Hitzeschutz: 500.000 Todesfälle jährlich – EU fordert Gesetzesrahmen
26.06.2026 - 04:50:56 | boerse-global.de
Als Vorbild dienen die Abkühlpausen aus dem Profifußball.
Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) drängt die EU-Kommission, einen gesetzlichen Rahmen für Höchstarbeitstemperaturen zu schaffen. EGB-Generalsekretärin Esther Lynch betont: Beschäftigte im Bau, der Landwirtschaft, der Gastronomie und Busfahrer brauchen regelmäßige, bezahlte Pausen. Während im Profifußball dreiminütige Trinkpausen üblich sind, seien für körperlich Schwerarbeitende längere Erholungsphasen nötig.
Konkrete Forderungen und Kritik am Flickenteppich
Zu den zentralen Forderungen gehören Temperaturobergrenzen, uneingeschränkter Zugang zu Trinkwasser und Schattenplätzen sowie flexible Arbeitszeiten. Tom Deleu von der Bau- und Holzarbeitergewerkschaft bezeichnet Extremwetter als neue Realität, auf die der Arbeitsschutz reagieren müsse. Der EGB kritisiert die aktuelle Situation als „Flickenteppich“ unterschiedlicher nationaler Vorschriften in den EU-Staaten.
WHO-Daten belegen die Dringlichkeit
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) liefert alarmierende Zahlen: Rund 2,4 Milliarden Beschäftigte weltweit sind übermäßiger Hitze ausgesetzt. Das führt jährlich zu 22,85 Millionen Arbeitsunfällen. Die Zahl hitzebedingter Todesfälle wird weltweit auf 500.000 pro Jahr geschätzt.
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Mediziner warnen: Die Körperkerntemperatur darf während einer Acht-Stunden-Schicht 38 Grad nicht überschreiten. Bei Temperaturen über 30 Grad steigt das Sterberisiko um bis zu 7 Prozent, bei über 38 Grad um bis zu 15 Prozent. Zu den Folgen zählen Herz-Kreislauf-Versagen, Atemwegserkrankungen, Nierenschäden und Fruchtbarkeitsstörungen. Besonders gefährdet sind ältere Arbeitnehmer, Schwangere und Menschen mit chronischen Vorerkrankungen.
Bundestag berät über Hitzeschutz und Milliarden-Investitionen
Auch die deutsche Bundespolitik greift das Thema auf. Der Bundestag beriet am 25. Juni über Anträge von Grünen und Linken, die nun in den Ausschüssen weiterverhandelt werden. Die Grünen fordern ein Investitionsprogramm von fünf Milliarden Euro aus einem Sondervermögen – etwa 60 Euro pro Bürger.
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Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Julia Verlinden erklärt, Deutschland sei nicht ausreichend auf die erwarteten Temperaturen vorbereitet. Vorgeschlagen werden verstärkte Stadtbegrünung, Fassaden- und Dachbegrünungen, Flächenentsiegelung und Moorwiederherstellung. Die Linksfraktion fordert zudem eine gesetzliche „Hitzefrei“-Regelung für Beschäftigte im Freien und bessere Schutzvorkehrungen für Innenräume.
Die EU-Kommission prüft derzeit, wie sich spezifische Hitzeschutzvorgaben in bestehende Verordnungen integrieren lassen. Der EGB verweist zur Begründung der Eile auf die hohe Zahl hitzebedingter Todesfälle im Sommer 2025.
