Hitzekosten, Milliarden

Hitzekosten: 6,3 Milliarden Euro Schäden in einer Welle

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 06:51 Uhr, Redaktion boerse-global.de

DGB fordert staatliche Entschädigung bei hitzebedingten Arbeitsausfällen. Wirtschaftliche Schäden durch Produktivitätseinbußen werden auf Milliarden beziffert.

DGB-Chefin Fahimi fordert staatliches Hitze-Ausfallgeld
Eine schwitzende Hand wischt sich die Stirn, im Hintergrund verschwommen eine Industriehalle unter grellem Sonnenlicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Angesichts immer häufigerer Extremtemperaturen soll der Staat Arbeitnehmer entschädigen, wenn die Arbeit wegen großer Hitze ausfällt. Der DGB mahnt eine umfassende Strategie zum Schutz der Beschäftigten an.

Jeder Dritte fühlt sich belastet

Eine aktuelle DGB-Umfrage unter rund 4.000 Beschäftigten zeigt: Jeder dritte Arbeitnehmer leidet unter der Hitze. Besonders hart trifft es jene mit hohem Zeitdruck – hier geben 48 Prozent eine Belastung an. Auch bei körperlich schwerer Arbeit steigt das Empfinden deutlich.

Doch nicht nur die Gesundheit leidet. Jeder einzelne Hitzetag kostet die deutsche Wirtschaft rund 431 Millionen Euro, schätzt der DGB. Fahimi fordert daher eine ganzheitliche Strategie: finanzielle Ausgleichszahlungen, bessere Verschattung, kostenlose Getränke und lockerere Kleiderordnung.

Milliardenschäden durch Produktivitätsverlust

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Eine Analyse des Instituts Prognos zur Hitzewelle im Juni 2026 zeigt die wirtschaftliche Dimension. Die extremen Temperaturen verursachten Gesamtschäden von mindestens 6,3 Milliarden Euro. Rund 97 Prozent davon entfallen auf sinkende Produktivität. Besonders getroffen: das verarbeitende Gewerbe mit 1,9 Milliarden Euro Verlust.

Daten von Allianz Trade untermauern die Entwicklung: Ab 30 Grad sinkt die Arbeitsproduktivität um drei Prozent pro Grad Celsius. Gleichzeitig steigen die Energiekosten um 1,2 Prozent pro Grad. Marktforscher schätzen die kumulierten Hitzekosten von 2026 bis 2030 auf 115 Milliarden Euro.

NRW beschließt Hitzeschutz-Maßnahmen

Auch die Politik reagiert. Der Landtag von Nordrhein-Westfalen beschloss am 16. Juli Maßnahmen für mehr Klimaschutz und bessere Klimaanpassung. Ein Fokus liegt auf Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. In NRW waren während der Junihitzewelle etwa 1.200 Todesfälle zu verzeichnen.

In der Debatte wurden Forderungen nach Förderprogrammen für Klimaanlagen in Kitas und Schulen laut. Umweltminister Carsten Schneider verwies auf 100 Milliarden Euro aus einem Sondervermögen für den Hitzeschutz. Kommunale Verbände kritisieren jedoch einen Investitionsstau von über 230 Milliarden Euro und fordern eine rechtliche Verankerung des Hitzeschutzes als Gemeinschaftsaufgabe.

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Was Arbeitgeber jetzt tun können

Die Gewerkschaft IG BAU ruft Arbeitgeber zu mehr Schutz für Außenbeschäftigte auf. Empfohlen wird die WSS-Regel: Wasser, Sonnencreme, Schatten. Konkret raten Arbeitnehmervertreter:

  • Lichtschutzfaktor 50 verwenden und alle zwei Stunden nachcremen
  • Getränke-Flatrates bereitstellen (bei schwerer Arbeit drei bis fünf Liter täglich)
  • Arbeitszeiten in kühlere Morgen- und Abendstunden verlegen
  • Regelmäßige Pausen im Schatten einlegen

Ein gesetzlicher Anspruch auf „Hitzefrei“ fehlt in Deutschland und der Schweiz weiterhin. Einige Unternehmen setzen bereits eigene Konzepte um. Ein Schweizer Verpackungsbetrieb verkürzt ab 30 Grad den Arbeitstag auf sechs Stunden – bei vollem Lohnausgleich. Bisher führte das nicht zu wirtschaftlichen Einbußen. Unfallversicherer warnen zudem: Ab 30 Grad steigt das Risiko für Arbeitsunfälle um sieben Prozent.

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