Hitzeschutz am Arbeitsplatz: EGB fordert verbindliche EU-Standards
29.06.2026 - 01:48:51 | boerse-global.de
Am Sonntag erreichte das Thermometer in Neißemünde (Brandenburg) 41,7 Grad – ein neuer Rekord. Die extreme Hitze legt die Infrastruktur lahm, gefährdet Pendler und bringt Pflegekräfte an ihre Grenzen.
Rekordtemperaturen an 46 Messstationen
Der Deutsche Wetterdienst registrierte bereits am Freitag 41,3 Grad in Saarbrücken, am Samstag folgten 41,5 Grad in Möckern-Drewitz. Insgesamt überschritten 46 Messstationen die 40-Grad-Marke. Es ist die heftigste Hitzewelle seit Beginn der Aufzeichnungen.
Infrastruktur bricht teilweise zusammen
Die Hitze sorgte für massive Probleme im Verkehr. In der Prignitz saßen rund 630 Passagiere in einem Zug ohne funktionierende Klimaanlage fest. Ein Baum war auf die Oberleitung gestürzt. Drei Menschen kamen mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus. Die Deutsche Bahn riet von nicht notwendigen Reisen ab.
Auch auf den Straßen wurde es gefährlich. Auf der A2 bei Ziesar beschädigte die Hitze die Fahrbahn, die Autobahn musste gesperrt werden. Pendler waren bei den Rekordtemperaturen erhöhten Risiken ausgesetzt. In Rheinland-Pfalz warnten Behörden vor zu hohen Ozonwerten – über 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Sie rieten von Sport im Freien ab.
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Dramatische Lage in Pflegeheimen
Besonders hart traf die Hitze Pflegeeinrichtungen. In Dormagen (NRW) mussten am Samstag 16 Bewohner eines Heims in Krankenhäuser gebracht werden. Ein Mensch starb. Die Pflegekammer NRW fordert verbindliche Hitzeaktionspläne. Viele Heime haben keine Klimaanlagen, das Personal arbeitet am Limit.
In Köln rettete die Feuerwehr sieben Menschen aus Dachgeschosswohnungen. Ihre Körpertemperatur lag bei über 42 Grad. Eine Person musste wiederbelebt werden. Das zeigt: Wer in nicht klimatisierten Räumen oder im Freien arbeitet, ist extrem gefährdet.
Gewerkschaften: EU-weite Standards gefordert
Die Gewerkschaften machen jetzt Druck. Bereits im Juni 2025 forderte der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) verbindliche Regeln für Hitzeschutz am Arbeitsplatz. Esther Lynch, Generalsekretärin des EGB, verlangt:
- Temperaturobergrenzen für Arbeiten im Freien und in Gebäuden
- Zugang zu Schatten, Trinkwasser und Kühlmöglichkeiten
- Anpassung der Arbeitszeiten, um die Mittagshitze zu vermeiden
- Besonderen Schutz für gefährdete Arbeitnehmer
Die EU-Kommission prüft, ob sie Hitzeschutzregeln in bestehende Verordnungen einbaut. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass weltweit jährlich rund 500.000 Menschen an Hitze sterben.
Viele Unternehmen unterschätzen ihre gesetzlichen Pflichten bei der Risikobewertung von Arbeitsplätzen, was gerade bei Extremwetterlagen zu rechtlichen Problemen führen kann. Sichern Sie sich bewährte Hilfsmittel, die sowohl in der Praxis als auch vor Behörden standhalten. Warum erfahrene Sifas bei der Gefährdungsbeurteilung auf diese Vorlagen schwören
Was Unternehmen jetzt tun können
Unabhängig von neuen Gesetzen haben Fachorganisationen wie das IFBG Leitfäden veröffentlicht. Sie empfehlen Unternehmen, sofort zu handeln: Getränke bereitstellen, Kleidungsvorschriften lockern, Führungskräfte schulen, damit sie Hitzschlag-Symptome erkennen.
Ab Montag soll es eine leichte Entspannung geben – die Temperaturen sinken auf 25 bis 29 Grad. Doch die Frage bleibt: Wie schützen wir Arbeitnehmer dauerhaft vor immer extremeren Hitzewellen?
