Holzindustrie: 129 Arbeitsplätze bei Siempelkamp gestrichen
04.06.2026 - 22:31:33 | boerse-global.de
Die deutsche Holzwirtschaft steht vor massiven Herausforderungen: Rohstoffpreise brechen ein, Arbeitsplätze fallen weg, und die Politik soll helfen. Branchenvertreter trafen sich diese Woche in Düsseldorf mit der NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und Bauministerin Ina Scharrenbach, um über die Zukunft des Sektors zu sprechen.
Krisentreffen in Düsseldorf
Am 3. Juni 2026 tagte der Deutsche Holz- und Waldrat (DHWR) mit den beiden Ministerinnen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Rahmenbedingungen für die Branche verbessert werden können. Konkret forderten die Unternehmen wettbewerbsfähige Energiepreise und faire Marktbedingungen im Online-Möbelhandel.
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Die Gespräche drehten sich auch um bessere Regeln für den Holzbau und die nachhaltige Nutzung von Rohstoffen. Beide Ministerinnen betonten die strategic Bedeutung von Holz als Baustoff für den Klimaschutz und den Wohnungsbau – allerdings nur, wenn die wirtschaftlichen Bedingungen für heimische Produzenten stimmen.
Stellenabbau bei Siempelkamp
Besonders hart trifft der Wandel die Zuliefererindustrie. Am selben Tag wurden drastische Einschnitte beim Maschinenbauer Siempelkamp in Zweibrücken bekannt. Von den 282 Arbeitsplätzen am Standort sollen 129 wegfallen – fast jeder zweite.
Das Unternehmen will die eigene Fertigung im Werk Bubenhausen komplett einstellen und sich künftig nur noch auf Ersatzteile konzentrieren. Monatelange Kurzarbeit ging der Entscheidung voraus. Ursache sind die anhaltende globale Marktschwäche und der wachsende Druck aus China. Die Entwicklung steht exemplarisch für den Strukturwandel in der gesamten Branche.
Holzpreise stürzen ab
Die wirtschaftliche Lage ist angespannt: Im Mai 2025 fielen die Preise für Fichten- und Kiefernholz überraschend stark – um sieben bis zehn Euro pro Kubikmeter. Fichtenstammholz der Stärkeklasse 2a BC kostete zuletzt 123 bis 125 Euro pro Kubikmeter. Im März 2025 lag der Preis noch bei über 130 Euro – ein Rekordhoch.
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Analysten erklären den Preisrutsch mit gut gefüllten Sägewerken und einer schwächeren Nachfrage. Hinzu kommen geopolitische Spannungen: Der Konflikt mit dem Iran hat offenbar Holzexporte beeinträchtigt.
Erntezahlen zeigen Trendwende
Trotz der aktuellen Preisschwäche zeigen die längerfristigen Daten ein gemischtes Bild. In Niedersachsen meldeten die Behörden am 4. Juni 2026 den Holzeinschlag für 2025: 3,6 Millionen Kubikmeter – ein Plus von 9,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nadelholz machte 73,3 Prozent dieser Menge aus.
Doch der Schein trügt: Im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2024 lag die Ernte 2025 noch immer 25,2 Prozent niedriger. Immerhin: Der Anteil an Schadholz ist deutlich gesunken – auf nur noch 15 Prozent, das entspricht rund 546.400 Kubikmetern.
Tarifkonflikte belasten die gesamte Wirtschaft
Die Probleme der Holzindustrie sind kein Einzelfall. In der ersten Juniwoche 2025 kommt es in mehreren Schlüsselbranchen zu Arbeitskämpfen:
- Handel: ver.di hat für den 4. und 5. Juni zu bundesweiten Streiks im Einzel-, Groß- und Außenhandel aufgerufen. Die Beschäftigten fordern sieben Prozent mehr Lohn, mindestens aber 225 Euro.
- Chemieindustrie: Nach der siebten Verhandlungsrunde am 2. Juni – die nach 14 Stunden ergebnislos endete – kündigten die Gewerkschaften Warnstreiks für die 50.000 Beschäftigten der Branche an.
- Automobilzulieferer: Beim Mahle-Werk in Neustadt an der Donau stimmten IG-Metall-Mitglieder einem Sozialtarifvertrag zu. Das Werk soll im ersten Quartal 2027 schließen. Vorgesehen sind Abfindungen von bis zu 250.000 Euro und eine Transfergesellschaft.
Diese Tarifkonflikte zeigen: Die deutsche Industrie steckt in einem schwierigen Anpassungsprozess. Für die Holzindustrie kommt es nun darauf an, ob die Politik die versprochenen Erleichterungen auch liefert.
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