ICT, Card

ICT Card 2026: Deutschlands neue Hürden für Fachkräfte

30.04.2026 - 08:12:40 | boerse-global.de

Die Zahl der ICT-Visa sinkt, während Behörden Gehaltsprüfungen verschärfen. Die neue Work and Stay Agency soll Verfahren beschleunigen.

ICT Card 2026: Deutschlands neue Hürden für Fachkräfte - Foto: über boerse-global.de
ICT Card 2026: Deutschlands neue Hürden für Fachkräfte - Foto: über boerse-global.de

Multinationale Konzerne müssen sich auf strengere Gehaltsprüfungen und digitalisierte Verfahren einstellen. Der aktuelle BAMF-Jahresbericht vom 30. März und ein veröffentlichter Einwanderungs-Tracker vom 25. April zeigen: Die ICT Card bleibt zentral, doch der Trend geht zu dauerhaften Aufenthaltstiteln.

Rückgang der ICT-Visa: Was steckt dahinter?

Die Zahlen des BAMF-Migrationsberichts sprechen eine klare Sprache. 2024 kamen nur noch 955 Drittstaatsangehörige mit einer ICT Card oder einem internationalen Personal austausch nach Deutschland – ein Rückgang von 34,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ende Dezember 2024 lebten noch 3.520 Menschen mit einer aktiven ICT Card hierzulande.

Anzeige

Der im Gesetz geforderte Nachweis des unternehmerischen Bedarfs setzt eine präzise Vorausplanung der personellen Ressourcen voraus. Entdecken Sie in diesem kostenlosen Report die Methoden, mit denen Profis ihre Personalbedarfs- und Einsatzplanung strukturiert und ohne Bauchgefühl angehen. Gratis E-Book zur professionellen Personalplanung sichern

Bemerkenswert ist die Herkunftsverteilung: Indische und chinesische Staatsangehörige stellten jeweils 37,2 Prozent der ausgestellten ICT Cards. Der Frauenanteil liegt bei mageren 21,5 Prozent. Analysten führen den Rückgang auf die erweiterten Möglichkeiten der EU Blue Card zurück, die seit den Reformen 2023/2024 für Fachkräfte deutlich attraktiver geworden ist.

Gehaltsprüfung: Die neue Härte der Behörden

Anders als die EU Blue Card hat die ICT Card keinen festen Mindestlohn. Stattdessen gilt eine strenge Gehaltsparität: Die Vergütung muss mit vergleichbaren deutschen Arbeitnehmern in derselben Branche und Region übereinstimmen. Seit dem 1. Januar 2026 wirken sich die jährlich angepassten Beitragsbemessungsgrenzen der Sozialversicherung indirekt auf diese Benchmarks aus.

Für 2026 bedeutet das: Während die EU Blue Card bei 50.700 Euro für Standardrollen und 45.934,20 Euro für Engpassberufe liegt, prüft die Bundesagentur für Arbeit bei ICT Cards zunehmend strenger. „Die Paritätsprüfungen werden immer detaillierter", warnt ein Arbeitsrechtsexperte. „Unternehmen müssen das gesamte Vergütungspaket inklusive Auslandszulagen dokumentieren."

Die „Work and Stay Agency": Schneller, aber nicht einfacher

Seit Juni 2024 ist die letzte Stufe des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes in Kraft. Ein Meilenstein: die neue „Work and Stay Agency", die seit April 2026 die Verfahren zentral bündelt. Ihr Versprechen: 30 Prozent schnellere Bearbeitungszeiten – von derzeit 4 bis 10 Wochen für Visum und Aufenthaltstitel.

Der Weg zur ICT Card bleibt mehrstufig:
- Optionale Vorabzustimmung der Bundesagentur für Arbeit (reduziert Botschaftszeit auf zehn Tage)
- Anmeldung innerhalb von zwei Wochen nach Einreise
- Beantragung der physischen Karte innerhalb von drei Monaten bei der Ausländerbehörde

Die Gebühren bleiben stabil: 75 Euro für das nationale D-Visum, 100 Euro für die ICT Card.

Strengere Nachweise: Das „Business Need" wird geprüft

Besonders bei der Kategorie „Spezialist" verlangen die Behörden 2026 eine detaillierte Begründung des unternehmerischen Bedarfs. Der Mitarbeiter muss über seltene, firmenspezifische Kenntnisse verfügen, die für die deutsche Niederlassung unverzichtbar sind. Das unterscheidet diesen Weg von allgemeinen Fachkräfteerlaubnissen.

Die Voraussetzungen im Überblick:
- Mindestens sechs Monate Betriebszugehörigkeit beim nicht-europäischen Konzern
- Maximal drei Jahre für Manager und Spezialisten, ein Jahr für Trainees
- Sechsmonatige Abkühlphase vor erneuter Beantragung

EU-weite Mobilität: Der entscheidende Vorteil

Ein Trumpf der ICT Card bleibt die inner-europäische Mobilität. Inhaber dürfen bis zu 90 Tage innerhalb von 180 Tagen in anderen EU-Staaten arbeiten – ohne zusätzliche Arbeitserlaubnis. Für längere Aufenthalte ist die „Mobile ICT Card" nötig, die jedoch eine separate Beantragung bei den nationalen Behörden erfordert.

Arbeitsrechtsexperten betonen den strategischen Unterschied zur EU Blue Card: „Die Blue Card ist ein lokaler Vertrag für langfristige Integration und führt in 21 bis 27 Monaten zur Niederlassungserlaubnis. Die ICT Card bleibt temporär und basiert auf dem ausländischen Arbeitsvertrag." Das macht sie zum idealen Instrument für Projektrotationen und Führungskräfte-Entsendungen.

Anzeige

Werden internationale Fachkräfte über lokale Verträge angestellt, ist rechtliche Sicherheit bei der Vertragsgestaltung das A und O. Dieser kostenlose Leitfaden bietet 19 sofort einsetzbare Muster-Formulierungen auf dem neuesten Stand der Gesetzgebung. Rechtssichere Arbeitsvertrag-Vorlagen jetzt kostenlos herunterladen

Wechselmöglichkeiten: Vom ICT zur Blue Card

2026 erlaubt das Recht mehr Flexibilität beim Titelwechsel. Wer mit einer ICT Card einreist, kann unter bestimmten Bedingungen zur EU Blue Card oder zur regulären Fachkräfteerlaubnis wechseln – vorausgesetzt, er hat einen lokalen deutschen Arbeitsvertrag und erfüllt die entsprechenden Qualifikations- und Gehaltsvoraussetzungen.

Ausblick: Papierlose Verfahren für „vertrauenswürdige Arbeitgeber"

Die Zukunft der ICT Card bleibt für die deutsche Auto-, Ingenieurs- und Technologiebranche zentral, auch wenn die absoluten Zahlen schwanken. Die Bundesregierung und die neue Work and Stay Agency setzen auf Digitalisierung: Bis Ende 2026 sollen die Konsularportale des Auswärtigen Amts enger mit den lokalen Ausländerbehörden vernetzt werden. Für „vertrauenswürdige Arbeitgeber", die das ICT-System häufig nutzen, sind vollständig papierlose Antragswege geplant.

Die größte Herausforderung für multinationale Konzerne bleibt die Einhaltung der sich ständig ändernden Paritätsstandards. Da die Löhne in Deutschland schwanken, aktualisiert die Bundesagentur für Arbeit ihre Benchmarks halbjährlich. Personalabteilungen sollten das Portal „Make it in Germany" und branchenspezifische Gehaltsdaten nutzen, um ihre Entsendungsverträge auf dem neuesten Stand zu halten – und Verzögerungen bei der Genehmigung kritischer Fachkräfte zu vermeiden.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69262013 |