Hitzeschutz, Arbeitgeber

Hitzeschutz: Arbeitgeber müssen ab 30 Grad handeln

02.07.2026 - 19:30:53 | boerse-global.de

Bei Rekordhitze von über 41 Grad fordern Gewerkschaften verbindliche Abkühlungspausen für alle EU-Beschäftigten.

Hitzewelle in Deutschland: Gewerkschaften fordern EU-weite Schutzregeln
Hitzeschutz - Ein Thermometer zeigt extrem hohe Temperaturen, mit unscharfem Hintergrund von Arbeitnehmern, die unter der Hitze leiden. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Arbeitnehmervertreter fordern verbindliche Hitzeschutzregeln für die gesamte EU.

Gesetzliche Grenzen: Wann wird es kritisch?

Die Fürsorgepflicht zwingt Arbeitgeber zum Handeln. Ab 26 Grad Raumtemperatur sinkt die Leistungsfähigkeit messbar. Bei 30 Grad müssen Betriebe reagieren: Getränke bereitstellen, Lüftungskonzepte umsetzen, Bekleidungsvorschriften lockern.

Die harte Grenze liegt bei 35 Grad. Ohne technische oder organisatorische Schutzmaßnahmen gilt der Arbeitsplatz dann als ungeeignet. Österreich geht noch weiter: Dort greift die Hitzeschutzverordnung 2026 bereits ab einer gefühlten Temperatur von 30 Grad. Bauarbeiter dürfen ab 32,5 Grad die Arbeit einstellen – bei 60 Prozent Lohnersatz.

Gewerkschaften: Bezahlte Abkühlungspausen für alle

Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) schlägt am 30. Juni Alarm. Seine Forderung: bezahlte Abkühlungspausen für alle EU-Beschäftigten. Das Vorbild? Die Regeln bei der Fußball-WM. Die Begründung ist simpel: Über 30 Grad steigt das Unfallrisiko drastisch.

Die Gewerkschaften wollen die Regelung im geplanten Quality Jobs Act verankern. Parallel fordert die SPD-Fraktion in Nordrhein-Westfalen ein Landesprogramm für Klimaanlagen in Schulen, Kitas und Pflegeheimen. Die Kommunen könnten diese Investitionen nicht allein stemmen.

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Infrastruktur: Städte und Straßen ächzen

Die Zahlen zeigen das Problem: Nur 4,3 Prozent der neuen Wohngebäude hatten 2025 eine Kühlanlage. 2015 waren es noch 1,9 Prozent. Bei Büros liegt die Quote bei 37,8 Prozent, bei Kitas und Pflegeheimen bei 14,5 Prozent.

Die Folgen sind sichtbar. Auf Autobahnen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg platzte der Beton – sogenannte Blow-Ups. In Frankfurt stieg die Zahl der Rettungseinsätze auf über 500 pro Tag. Die WHO warnt: Europa erwärmt sich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Die Bilanz ist erschreckend: In Frankreich registrierte man seit dem 24. Juni über 1.000 hitzebedingte Todesfälle, in Spanien 892 zusätzliche Tote im Juni.

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Arbeitszeit: Wenn die Hitze zur Gefahr wird

Auch Dienstreisen und Außendiensttätigkeiten sind betroffen. Fahrtzeiten mit Bahn oder Flugzeug müssen erfasst werden. Für Außendienstler zählt bereits die Fahrt vom Wohnort zum ersten Kunden als Arbeitszeit.

Ein Urteil des Landgerichts Osnabrück vom 17. April setzt klare Grenzen: Wer trotz Müdigkeit weiterfährt, handelt fahrlässig. Das Gericht bestätigte den vorläufigen Führerscheinentzug nach einem Sekundenschlaf-Unfall. Berufliche Nachteile rechtfertigen kein Absehen von der Strafe. Die Botschaft an Arbeitnehmer: Bei Hitzestress-Symptomen wie Schwindel oder Kopfschmerzen sofort Pause machen und den Arbeitgeber informieren.

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