HR-Bürokratie: 50 Prozent der Arbeitszeit für Verwaltung
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine aktuelle Untersuchung verdeutlicht den hohen administrativen Aufwand in deutschen Personalabteilungen. Um in Krisenzeiten handlungsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen ihre internen Prozesse grundlegend entschlacken. Besonders die HR-Bereiche stehen hierbei im Fokus, da sie fast die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit Verwaltungsaufgaben verbringen.
Die Effizienz deutscher Unternehmen wird zunehmend durch hausgemachte bürokratische Hürden gebremst. Wie das „New Work Barometer 2026“ der SRH University Heidelberg zeigt, nehmen interne Vorschriften und Dokumentationspflichten einen kritischen Umfang an. Demnach gaben 70 Prozent der im Rahmen der Studie befragten Personen an, dass die Bürokratie in den vergangenen zwei Jahren zugenommen habe. Für die Erhebung wurden zwischen April und Juni 2026 insgesamt 734 Teilnehmer aus über 700 Unternehmen in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) befragt.
Personalwesen als Schwerpunkt der Belastung
Besonders deutlich tritt die Problematik im Bereich Human Resources (HR) zutage. Laut der Studie der SRH Berlin schätzen 67,2 Prozent der Befragten die Personalabteilungen als besonders stark durch Bürokratie belastet ein. Dieser Eindruck spiegelt sich in der zeitlichen Beanspruchung wider: HR-Mitarbeiter verwenden demnach nahezu 50 Prozent ihrer täglichen Arbeitszeit für Dokumentationen, Prüfvorgänge und die Einholung von Freigaben.
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Im Vergleich dazu liegt der Gesamtdurchschnitt der bürokratischen Belastung über alle Unternehmensbereiche hinweg bei 40 Prozent. Andere Abteilungen wie das Marketing oder die Poststelle sind deutlich weniger betroffen; hier liegt der Anteil der bürokratischen Tätigkeiten bei lediglich etwa 10 Prozent. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das Personalwesen als zentrales Organ der Unternehmensverwaltung unverhältnismäßig stark durch administrative Prozesse gebunden wird.
Hemmnisse durch interne Regelwerke
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die Erkenntnis, dass vor allem interne bürokratische Prozesse die Leistungsfähigkeit der Organisationen mindern. Diese hausinternen Vorgaben wirken sich den Daten zufolge stärker negativ auf die Performance aus als externe gesetzliche Anforderungen. Carsten Schermuly, der Studienleiter des New Work Barometers 2026, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es deutschen Unternehmen besonders schwerfalle, ihre einmal etablierten eigenen Regeln wieder zu ändern oder anzupassen.
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Diese Trägheit bei der Reform interner Abläufe wird zunehmend zum strategischen Risiko. Wenn HR-Abteilungen einen Großteil ihrer Ressourcen für die reine Verwaltung aufwenden müssen, fehlt die Kapazität für strategische Aufgaben und die Begleitung von Veränderungsprozessen.
Notwendigkeit einer proaktiven Prozessreduktion
Angesichts dieser Befunde wird die Notwendigkeit betont, dass Personalabteilungen aktiv an einer Reduzierung der internen Bürokratie arbeiten müssen. Dies wird als Grundvoraussetzung gesehen, um die Krisenbewältigung innerhalb der Unternehmen sicherzustellen. Nur durch eine deutliche Verschlankung der Genehmigungs- und Dokumentationsprozesse könnten HR-Teams die nötigen Freiräume gewinnen, um flexibel auf wirtschaftliche oder organisatorische Herausforderungen zu reagieren.
Die Autoren der Studie sehen hierbei die Führungsebene in der Pflicht, bürokratische Strukturen konsequent zu hinterfragen. Ziel müsse es sein, die HR-Verwaltung von einer reinen Kontrollinstanz wieder stärker zu einem Gestalter des Arbeitsumfelds zu entwickeln, um die Wettbewerbsfähigkeit in einem dynamischen Marktumfeld nicht durch selbst auferlegte Bremsen zu gefährden.
