HR-Automatisierung: 55 Prozent der Personalarbeit durch KI ersetzbar
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 07:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine aktuelle Untersuchung von Professorin Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) kommt zu dem Ergebnis, dass rund 55 Prozent der Arbeitszeit in der Personalverwaltung durch den Einsatz moderner Technologien ersetzbar sind.
Die Mitte August veröffentlichte Analyse unterstreicht das erhebliche Automatisierungspotenzial in administrativen HR-Bereichen, während gleichzeitig neue Anforderungen an die strategische Ausrichtung und die Zusammenarbeit mit der IT entstehen.
Aktueller Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Personalwesen
Trotz des theoretischen Potenzials bewegt sich der tatsächliche Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in deutschen Personalabteilungen derzeit noch im unteren zweistelligen Prozentbereich.
Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 602 Unternehmen, die zwischen der 18. und 25. Kalenderwoche 2026 durchgeführt wurde, nutzen 16 Prozent der Betriebe KI für die individuelle Weiterbildung. Weitere Einsatzgebiete sind die Erstellung von Arbeitszeugnissen (14 Prozent), das Onboarding neuer Mitarbeiter (14 Prozent) sowie die Bearbeitung interner Personalanfragen (13 Prozent).
Im Vergleich zum Jahr 2024 zeigt sich ein deutlicher Anstieg bei der Bewertung der Arbeitsbelastung, die nun in 13 Prozent der Unternehmen durch KI unterstützt wird (2024: 6 Prozent).
Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder verwies darauf, dass insbesondere Datenschutzbedenken und die Einstufung von KI im Personalwesen als Hochrisiko-Anwendung durch den EU AI Act die Verbreitung bremsen. Dennoch bestehe großes Interesse: So lassen zwar erst 14 Prozent der Firmen Arbeitszeugnisse durch KI erstellen, 52 Prozent zeigen jedoch Interesse an einer solchen Lösung.
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Hürden bei der Integration und Produktivität
Eine Studie des Softwareanbieters Workday verdeutlicht die Differenz zwischen der Akzeptanz von KI und deren praktischem Nutzen im Arbeitsalltag. Zwar gaben 74 Prozent der deutschen Beschäftigten an, dass KI ihre Arbeit verbessere, doch nur 51 Prozent sehen eine produktive Beschleunigung ihrer Tätigkeiten. Lediglich 49 Prozent berichteten von einer tatsächlichen Zeitersparnis.
Ein wesentlicher Grund hierfür scheint die mangelnde Systemintegration zu sein. Nur 21 Prozent der deutschen Angestellten gaben an, dass KI tief in die Kernsysteme integriert sei. In der Folge verbringen 22 Prozent der Befragten mindestens sieben Stunden pro Woche damit, Daten manuell zwischen verschiedenen Systemen zu übertragen. Zudem gaben 81 Prozent an, dass Probleme mit Prozessen und Systemen eine Stressquelle darstellten.
Wandel der Kompetenzprofile und Organisationsstrukturen
Die Transformation der Personalabteilungen führt laut Marktforschern von Gartner zu neuen organisatorischen Strukturen. Bis zum Jahr 2029 werden demnach 30 Prozent der Organisationen dedizierte HR-IT-Teams bilden. Dabei sollen Personalvorstände (CHROs) und IT-Verantwortliche (CIOs) die Verantwortung für Themen wie KI-Ethik, Skills-Management und die Arbeitsgestaltung teilen.
Gleichzeitig verschieben sich die gefragten Kompetenzen. Laut Daten von Cornerstone stieg die Nachfrage nach emotionaler Intelligenz um 95 Prozent, während Resilienz und Flexibilität ein Plus von 42 Prozent verzeichneten. Das PwC AI Jobs Barometer 2026 beziffert für das Jahr 2025 in Deutschland rund 109.400 Stellen für KI-Anwender, während lediglich 15.400 Stellen auf KI-Entwickler entfielen – ein Verhältnis von sieben zu eins.
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Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und Qualifizierung
Der Einzug von KI hat bereits messbare Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, insbesondere für Nachwuchskräfte. Laut Daten des Stanford Digital Economy Lab sank die Beschäftigung von 22- bis 25-Jährigen in KI-intensiven Berufen seit November 2022 um 11 Prozent. Das ifo Institut berichtete zudem, dass 20 Prozent der KI-nutzenden Firmen einen Ersatz von Hochschulabsolventen durch KI-Unterstützung für möglich halten.
Trotz dieser Umbrüche hinkt die betriebliche Weiterbildung hinterher. Nach Angaben des TÜV schulen derzeit nur 27 Prozent der deutschen Unternehmen ihre Mitarbeiter im Umgang mit KI.
Einige Unternehmen gehen jedoch bereits eigene Wege: Der Handelskonzern OTTO startete im Dezember 2025 das Programm „AI Ninjas“. Dabei werden Auszubildende und dual Studierende unter der Federführung der Tech Strategy der Otto Group Holding zu Multiplikatoren geschult, um in den Fachbereichen Prozesse zu analysieren und KI-Lösungen zu entwickeln.
