Hybrid-DRGs: AOK-Studie meldet 360 Millionen Euro Mehrkosten 2025
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 20:11 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Gesetzliche Krankenversicherung hat im Jahr 2025 laut einer Studie Mehrausgaben von 360 Millionen Euro durch eine Neuregelung von Vergütungs-Fallpauschalen verzeichnet, die ursprünglich Kosten senken sollte. Das geht aus einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor, die der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vorab vorliegt.
Studie zeigt unerwünschte Effekte der Reform
Neben der politisch angestrebten Verlagerung von Operationen aus Krankenhäusern in ambulante Praxen hat die Neuregelung nach Angaben des WIdO ungewollt auch einen deutlichen Anstieg der Operationszahlen ausgelöst. Betroffen sind insbesondere Eingriffe wie Operationen von Leistenbrüchen oder Gallenblasensteinen. Damit wurden nicht nur Behandlungsorte verschoben, sondern insgesamt deutlich mehr Fälle abgerechnet.
Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, sieht darin ein gravierendes Problem und drängt auf eine Korrektur der gesetzlichen Vergütungsvorgaben für solche Operationen. Die von der Ampelkoalition 2024 in Kraft gesetzte Neuregelung sei „zwar gut gemeint, aber schlecht gemacht“, sagte Reimann der FAZ. Aus ihrer Sicht ist es „höchste Zeit, dass der Gesetzgeber die Regelungen nachbessert“.
Hybrid-DRGs als gemeinsames Vergütungssystem
Mit den Fallpauschalen, den sogenannten Hybrid-DRGs, erhalten Vertragsärzte und Krankenhäuser seit 2024 für bestimmte Eingriffe gleich hohe Vergütungen. Während die Vergütungen für Krankenhäuser im Vergleich zu früher niedriger ausfallen, steigen sie für Vertragsärzte deutlich. Ziel der Reform war es, mehr Behandlungen ambulant statt stationär erbringen zu lassen, da dies im Grundsatz günstiger ist.
Nach der WIdO-Studie stiegen die Fallzahlen in der Folge insgesamt jedoch um 17 Prozent. Anstatt die Ausgaben zu senken, führte die Reform bei den gesetzlichen Krankenkassen damit zu erheblichen Mehrkosten. Um solche Mengeneffekte und weitere Belastungen für die Kassen zu vermeiden, fordert Reimann, dass die betreffenden Fallpauschalen um 30 Prozent abgesenkt werden.
Debatte über Nachsteuerung der Ampel-Reform
Die Ergebnisse der Studie dürften die politische Debatte über die zukünftige Ausgestaltung der Hybrid-DRGs und der sektorenübergreifenden Versorgung neu beleben. Im Zentrum steht die Frage, wie Vergütungssysteme so gestaltet werden können, dass sie gewünschte Strukturveränderungen im Gesundheitswesen unterstützen, ohne neue Fehlanreize und Kostensteigerungen zu erzeugen.
Die Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK setzt an einer zentralen Reform der Krankenhausvergütung an, die seit 2024 gilt. Mit den sogenannten Hybrid-DRGs wollte die Ampelkoalition planbare Eingriffe aus dem stationären Bereich stärker in die ambulante Versorgung verlagern, um Kosten zu senken und Krankenhäuser zu entlasten. Die nun ausgewiesenen Mehrkosten von 360 Millionen Euro für das Jahr 2025 machen deutlich, dass dieses Steuerungsziel bislang nicht erreicht wurde.
Reformziel und Fehlanreize
Hybrid-DRGs sehen für bestimmte Eingriffe – etwa Leistenbruchoperationen oder das Entfernen von Gallenblasensteinen – eine einheitliche Vergütung vor, unabhängig davon, ob diese ambulant oder stationär durchgeführt werden. Für Krankenhäuser bedeutet dies geringere Erlöse als zuvor, während für niedergelassene Vertragsärzte die Vergütung deutlich gestiegen ist. Die WIdO-Auswertung zeigt, dass dadurch nicht nur Behandlungen verlagert, sondern insgesamt auch mehr Operationen durchgeführt wurden.
Ein Fallzahlanstieg von 17 Prozent bei diesen Eingriffen legt nahe, dass die Reform zwar die sektorübergreifende Versorgung stärkt, zugleich aber neue Mengenausweitungen begünstigt. Für die gesetzlichen Krankenkassen bedeutet dies, dass erwartete Einsparungen ausbleiben und stattdessen zusätzliche Ausgaben entstehen. Die Forderung nach einer Absenkung der Pauschalen um 30 Prozent zielt darauf, diesen Mengeneffekt zu begrenzen.
Folgen für Patienten und Politik
Für Patienten kann die Verlagerung in die ambulante Versorgung Vorteile bringen, etwa kürzere Aufenthalte und eine geringere Belastung durch stationäre Behandlung. Zugleich wirft der starke Anstieg der Operationszahlen die Frage auf, ob medizinische Notwendigkeit immer klar im Vordergrund steht oder finanzielle Anreize eine größere Rolle spielen. Für die Gesundheitspolitik ist die Studie ein Hinweis, dass sektorübergreifende Vergütungsmodelle sorgfältig austariert werden müssen, um Qualität und Effizienz zu verbinden, ohne unerwünschte Kostensteigerungen zu erzeugen.
