Hitzeschutz: Über 150 Organisationen fordern gesetzliche Verankerung
10.06.2026 - 23:48:11 | boerse-global.de
Juni 2026 fordern zahlreiche Fachverbände und Organisationen, den Hitzeschutz systematisch in der Krisenvorsorge zu verankern. Steigende Temperaturen und zunehmende Gesundheitsrisiken setzen Pflegebedürftige und das medizinische Personal unter Druck.
Ambulante Pflege in der Hitze-Falle
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) macht auf die besonderen Risiken für Pflegebedürftige aufmerksam. DBfK-Präsidentin Vera Lux betont: Pflegekräfte erkennen oft als Erste, wenn Hitzeperioden zur Gefahr werden. Der Verband fordert die Einbindung der ambulanten Pflege in kommunale Hitzeschutzpläne. Eine Online-Veranstaltung am 11. Juni soll weitere Details zu den spezifischen Gefährdungen liefern.
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Daten der AOK Niedersachsen und des Landesgesundheitsamtes (NLGA) untermauern die Forderung. Analysen des Projekts „AnKliMM“ zeigen: In besonders heißen Jahren steigt die Zahl der stationären Behandlungen wegen Flüssigkeitsmangel deutlich an. NLGA-Präsident Feil warnt, dass die Zahl der Hitzetage weiter zunehmen wird. Die AOK fordert verbindliche Hitzeaktionspläne für Risikogruppen wie Ältere, chronisch Kranke und Schwangere.
Mehr als 150 Organisationen für gesetzlichen Hitzeschutz
Ein breites Bündnis aus über 150 Organisationen – darunter die Bundesärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der GKV-Spitzenverband – verlangt eine gesetzliche Verankerung des Hitzeschutzes im Katastrophenschutz. Die Initiatoren warnen vor Extremszenarien mit Temperaturen bis zu 44 Grad Celsius. Die potenziellen wirtschaftlichen Schäden solcher Wetterereignisse werden auf rund 112,5 Milliarden Euro geschätzt.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) mahnt eine ernsthaftere Auseinandersetzung mit dem Thema an. Sie appelliert an Bund, Länder und Bürger, die gesundheitlichen Risiken durch häufigere Hitzeperioden nicht zu unterschätzen. Auch auf europäischer Ebene tut sich etwas: Das EU-Parlament sprach sich für ein europäisches Statut für Pflegekräfte aus. Ein umfassender „European Care Deal“ der EU-Kommission wird für 2027 erwartet.
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Mobile Arztpraxis auf acht Millionen Euro
Das Saarland erprobt neue Wege für die medizinische Versorgung in der Fläche. Ab September soll eine „Mobile Geriatrie Unit“ (MGU) – eine voll ausgestattete Arztpraxis in einem Lkw – rund 50 Pflegeheime anfahren. Das mit acht Millionen Euro geförderte Projekt versorgt etwa 4.000 Bewohner und bietet Diagnostik auf Notaufnahme-Standard, inklusive CT und Labor.
Kommunen setzen verstärkt auf digitale Informationsangebote. Die Kreisverwaltung Mainz-Bingen veröffentlichte eine Karte mit „kühlen Orten“, die schattige Plätze und Trinkbrunnen ausweist. In Thüringen starteten ein ähnliches Portal sowie eine Karte für Freibäder und Grünanlagen. Organisationen wie die Johanniter bieten kostenlose E-Books mit Verhaltenstipps an – die Zahl hitzebedingter Sterbefälle lag laut Robert Koch-Institut 2024 bei über 3.000.
Kommunen bei Klimaanpassung im Rückstand
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht in vielen Städten erheblichen Nachholbedarf. Ein aktueller „Hitze-Check“ bescheinigt besonders Kommunen in Thüringen und Niedersachsen Mängel bei der Flächenentsiegelung und Beschattung. In Städten wie Erfurt, Jena und Gera wurde die zunehmende Versiegelung kritisiert. Allein in vier untersuchten Thüringer Städten gingen seit 2018 rund 13.000 Bäume verloren.
Während die Politik über gesetzliche Rahmenbedingungen berät, setzen Apothekerkammern auf niederschwellige Angebote. In Nordrhein startete die Initiative „Apotheken als Hitzeschutzinseln“ – kühle Rückzugsorte mit Beratung zur Medikamentenwirkung bei hohen Temperaturen. Im Pflegebereich gibt es erste tarifliche Verbesserungen: Die Gewerkschaft vida einigte sich mit den Diakonissen in Linz und Schladming auf Gehaltssteigerungen von 3,4 Prozent sowie zusätzliche Urlaubstage.
