht dennoch anhaltend hohen Preisdruck und erwartet die Inflationsrate bis 2027 über dem klassischen Zielwert von zwei Prozent.

Etwas weniger Unternehmen planen Preiserhöhungen
Supermarkt (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

In Deutschland planen aktuell etwas weniger Unternehmen, ihre Preise zu erhöhen. Die Preiserwartungen des Münchener Ifo-Instituts sanken im August leicht auf 21,2 Punkte, nach 21,6 Punkten im Juli.

Leicht nachlassender Preisdruck bei Unternehmen

Der Rückgang der Kennzahl deutet nach Einschätzung des Instituts auf einen moderat nachlassenden Preisdruck in den kommenden drei Monaten hin. Viele Firmen rechnen demnach zwar weiterhin mit steigenden Preisen, erwarten jedoch weniger starke Anhebungen als zuvor. Die Preiserwartungen spiegeln dabei die Einschätzungen der Unternehmen zu ihren Verkaufspreisen und gelten als ein Frühindikator für die Entwicklung der Teuerung.

Gleichzeitig steigende Energiepreise

Gleichzeitig verweist das Ifo-Institut darauf, dass die Rohölpreise sowie insbesondere die Marktpreise für Erdgas und Strom seit Anfang August wieder deutlich gestiegen sind. Ifo-Forscherin Tiphaine Wibault warnte, je länger der Krieg im Nahen Osten andauere und die Energiepreise hoch blieben, desto stärker dürften sich mittelfristig auch die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel, Dienstleistungen und Waren erhöhen. Unternehmen gäben gestiegene Kosten demnach oft erst mit zeitlicher Verzögerung an ihre Kunden weiter.

Unterschiedliche Entwicklung nach Branchen

Im August sind die Preiserwartungen in vielen Wirtschaftsbereichen zurückgegangen. Bei energieintensiven Industrieunternehmen fiel der Indikator von 21,3 auf 18,7 Punkte, bei nicht-energieintensiven Betrieben von 22,7 auf 19,0 Punkte. Auch im Handel reduzierten die Firmen ihre geplanten Preissteigerungen leicht: Hier sank der Wert von 31,4 auf 30,0 Punkte.

Anstieg bei Dienstleistern

Bei den Dienstleistern zeigt sich hingegen ein anderer Trend. In diesem Bereich sind die Preiserwartungen im August leicht gestiegen, von 19,1 auf 20,9 Punkte. Dienstleistungsunternehmen rechnen demnach eher mit stärkeren Preisaufschlägen, was etwa mit gestiegenen Lohnkosten oder anhaltend hoher Nachfrage nach bestimmten Angeboten zusammenhängen kann.

Aussichten für die Inflation

Insgesamt erwartet das Ifo-Institut, dass die Teuerung in den kommenden Monaten zunächst noch hoch bleiben dürfte. Für das Jahr 2026 gehen die Forscher von einer Inflationsrate von voraussichtlich 2,8 Prozent aus, die im Jahr 2027 auf 3,0 Prozent steigen soll. Der jüngste Energiepreisschock dürfte sich in der sogenannten Kerninflationsrate, also der Teuerung ohne Energie, erst mit Verzögerung niederschlagen.

Kerninflation dürfte ebenfalls anziehen

Nach der Einschätzung des Instituts wird die Kernrate in diesem Jahr um 2,2 Prozent zulegen und im kommenden Jahr auf 2,9 Prozent steigen. Damit rechnen die Ökonomen damit, dass die Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln, Dienstleistungen und anderen Waren auch mittelfristig über dem Niveau liegen, das als klassisches Stabilitätsziel gilt. Für Verbraucher dürfte die Kaufkraft damit weiterhin spürbar unter Druck stehen.

Die aktuellen Ifo-Preiserwartungen liefern einen wichtigen Hinweis darauf, wie sich der Preisauftrieb in Deutschland in den kommenden Monaten entwickeln könnte. Dass der entsprechende Indikator im August leicht gesunken ist, deutet auf eine gewisse Entspannung beim unmittelbaren Preisdruck hin, auch wenn das Ausgangsniveau weiterhin erhöht bleibt. Für Unternehmen und private Haushalte bedeutet dies, dass der schnelle Aufwärtstrend bei den Preisen vorerst etwas an Dynamik verlieren könnte, ohne dass damit schon ein klarer Rückgang der Inflation verbunden wäre.

Preiserwartungen und Energie als zentrale Stellschrauben

Besonders bedeutsam ist, dass die Preiserwartungen in vielen Wirtschaftsbereichen zurückgegangen sind und gerade energieintensive Branchen geringere Preissteigerungen planen. Das spricht dafür, dass ein Teil des bisherigen Kostendrucks – etwa durch zuvor stark gestiegene Energiepreise – vorübergehend weniger stark auf die Endpreise durchschlägt. Gleichzeitig verweist die Ifo-Analyse darauf, dass die zuletzt wieder gestiegenen Rohöl-, Gas- und Strompreise ein Risiko für die mittlere Frist darstellen und mit Verzögerung in die Verbraucherpreise eingehen können. Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten wird dabei ausdrücklich als Unsicherheitsfaktor genannt, weil er die Energiepreise auf höherem Niveau halten kann.

Inflationsausblick und Folgen für Verbraucher

Für die Jahre 2026 und 2027 rechnet das Ifo-Institut mit Inflationsraten von 2,8 bzw. 3,0 Prozent. Diese Größenordnung liegt über dem klassischen Zielwert von rund zwei Prozent und zeigt, dass die Teuerung nach Einschätzung der Wirtschaftsforscher auch mittelfristig spürbar bleiben dürfte. Besonders relevant ist der Hinweis, dass sich der Energiepreisschock erst zeitverzögert in der sogenannten Kerninflation niederschlägt, also in der Preisentwicklung ohne Energie. Steigende Kernraten von 2,2 Prozent in diesem Jahr und 2,9 Prozent im kommenden Jahr deuten darauf hin, dass Verbraucher auch bei Nahrungsmitteln, Dienstleistungen und anderen Waren mit weiteren Preisauftrieben rechnen müssen, weil Unternehmen höhere Kosten erst nach und nach weitergeben.

Bedeutung für Unternehmen und Geldpolitik

Für Unternehmen sind die sinkenden Preiserwartungen kurzfristig ein Zeichen, dass der Spielraum für weitere Preiserhöhungen enger wird, etwa weil Nachfrage und Wettbewerb Grenzen setzen. Gleichzeitig müssen sie sich auf anhaltend hohe und volatilen Energiepreise einstellen, was Planungssicherheit erschwert. Für die Geldpolitik sind die Projektionen des Ifo-Instituts ein Hinweis darauf, dass die Inflationsbekämpfung noch nicht abgeschlossen ist: Eine Kerninflation deutlich über zwei Prozent begrenzt mittelfristig den Spielraum für deutliche Zinssenkungen und macht eine vorsichtige Normalisierung notwendig, um Preisstabilität mit wirtschaftlicher Entwicklung in Einklang zu bringen.

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