Hitzeschutz: NRW kündigt Warnsystem für Kliniken und Pflegeheime an
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 02:49 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Gewerkschaften und Politiker fordern nun verbindliche Hitzeschutzkonzepte für Beschäftigte im Freien und im Gesundheitswesen. Im Zentrum stehen bessere Flüssigkeitsversorgung, technischer Hitzeschutz und ein systematisches Warnsystem.
Gewerkschaften fordern „Getränke-Flatrate“
Die IG BAU hat Arbeitgeber in mehreren Regionen – darunter Mecklenburg, Sachsen-Anhalt, Oberfranken und Brandenburg – aufgefordert, kostenloses Wasser für Außenbeschäftigte bereitzustellen. Die sogenannte Getränke-Flatrate soll sicherstellen, dass Betriebe ausreichend Trinkwasser zur Verfügung stellen. Experten empfehlen drei bis fünf Liter pro Tag, idealerweise alle 15 bis 20 Minuten ein Glas.
Die zentrale Präventionsstrategie der Gewerkschaft folgt der WSS-Regel: Wasser, Sonnencreme und Schatten. Konkret empfiehlt die IG BAU Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 50, der alle zwei Stunden erneuert werden sollte. Zur persönlichen Schutzausrüstung gehören zudem langärmlige, luftdurchlässige Kleidung und Helme mit Nackenschutz. Für dauerhaft UV-exponierte Personen wird ein jährlicher Hautkrebs-Check empfohlen. Arbeitszeiten sollten nach Möglichkeit in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegt werden.
Alarmierende Zahlen aus dem Gesundheitswesen
Die Dringlichkeit der Forderungen untermauern aktuelle Daten. Das Robert Koch-Institut schätzt die Zahl der Hitzetoten bis Ende Juni auf über 5.100 bundesweit – rund 1.230 davon allein in Nordrhein-Westfalen. Das AKTIN-Notaufnahmeregister verzeichnete für den 28. Juni in Magdeburg einen besonders drastischen Wert: Bei den über 80-Jährigen war jede fünfte bis sechste Einweisung hitzebedingt. Insgesamt machten hitzeassoziierte Beschwerden Ende Juni bis zu sechs Prozent aller Notaufnahmen aus – mehr als während Grippe- oder Corona-Wellen.
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann kündigte am 13. Juli ein flächendeckendes Warnsystem für das Gesundheitswesen an. Ziel ist es, die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes direkt mit konkreten Handlungsanweisungen für Kliniken und Pflegeheime zu verknüpfen. Hintergrund sind Todesfälle in Einrichtungen in Leverkusen, Duisburg und Düren. Dort wird geprüft, ob Wetterwarnungen nicht ausreichend beachtet wurden. Die Krankenhausgesellschaft NRW wies auf einen massiven Investitionsstau hin: Für die Sanierung von Gebäudehüllen sowie die Installation von Klima- und Lüftungsanlagen seien mehrere Milliarden Euro nötig.
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Rechtliche Pflichten und langfristige Risiken
Die Gewerkschaft ver.di erinnerte daran, dass Arbeitgeber den Hitzeschutz in der gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen müssen. Beschäftigte im Gesundheitswesen haben das Recht, Gefährdungsanzeigen zu stellen, wenn die Arbeitsbedingungen ihre Gesundheit gefährden. Auch im benachbarten Ausland verschärft sich die Debatte. In Österreich forderten Vertreter der NEOS eine flächendeckende Nachrüstung von Kliniken mit Klimaanlagen – in Patientenzimmern wurden zuletzt Temperaturen von bis zu 30 Grad gemessen.
Ein langfristiges Risiko bleibt die UV-Strahlung. In der Schweiz wird Hautkrebs durch langjährige berufliche Belastung bereits als Berufskrankheit anerkannt. Die Unfallversicherung Suva verzeichnet jährlich etwa 25.000 Fälle von weißem und 3.500 Fälle von schwarzem Hautkrebs. Betriebe sind zwischen April und September verpflichtet, geeigneten Sonnen- und Kopfschutz bereitzustellen und Arbeiten zwischen 11 und 15 Uhr nach Möglichkeit zu vermeiden. Im Jahr 2025 wurden in der Schweiz rund 140 Fälle von weißem Hautkrebs offiziell als Berufskrankheit gemeldet – Fachleute schätzen die tatsächliche Zahl auf mindestens 1.000.
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