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Housing First Berlin: 350. Mietvertrag unterzeichnet, 90% bleiben stabil

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 23:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Housing First vermittelt in Berlin stabile Mietverhältnisse, während Wohlfahrtsverbände die Finanzierung und preisbasierte Vergaben kritisieren.

Berlin: Housing First schafft Wohnraum, doch Vergaben sorgen für Kritik
Moderne Wohnhausfassade in Berlin bei bewölktem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

In Berlin haben rund 420 ehemals wohnungslose Menschen über den Ansatz „Housing First“ eine feste Bleibe gefunden. Wie Berliner Medien berichten, gab Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe bekannt, dass Mitte September ein symbolischer Meilenstein erreicht wurde: Am 9. September 2026 wurde im Rahmen des Projekts „Housing First Queer“ der 350. Mietvertrag unterzeichnet.

Das Konzept unterscheidet sich grundlegend von der klassischen Wohnungslosenhilfe, da Betroffene ohne vorherige Bedingungen direkt einen regulären Mietvertrag erhalten und parallel sozialpädagogisch begleitet werden.

Der Ansatz besteht in der Hauptstadt seit 2018 und wird inzwischen von sechs Trägern umgesetzt. Die Bilanz nach acht Jahren zeigt eine hohe Stabilität: Über 90 Prozent der über das Programm vermittelten Personen verbleiben langfristig in ihren Wohnungen.

Haushaltsmittel und alternative Unterbringungskonzepte

Trotz der Erfolgsquote bei der dauerhaften Unterbringung klafft bei der Finanzierung eine deutliche Lücke zwischen akuter Notfallhilfe und langfristigen Wohnansätzen. Für bestehende Projekte von Housing First stehen im Berliner Landeshaushalt des Jahres 2026 knapp 3,7 Millionen Euro zur Verfügung. Für Notunterkünfte und Notmaßnahmen sind im selben Zeitraum hingegen über 30 Millionen Euro vorgesehen.

Parallel zu Housing First erproben Berliner Bezirke weitere Ansätze zur Vermeidung von Obdachlosigkeit. Auf dem Gelände der Gemeinschaftsunterkunft in der Finsterwalder Straße 64 in Reinickendorf trafen die ersten zwei von insgesamt vier Tiny-House-Anhängern für wohnungslose Menschen ein. Das Projekt wird vom Träger Home & Care mit einer sozialpädagogischen Betreuung umgesetzt.

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Berlin hat mit Housing First rund 420 ehemals wohnungslose Menschen in reguläre Mietverträge gebracht — über 90 Prozent bleiben dauerhaft in ihren Wohnungen. Während für Notunterkünfte über 30 Millionen Euro fließen, stehen für die bestehenden Präventionsprojekte nur knapp 3,7 Millionen Euro bereit. Wer diese Schieflage in der eigenen Kommune auflösen will, braucht belastbare Umsetzungs- und Kostenargumente. Kostenvergleich Prävention vs. Notunterkunft jetzt anfordern

Die Nutzungsdauer der mobilen Wohneinheiten ist voraussichtlich auf sieben Jahre angelegt, bevor mit dem Bezirksamt Reinickendorf über eine Weiterverwendung entschieden wird. Auch auswärtige Initiativen beobachten das Vorhaben: Vertreter des Vereins „Dach über den Kopf e.V.“ aus Lünen informierten sich vor Ort über die Umsetzung.

Wohlfahrtsverbände kritisieren Vergabepraxis

Während alternative Modelle neuen Wohnraum erschließen sollen, wächst bei der regulären Unterbringung von Bedürftigen die Kritik an den Vergabeverfahren des Landes Berlin. Ein Bündnis aus den Gewerkschaften ver.di und DGB sowie der Berliner Stadtmission und der Arbeiterwohlfahrt (AWO) warnt vor zunehmendem Lohndumping in Geflüchtetenunterkünften.

Nach Angaben des Bündnisses erfolgt die Vergabe durch das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten ausschließlich nach dem billigsten Preisangebot, während Tarifbindung und Entlohnungshöhen keine Rolle spielten. Dies habe dazu geführt, dass gemeinnützige Wohlfahrtsverbände bei Ausschreibungen kaum noch zum Zug kämen.

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Bei Ausschreibungen für Unterkünfte entscheidet oft allein der billigste Preis — Tarifbindung und Entlohnung bleiben außen vor. Ein Bündnis aus Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbänden dokumentiert 40 verlorene Vergabeverfahren in drei Jahren und fordert verbindliche Tarifvorgaben vom kommenden Senat. Damit Ihre nächste Vergabe rechtssicher und sozialverträglich aufgesetzt ist, gehört eine Prüfliste zur Tarifbindung in jede Ausschreibung. Vergabekriterien-Checkliste Tarifbindung jetzt sichern

Die Berliner Stadtmission unterlag in den vergangenen zwei Jahren bei 16 Ausschreibungen des Landesamts. Die AWO beteiligte sich über drei Jahre hinweg an 24 Bewerbungen, ohne einen einzigen Zuschlag zu erhalten.

Zusammen unterlagen beide Träger in einem Dreijahreszeitraum bei 40 Vergabeverfahren. Das Bündnis fordert vom kommenden Senat verbindliche Vorgaben, um Unterkunftsbetreiber künftig an Tarife zu binden.

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