Ifo-Barometer: Stellenabbau in Deutschland gestoppt
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 18:15 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Stellenabbau in der deutschen Wirtschaft ist im September zum Stillstand gekommen. Das zeigen die aktuellen Daten des Beschäftigungsbarometers, das das Ifo-Institut monatlich für das „Handelsblatt“ berechnet.
Unternehmen planen weiter vorsichtig
„Der Abwärtstrend am Arbeitsmarkt ist vorerst gestoppt“, sagte Ifo-Chefstatistiker Klaus Wohlrabe dem „Handelsblatt“. Für einen Stellenaufbau müsse sich der wirtschaftliche Aufschwung allerdings in Länge und Breite fortsetzen.
Die Unternehmen blieben bei ihrer Personalplanung zunächst vorsichtig. „In weiten Teilen der Wirtschaft fehlt weiterhin die Bereitschaft für Neueinstellungen“, sagte Wohlrabe.
Industrie und Handel unter Druck
In der Industrie weist der Saldo der Beschäftigungsplanung den September-Daten zufolge weiterhin ins Minus. Der Rückgang fällt jedoch deutlich kleiner aus als in den vergangenen drei Jahren.
Auch im Handel werden weiterhin mehr Stellen ab- als aufgebaut. Bei den Dienstleistern ist der Saldo dagegen erstmals seit längerer Zeit zumindest positiv.
Umfrage unter 9.000 Unternehmen
Das Beschäftigungsbarometer basiert auf monatlichen Befragungen des Ifo-Instituts. Daran nehmen rund 9.000 Unternehmen aus Industrie, Dienstleistungssektor, Handel und Bau teil.
Das Beschäftigungsbarometer beschreibt die kurzfristige Personalplanung von Unternehmen und ist deshalb kein direkter Beschäftigungszähler. Ein stabilisierter Saldo bedeutet, dass sich die Zahl der Unternehmen mit Abbauplänen und jener mit Einstellungsabsichten annähert. Für Beschäftigte und Arbeitssuchende ist das zunächst ein Signal gegen eine weitere Verschärfung, aber noch kein Beleg für einen breiten Stellenaufbau.
Die Branchenunterschiede sind entscheidend: Die Industrie bleibt trotz einer Abschwächung des Abwärtstrends unter Druck, während der Handel weiterhin vorsichtig plant. Der leicht positive Saldo bei den Dienstleistern kann den Gesamttrend stützen, sagt aber wenig über einzelne Berufe, Regionen oder die Qualität neuer Arbeitsplätze aus. Besonders konjunkturabhängige Unternehmen reagieren meist zurückhaltend, solange Aufträge, Kosten und Absatzperspektiven nicht dauerhaft besser werden.
Arbeitsmarkt zwischen Erholung und Strukturwandel
Die aktuelle Stabilisierung fällt in eine Phase, in der sich die deutsche Konjunktur aufhellt, die Beschäftigung aber durch strukturelle Faktoren belastet bleibt. Prognosen für 2026 und 2027 rechnen trotz erwarteten Wirtschaftswachstums mit einem Rückgang der Erwerbstätigkeit; als wichtiger Grund gilt die Alterung der Gesellschaft. Dadurch können gleichzeitig Fachkräfte fehlen und Unternehmen in bestimmten Bereichen Stellen abbauen.
Für die weitere Entwicklung kommt es daher darauf an, ob sich der Aufschwung über mehrere Monate hinweg auf mehr Branchen ausdehnt. Erst dann dürfte aus vorsichtiger Personalplanung eine breitere Einstellungsbereitschaft entstehen.
