Hitzeschutz, DGB

Hitzeschutz: DGB fordert Ausfallgeld für Millionen Beschäftigte

Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

DGB und EU-Gewerkschaftsbund verlangen gesetzliche Maßnahmen gegen extreme Hitze am Arbeitsplatz, inklusive Ausfallgeld und Temperaturobergrenzen.

Hitzeschutz am Arbeitsplatz: Gewerkschaften fordern verbindliche Regeln
Ein moderner, sonnendurchfluteter Büroarbeitsplatz mit einem Glas Wasser und einem Thermometer als Symbol für Hitzeschutz. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Deutsche Gewerkschaftsbund und der Europäische Gewerkschaftsbund drängen auf verbindliche Schutzmaßnahmen gegen extreme Hitze am Arbeitsplatz. Im Fokus stehen Temperaturobergrenzen, Gesundheitsvorsorge und ein finanzieller Ausgleich bei witterungsbedingten Arbeitsausfällen.

Hitze-Ausfallgeld gefordert

DGB-Chefin Yasmin Fahimi forderte Mitte Juli ein gesetzliches Hitze-Ausfallgeld. Das Instrument soll Beschäftigte absichern, wenn die Arbeit wegen extremer Temperaturen unterbrochen werden muss. Der Hintergrund: Laut einer DGB-Erhebung fühlt sich jeder dritte Beschäftigte durch Hitze stark belastet. Schätzungen zufolge verursacht jeder Hitzetag Kosten von rund 431 Millionen Euro.

Als betriebliche Maßnahmen schlagen die Arbeitnehmervertreter Verschattungen, die Bereitstellung von Getränken und lockerere Kleidungsvorschriften vor.

EU-weite Standards in Planung

Der Europäische Gewerkschaftsbund setzt sich seit Ende Juni für verbindliche EU-Standards ein. Das Modell orientiert sich an den Abkühlpausen während Fußball-Weltmeisterschaften. Gefordert werden bezahlte Pausen, garantierter Zugang zu Schattenplätzen und Kühlmöglichkeiten sowie feste Temperaturobergrenzen für alle Mitgliedstaaten. Die EU-Kommission prüft derzeit die Aufnahme solcher Schutzrechte in bestehende Verordnungen.

Die Dringlichkeit untermauern WHO-Daten: Weltweit sterben jährlich rund 500.000 Menschen hitzebedingt. In Deutschland registrierte man im vergangenen Jahr etwa 6.300 Hitzetote. Allein in Sachsen meldeten Behörden bis Mitte des laufenden Jahres bereits 230 Todesfälle in diesem Zusammenhang.

Anzeige

Extreme Wetterlagen wie Hitzeperioden erfordern eine präzise Anpassung der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung, um Mitarbeiter wirksam zu schützen. Dieser kostenlose Report liefert Ihnen praxiserprobte Checklisten, mit denen Sie rechtssichere Gefährdungsbeurteilungen erstellen, die jeder behördlichen Prüfung standhalten. Rechtssichere GBU-Vorlagen jetzt kostenlos herunterladen

Konflikte um Mitbestimmung und Umsetzung

In der betrieblichen Praxis führt Hitzeschutz vermehrt zu rechtlichen Auseinandersetzungen. Das Arbeitsgericht Offenbach erklärte Ende Juli die fristlose Kündigung einer Betriebsratsvorsitzenden für unwirksam. Die Kündigung war Ende Juni ohne Angabe von Gründen und ohne Zustimmung des Betriebsrats ausgesprochen worden. Die Gewerkschaft NGG nannte den Vorgang skandalös.

Auch über die konkrete Ausgestaltung der Schutzregeln gibt es Differenzen. Die IG Bau forderte Ende Juli Arbeitsunterbrechungen ab 33 Grad sowie ein „Klima-Kurzarbeitergeld“. Handwerksbetriebe in der Ortenau bezeichneten die Forderungen als realitätsfern. Sie plädieren für flexiblere Arbeitszeiten, um die kühleren Morgenstunden besser nutzen zu können.

Anzeige

Ob Hitzeschutz oder Arbeitszeiten – der § 87 BetrVG ist das wichtigste Werkzeug für Betriebsräte, um bei der Gestaltung des Arbeitsalltags wirksam mitzubestimmen. Erfahren Sie in diesem Gratis-E-Book, wie Sie Ihre gesetzlichen Mitbestimmungsrechte bei der Arbeitszeitgestaltung und beim Gesundheitsschutz souverän durchsetzen. Gratis-Ratgeber zu Mitbestimmungsrechten sichern

Politik reagiert mit Förderprogrammen

Nordrhein-Westfalens Klimaschutzministerin Mona Neubaur kündigte am 24. Juli zwei Milliarden Euro für Klimaschutz und Klimaanpassung an. Davon sollen 1.000 Schulen und Kitas profitieren, um Außenanlagen hitzeresistent zu gestalten. In Sachsen beantragte die Linksfraktion einen landesweiten Hitzeaktionsplan – bisher haben nur wenige Kommunen entsprechende Konzepte.

Wissenschaftlich begleitet wird das Thema durch das Forschungsprojekt HiLSA in Sachsen-Anhalt. Bis 2027 untersuchen Forscher den Hitzeschutz für vulnerable Gruppen. Erste Messungen in Magdeburg belegen die Relevanz lokaler Gegebenheiten: In dicht bebauten Wohngebieten wurden Temperaturunterschiede von bis zu vier Grad auf engem Raum festgestellt.

Während technische Lösungen wie mobile Kühlkabinen aus Japan marktreif werden, bleibt die rechtliche Verankerung von Arbeitnehmerrechten bei Extremhitze zentral. Angesichts von Wetterprognosen mit Temperaturen bis zu 40 Grad zum Monatswechsel fordern Experten eine zeitnahe Umsetzung einheitlicher Mindeststandards.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wirtschaft | 69873215 |