Hochvolttechnik: ZVEH startet Qualifizierungs-Set im Juni
12.06.2026 - 04:31:40 | boerse-global.de
Branchenverbände und Handwerkskammern reagieren mit neuen Qualifizierungsangeboten – doch die Sicherheitsrisiken sind hoch.
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Gefahr lauert im Detail
Arbeiten an Hochvoltsystemen sind kein Kavaliersdelikt. Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) starben zwischen 2000 und 2015 jährlich 36 bis 100 Menschen durch Elektrounfälle. Rund 90 Prozent davon passierten im Niederspannungsbereich.
Doch mit der E-Mobilität kommen neue Risiken. Gefährdungen durch elektrischen Schlag oder Störlichtbögen bestehen bereits ab 25 Volt Wechselspannung oder 60 Volt Gleichspannung.
Die DGUV Regel 109-009 ist klar: Arbeiten an Hochvoltsystemen über 30 Volt Wechselspannung oder 60 Volt Gleichspannung dürfen nur Fachkräfte durchführen. Unternehmen wie Kranpunkten schulen daher verstärkt Personal für die Spannungsklasse B – die Nachfrage nach elektrischen Arbeitsmaschinen steigt rasant.
Modular in den Gesellenbrief
Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationshandwerke (ZVEH) hat im Juni 2026 ein neues Teilqualifizierungs-Set veröffentlicht. Es richtet sich an Menschen über 25 Jahre und ist modular in sieben Einheiten aufgebaut. Ziel: die Vorbereitung auf die externe Gesellenprüfung.
Zur Einführung gibt es am 26. und 30. Juni Informations-Webinare.
Während Profis an Hochvoltsystemen arbeiten, müssen auch alle anderen Mitarbeiter für die Gefahren durch elektrische Geräte sensibilisiert werden. Dieser bewährte Ratgeber für Sicherheitsbeauftragte bietet Ihnen ein fertiges Elektrizitäts-Quiz und alle nötigen Dokumentationshilfen gratis an. Gratis Muster-Vorlage für die Elektro-Unterweisung sichern
Auch regional tut sich was. Die Handwerkskammer Koblenz bietet im Juni und Oktober HV-Qualifizierungen an. Das WIFI Wien schult Techniker im September und November – in 16 Unterrichtseinheiten zu Aufbau von HV-Systemen und persönlicher Schutzausrüstung.
In Nordrhein-Westfalen setzen die Industrie- und Handelskammern auf Nachqualifizierungen. Rund 1,3 Millionen Menschen im Land haben keinen Berufsabschluss. Über Teilqualifikationen in Köln, Bonn und im Münsterland sollen sie Zertifikate und langfristig anerkannte Abschlüsse erhalten.
Technik auf der Überholspur
Parallel zur Qualifizierung entwickelt sich die Ladeinfrastruktur weiter. Auf der Fachmesse „smarter E Europe“ (23. bis 25. Juni 2026) präsentiert OMRON neue Hochspannungs-Leiterplattenrelais. Sie ersetzen herkömmliche Schütze, arbeiten mit Wechselspannungen bis zu einem Kilovolt und Gleichspannungen bis 1.500 Volt – und reduzieren das Gewicht von Schnellladestationen.
Trotz eines Rekords bei den Ausbildungszahlen im baden-württembergischen Elektrohandwerk – 5.831 Auszubildende zum Jahreswechsel – warnen Branchenvertreter vor Bürokratie-Hürden. Die bremse vor allem die Gründung neuer Betriebe. Die Politik hat Maßnahmen zum Bürokratieabbau angekündigt. Ob das reicht, um die Transformation zu beschleunigen?
