Inflation weiter gesunken - GehÀlter steigen stÀrker als Teuerung
29.11.2023 - 15:49:34Nach vorlĂ€ufigen Daten des Statistischen Bundesamtes vom Mittwoch lagen die Verbraucherpreise im November um 3,2 Prozent ĂŒber dem Niveau des Vorjahresmonats - nach 3,8 Prozent im Oktober. Es war der niedrigste Stand seit Juni 2021 mit damals 2,4 Prozent. Volkswirte rechnen nach einem Anstieg im Dezember mit einem weiteren RĂŒckgang der Teuerung. Im September lag die Jahresinflationsrate noch bei 4,5 Prozent und im August bei 6,1 Prozent. Zu Jahresbeginn stand sogar eine Acht vor dem Komma.
Vor allem fĂŒr Energie zahlten die Menschen im November weniger als ein Jahr zuvor (minus 4,5 Prozent). "Geholfen hat dabei der Ălpreis, der trotz des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten zuletzt wieder gefallen ist", erlĂ€uterte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Nahrungsmittel verteuerten sich den vorlĂ€ufigen Daten zufolge dagegen ĂŒberdurchschnittlich um 5,5 Prozent. Der Anstieg fiel aber nicht mehr so stark aus wie in den Vormonaten. Laut VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel halten auch höhere Preise fĂŒr den GaststĂ€ttenbesuch und fĂŒr Ăbernachtungen die Teuerungsrate auf noch relativ hohem Niveau.
Deutlich gestiegene Preise sind eine Belastung fĂŒr Verbraucher. Die Menschen können sich fĂŒr ihr Geld weniger leisten. Das bremst den privaten Konsum, der eine wichtige StĂŒtze der Konjunktur ist.
Verbraucherinnen und Verbraucher kaufen weniger ein
Bei einer jĂŒngst veröffentlichten Umfrage im Auftrag der Auskunftei Schufa gaben 74 Prozent von rund 1000 Befragten an, beim Einkaufen ganz bewusst weniger Geld auszugeben. "Die Menschen haben ihr Konsumverhalten an die gestiegenen Preise angepasst, sie kaufen schlicht weniger ein", sagte Schufa-Vorstand Ole Schröder.
Immerhin hellte sich die Konsumstimmung der Verbraucher rechtzeitig zum WeihnachtsgeschĂ€ft etwas auf, wie aus der neuesten Konsumstudie des NĂŒrnberger Konsumforschungsunternehmens GfK und des NĂŒrnberg Instituts fĂŒr Marktentscheidungen (NIM) hervorgeht. Allerdings bleibe das Niveau im langfristigen Vergleich sehr niedrig, und es gebe keinerlei Signale fĂŒr eine nachhaltige Erholung in den kommenden Monaten. "Die Stimmung ist nach wie vor von Verunsicherung und Sorgen geprĂ€gt", sagte NIM-Konsumexperte Rolf BĂŒrkl.
Arbeitsmarktexperte Dominik Groll vom IfW Kiel erwartet, dass die Erholung der Kaufkraft der BeschĂ€ftigten an Fahrt gewinnt. Das könnte den Konsum ankurbeln. Zuletzt stiegen die GehĂ€lter stĂ€rker als die Inflation. Nach Angaben der Statistiker legten die Nominallöhne im dritten Quartal um 6,3 Prozent zu und ĂŒbertrafen den Anstieg der Verbraucherpreise von 5,7 Prozent. Daraus ergab sich eine Reallohnsteigerung von 0,6 Prozent zum Vorjahresquartal. Bereits im zweiten Vierteljahr hatte es ein leichtes Plus gegeben.
Im kommenden Jahr dĂŒrften die Nominallöhne deutlich stĂ€rker steigen als die Verbraucherpreise, erwartet Groll. "Mit etwas GlĂŒck könnten die Reallohnverluste, die sich zwischen 2020 und 2022 aufsummiert haben, dann wettgemacht sein."
GegenĂŒber dem Vormonat Oktober sanken die Verbraucherpreise den vorlĂ€ufigen Daten zufolge um 0,4 Prozent.
Weiterer RĂŒckgang der Inflation 2024 erwartet
Volkswirte rechnen damit, dass die Inflation weiter sinken wird. Der SachverstÀndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung geht von einer Teuerungsrate von durchschnittlich 2,6 Prozent im kommenden Jahr aus.
Auch das Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo sieht einen nachlassenden Preisdruck. Zwar dĂŒrfte die Inflationsrate im Dezember vorĂŒbergehend auf etwa 4 Prozent steigen. Hier zeige sich aber vor allem ein Basiseffekt. Im vergangenen Jahr hatte der Staat einmalig die Kosten fĂŒr den Dezember-Abschlag der Gas- und FernwĂ€rmekunden ĂŒbernommen. "Aber bereits zu Beginn des kommenden Jahres wird die Inflationsrate auf unter 3 Prozent sinken", prognostizierte Ifo-Konjunkturchef Timo WollmershĂ€user.
Die EuropÀische Zentralbank (EZB) stemmte sich mit bislang zehn Zinserhöhungen in Folge gegen die erhöhte Inflation im Euroraum und in Deutschland. Höhere Zinsen verteuern Kredite, was die Nachfrage bremsen und hohen Teuerungsraten entgegenwirken kann. Die EZB sieht ihr Ziel stabiler Preise bei einer Inflation von mittelfristig 2,0 Prozent im Euroraum erreicht.

