Hitzeschutz: Begrünte Flächen kühlen um bis zu 15 Grad
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Deutsche Kommunen und Fachinstitutionen haben neue Konzepte zur Klimaanpassung vorgestellt. Die Maßnahmen reichen von Entsiegelung und Dachbegrünung bis zu verbindlichen Hitzeschutzstandards.
Verbindliche Vorgaben für Kliniken und Schulen
Die Ärztekammer Westfalen-Lippe fordert verbindlichen Hitzeschutz als Teil der Daseinsvorsorge. Kammerpräsident Dr. Hans-Albert Gehle schlug einen Zwei-Stufen-Plan vor: sofortige Maßnahmen wie Verschattung und Fassadenbegrünung plus ein staatliches Investitionsprogramm für Kliniken und Arztpraxen. Geschützt werden sollen besonders gefährdete Gruppen – chronisch Kranke, Ältere und Säuglinge.
Das BIÖG veröffentlichte heute spezifische Empfehlungen für Kitas und Schulen. Ab 26 Grad Raumtemperatur müssen Gegenmaßnahmen greifen: Fenster verschatten, Verdunstungskühlung verstärken, Trinkverhalten kontrollieren. Ab 30 Grad Außentemperatur soll sich die Trinkmenge verdoppeln bis verdreifachen.
In Bergneustadt brachte die SPD-Fraktion einen Antrag zur Klimatisierung städtischer Schulen ein. Vorgesehen sind Photovoltaik-betriebene Klimaanlagen, Sonnensegel und Baumpflanzungen. Lehrer Daniel Grütz: „Ein geregelter Unterricht ist bei 29 Grad Innentemperatur kaum noch möglich."
Passive Kühlung vor aktiven Systemen
Sandra Musculus, Vorsitzende der IVRSA, plädiert für außenliegenden Sonnenschutz statt aktiver Kühlung. Modellrechnungen zeigen: Mit konsequenter Verschattung und Nachtlüftung bleiben Räume mit Südwest-Fenstern auch bei 30 Grad Außenluft auf 23 bis 25 Grad. Gefordert werden höhere Anforderungen im Gebäudeenergiegesetz.
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Die Emschergenossenschaft und der Lippeverband bieten seit gestern Förderungen für Dachbegrünungen an. Im Projekt Klima.Werk erhalten Immobilieneigentümer Zuschüsse bis 10.000 Euro. Daten der TU Dortmund belegen: Gründächer sind bis zu 40 Grad kühler als dunkle Standarddächer.
Pilotprojekte zeigen Wirkung
In Riedstadt-Wolfskehlen dokumentierte Wissenschaftler Marcel Dogotari von der Universität Gießen erste Ergebnisse einer Wärmebilddrohnen-Untersuchung. Auf 1.400 Quadratmetern wurden Asphaltflächen durch Pflanzbeete mit Wasserspeichern ersetzt. Erste Messungen: Die bepflanzten Flächen sind 5 bis 15 Grad kühler als angrenzender Asphalt. Das Bundesprojekt ist mit über 1,2 Millionen Euro gefördert.
In Verden wurde gestern der Abschluss einer großflächigen Entsiegelung an einer Kindertagesstätte gemeldet. Rund 1.500 Quadratmeter Außengelände erhielten wasserdurchlässige Beläge und Zisternen zur Regenwasserspeicherung. Kosten: rund 1,1 Millionen Euro.
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In Erkrath setzt man am Europaplatz auf die „Coppicing"-Technik. Hitzebeständige Pflanzen wie Trompetenbäume und Hartriegel werden alle zwei bis drei Jahre radikal zurückgeschnitten – das erhöht Feuchtigkeitsspeicherung und Farbintensität. Bewässert wird über eine solargetriebene Sprinkleranlage.
Hitze wird zur Gesundheitsgefahr
Die Linksfraktion im sächsischen Landtag beantragte heute einen landesweiten Hitzeaktionsplan. Laut Robert Koch-Institut gab es in Sachsen bis zur Jahresmitte 2026 bereits 230 hitzebedingte Todesfälle. Im gesamten Vorjahr waren es bundesweit 6.300.
Nürnberg und München investieren in die hitzefeste Umgestaltung von Spielplätzen. München hat bereits 3,2 Millionen Euro für Maßnahmen auf der Theresienwiese ausgegeben. Nürnberg setzt auf Zisternen und Baumpflanzungen zur natürlichen Beschattung – allerdings mit Blick auf wirtschaftliche Grenzen. Zweiter Bürgermeister Krieglstein verweist auf die hohen Unterhaltskosten für Wasserspiele.
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