Hitzeschutz, Arbeitsplatz

Hitzeschutz am Arbeitsplatz: Ab 35 Grad ist Arbeiten nicht zumutbar

27.05.2026 - 19:19:00 | boerse-global.de

Die aktuelle Hitzewelle zwingt Betriebe zu mehr Arbeitsschutz. Experten fordern flexible Maßnahmen und Investitionen in Prävention.

Hitzeschutz am Arbeitsplatz: Ab 35 Grad ist Arbeiten nicht zumutbar - Foto: über boerse-global.de
Hitzeschutz am Arbeitsplatz: Ab 35 Grad ist Arbeiten nicht zumutbar - Foto: über boerse-global.de

In Deutschland klettern die Temperaturen auf bis zu 34 Grad – und die Debatte um besseren Schutz für Beschäftigte wird lauter. Unternehmen, Behörden und Berufsgenossenschaften stehen unter Druck.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete am Dienstag Temperaturen zwischen 29 und 34 Grad, vor allem im Südwesten. Am Oberrhein wurden die höchsten Werte gemessen. In Regensburg knackte das Thermometer mit 33,2 Grad einen Tagesrekord – der höchste Wert dort seit 1879.

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Doch das ist kein lokales Phänomen. In London wurden 35 Grad gemessen – ein neuer Mai-Rekord für Großbritannien. In Frankreich gab es bereits erste hitzebedingte Todesfälle. Meteorologen sprechen von einer blockierenden Wetterlage, einer sogenannten Heißluftglocke oder „Heat Dome“, die sich über Europa festgesetzt hat.

Was die Hitze für Unternehmen bedeutet

Die Temperaturen liegen rund vier Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Niederschläge bleiben weitgehend aus. Der DWD warnt vor höchster Waldbrandgefahr.

Für die Wirtschaft hat das konkrete Folgen. Während die Gastronomie vom frühen Sommer profitiert, leiden Kinos unter Besucherrückgängen. In der Landwirtschaft zeigen sich Getreide und Wein noch resistent – doch der Druck wächst.

Die Hitze ist nicht nur ein Wetterphänomen. Sie wird zur betriebswirtschaftlichen Herausforderung.

Das sagt das Gesetz

Die Arbeitsstättenverordnung ist klar: In Arbeitsräumen sollte die Temperatur 26 Grad nicht überschreiten. Ab 30 Grad müssen Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen – etwa Sonnenschutz oder bessere Lüftung. Bei 35 Grad gilt ein Raum ohne Hilfsmittel wie Hitzepausen als nicht mehr zum Arbeiten geeignet.

Trotzdem gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf „hitzefrei“ oder Klimaanlage. Die Gewerkschaft Verdi forderte deshalb gestern verbindlichere Regeln.

Ein Drittel der Beschäftigten in Europa ist laut EU-OSHA bereits klimabedingten Risiken ausgesetzt. Besonders betroffen: Bau, Logistik, Landwirtschaft, Rettungsdienste – aber auch Büros und Kliniken.

Betriebe investieren in Schutz – aber nicht überall

Der TÜV Rheinland veröffentlichte heute ein Whitepaper zu den veränderten Arbeitsbedingungen. Hitzeschutz werde zum Faktor für die Krisenresilienz von Betrieben, heißt es darin.

Das bestätigt das „DGUV Barometer Arbeitswelt 2026“. In der Befragung vom März gaben neun von zehn Beschäftigten und Führungskräften an: Prävention ist ein Stabilitätsfaktor. 94 Prozent der Führungskräfte wollen gesundes Arbeiten bis zur Rente ermöglichen. Ein Drittel der Unternehmen hat die Ausgaben für Arbeitsschutz bereits erhöht.

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Doch die Praxis sieht oft anders aus. Ein Beispiel aus Köln-Longerich: In der GGS Gartenstadt steigen die Temperaturen so stark, dass Schüler über Kopfschmerzen klagen. Die Bezirksvertretung beauftragte die Verwaltung einstimmig, für kühlende Elemente zu sorgen. Ein Antrag des Fördervereins über 8.425 Euro für Sonnenschutzfolien wurde zunächst abgelehnt.

Was Experten empfehlen

Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zeigt: Die reine Leistungsfähigkeit bleibt bei Hitze etwa vier Stunden erhalten – die Motivation sinkt jedoch deutlich.

Die Strategien sind bekannt:

  • Flexible Arbeitszeiten: Die kühleren Morgenstunden nutzen
  • Häufige Pausen: Ideal alle 45 Minuten
  • Mehr trinken: Statt 1,5 Liter Wasser pro Tag raten Experten zu 2,5 Litern
  • Morgens lüften: Ventilatoren einsetzen, luftige Kleidung tragen
  • Homeoffice nutzen: Sofern möglich

In der Praxis stoßen diese Maßnahmen oft auf bürokratische oder finanzielle Hürden.

Regionen suchen Lösungen

Im Saarland diskutierten am 19. Mai über 150 Fachleute auf dem 2. Saarländischen Klimakongress über Anpassungsstrategien. Umweltministerin Petra Berg betonte die Dringlichkeit von Maßnahmen gegen Starkregen und Hitze.

Das Universitätsklinikum Augsburg plant für den 11. Juni einen Hitzeaktionstag. Themen: Patientenschutz, UV-Prävention und Forschungsprojekte im Klinikalltag.

Ein ungewöhnlicher Ansatz kommt aus dem Denkmalschutz. Die TU Dortmund veranstaltet seit gestern ein viertägiges „Denkmallabor“ im Branitzer Park in Cottbus. 25 Studierende von zehn Universitäten arbeiten daran, historische Parkanlagen widerstandsfähiger gegen Extremwetter zu machen.

Was auf Unternehmen zukommt

Das DGUV Barometer 2026 zeigt: 60 Prozent der Befragten rechnen mit einer Zunahme psychischer Belastungen. Stress gilt als Hauptfaktor. Klassische Unfallrisiken wie Stolpern oder Stürzen bleiben mit 53 Prozent die Hauptgefahrenquelle – doch die indirekten Folgen des Klimawandels rücken in den Fokus.

Unternehmen, die frühzeitig in Verschattung, Lüftung oder organisatorische Anpassungen investieren, sichern sich langfristig ihre Produktivität. Die aktuelle Hitzewelle ist ein Warnsignal.

Ob die Temperaturen am Monatsende bei 34 Grad verharren oder ein Temperatursturz folgt – die strategische Ausrichtung auf heißere Arbeitswelten ist für viele Betriebe bereits unumkehrbar.

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