IAV streicht 1.400 Stellen – Telekom-Streiks weiten sich aus
07.05.2026 - 04:46:29 | boerse-global.deGleich zwei Großkonflikte erschüttern die Arbeitswelt: Der Autozulieferer IAV baut massiv Stellen ab, während bei der Deutschen Telekom die Warnstreiks auf zwölf Bundesländer ausgeweitet wurden.
IAV schließt Berliner Zentrale – 1.400 Jobs weg
Der Volkswagen-Tochter IAV steht vor einem radikalen Schnitt. Am 6. Mai bestätigte das Management: 1.400 Stellen werden bundesweit gestrichen. Besonders hart trifft es den traditionsreichen Standort Berlin-Charlottenburg. Rund 1.250 Mitarbeiter arbeiten dort – doch das Unternehmen will die Zentrale bis 2027 aufgeben und verkaufen.
Die IG Metall kündigte massiven Widerstand an. „Das ist schlichtweg unverantwortlich“, heißt es aus der Gewerkschaft. Bereits in der kommenden Woche sind Proteste geplant. Betroffen ist auch der Standort Stollberg in Sachsen.
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Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey hat sich als Vermittlerin angeboten. Sie will mit allen Beteiligten sprechen, um die Folgen für die Belegschaft abzumildern. Den betroffenen Mitarbeitern bietet IAV eine Umsiedlung nach Gifhorn an – ein Angebot, das bei vielen auf wenig Gegenliebe stößt.
Warnstreiks bei der Telekom erreichen neue Dimension
Parallel dazu eskalieren die Tarifkonflikte bei der Deutschen Telekom. Die Gewerkschaft ver.di hat die Warnstreiks am heutigen Donnerstag auf zwölf Bundesländer ausgeweitet. Betroffen sind unter anderem Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Bayern.
Die Bilanz der ersten Streikwoche ist beeindruckend: Über 10.000 Beschäftigte beteiligten sich bereits. Die Folgen für Kunden sind spürbar: Telekom-Shops bleiben geschlossen, Hotlines sind eingeschränkt, Kundentermine wurden abgesagt. In Berlin versammelten sich die Streikenden am Morgen am Alexanderplatz.
ver.di fordert 6,6 Prozent mehr Lohn für rund 60.000 Tarifbeschäftigte bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Dazu kommt eine jährliche Sonderzahlung von 660 Euro. Für Azubis und dual Studierende soll es monatlich 120 Euro mehr geben.
Die dritte Verhandlungsrunde ist für den 11. und 12. Mai in Potsdam angesetzt. „Wir brauchen ein ernstzunehmendes Angebot“, betont ver.di-Verhandlungsführer Pascal Röckert. Die Telekom zeigt sich gesprächsbereit, doch die Fronten sind verhärtet.
Neue Rechtsprechung stärkt Arbeitnehmerrechte
Während die Tarifparteien ringen, setzen die Gerichte wichtige Signale. Das Arbeitsgericht Köln entschied am 6. Mai: Ein zweiter befristeter Vertrag ohne sachlichen Grund ist in der Regel unzulässig – selbst wenn eine kurze Pause zwischen den Beschäftigungsverhältnissen liegt.
Konkret ging es um einen Kinobetreiber, der einen ehemaligen Filmvorführer für eine Marketingstelle erneut befristen wollte. Das Gericht gab dem Arbeitnehmer recht. Ausnahmen gelten nur, wenn die vorherige Beschäftigung sehr kurz zurückliegt oder völlig andere Aufgaben umfasste.
Diese Entscheidung reiht sich ein in eine europäische Linie. Bereits am 14. April hatte der Europäische Gerichtshof spanische Regelungen gegen Kettenbefristungen als unzureichend verworfen.
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Machtspiele in Krisenzeiten – was Experten raten
Wenn Unternehmen umbauen, steigt nicht nur der wirtschaftliche Druck. Auch die sozialen Dynamiken am Arbeitsplatz verändern sich. Der Bonner Professor Gerhard Blickle und Coach Eva Boos beobachten: Machtspiele nehmen in Krisenzeiten zu. Kollegen werden ausgeschlossen, Kontrolle wird exzessiv ausgeübt, Ideen werden geklaut.
Besonders tückisch: Die Bewertung solcher Verhaltensweisen ist oft geschlechtsspezifisch. Was bei Männern als „leidenschaftlich“ gilt, wird bei Frauen schnell als „hysterisch“ abgestempelt. Die Experten raten Betroffenen: Vorfälle dokumentieren, Verbündete suchen und unangemessenes Verhalten klar benennen.
Ausblick: Entscheidende Wochen
Die kommenden Tage werden richtungsweisend. Die dritte Verhandlungsrunde bei der Telekom könnte den Weg zu einer Einigung ebnen – oder den Konflikt weiter eskalieren lassen. ver.di pocht auf eine kurze Laufzeit von zwölf Monaten, um in einem volatilen Umfeld flexibel zu bleiben.
Bei IAV zeichnet sich ein längerer Konflikt ab. Der Verkauf des Berliner Standorts ist erst für 2027 geplant – das lässt Raum für Verhandlungen über Sozialpläne und mögliche Alternativen. Die geplanten Proteste zeigen: Die Belegschaft wird nicht kampflos aufgeben.
Beide Konflikte stellen die deutsche Mitbestimmung auf den Prüfstand. Sie zeigen, wie schwer sich traditionelle Industrien mit dem Wandel tun – und dass die Kosten der Transformation nicht nur in Bilanzen, sondern auch in Arbeitsplätzen gemessen werden.
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