Hitzebelastung, Arbeitsplatz

Hitzebelastung am Arbeitsplatz: 40% der Frauen klagen über Beschwerden

Veröffentlicht: 14.07.2026 um 09:33 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Neuer DAK-Report zeigt: Hitze belastet zunehmend die Gesundheit der Arbeitnehmer. Die Produktivität sinkt bereits ab 27 Grad, warnen Studien.

DAK-Hitzereport 2026: Jeder dritte Beschäftigte leidet unter Hitze
Müde Büroangestellte und Bauarbeiter in einer überhitzten Umgebung, ein digitales Thermometer zeigt hohe Temperaturen an. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das zeigt der am Montag veröffentlichte DAK-Hitzereport 2026. Besonders betroffen sind Frauen: 40 Prozent von ihnen klagen über Beschwerden, bei Männern sind es 21 Prozent. Die häufigsten Symptome: Müdigkeit, Schlafprobleme, Kreislaufbeschwerden und Kopfschmerzen.

Trotz dieser Entwicklung halten 72 Prozent der Befragten die derzeitigen Hitzeschutzmaßnahmen für unzureichend. Der Anstieg der Betroffenen ist rasant: Innerhalb von drei Jahren stieg der Anteil um zehn Prozentpunkte.

Wirtschaftliche Folgen: Produktivität sinkt ab 27 Grad

Die Hitze kostet nicht nur Gesundheit, sondern auch Geld. Eine Studie der Allianz zeigt: Bereits ab 27 bis 28 Grad sinkt die Arbeitseffizienz – besonders bei komplexen Gedächtnisaufgaben. Ab 30 Grad verringert jedes weitere Grad die Produktivität um rund drei Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) und der Ökonom García-León beziffern die Auswirkungen für die EU: Ausgeprägte Hitzejahre können das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 bis 0,5 Prozent drücken. Besonders anfällig sind Bergbau, Fertigungsindustrie und der Pharmasektor.

Rechtliche Vorgaben: Was Unternehmen beachten müssen

In Deutschland regelt die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) den Hitzeschutz. Ab 30 Grad Raumtemperatur müssen Arbeitgeber handeln: Getränke bereitstellen, in den Morgenstunden lüften oder Bekleidungsvorschriften lockern. Steigt die Temperatur auf über 35 Grad, gilt der Raum ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen als ungeeignet für die Arbeit.

In Österreich zeigt sich, wie schwierig die Durchsetzung ist. Das Arbeitsinspektorat in der Steiermark zog am Dienstag Bilanz: Bei 570 Überprüfungen wurden 140 Übertretungen festgestellt. Seit Anfang 2026 gilt dort eine neue Hitzeschutzverordnung, die Unternehmen ab einer gefühlten Außentemperatur von 30 Grad zur Vorlage eines Hitzeschutzplans verpflichtet.

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Konflikte in der Praxis: Ventilatoren in Schulen verboten

Die Umsetzung von Schutzmaßnahmen sorgt für Spannungen. Im Juni 2026 – als in Drewitz mit 41,8 Grad ein neuer Temperaturrekord gemessen wurde – kam es in Stuttgart zu einem Eklat: Eine Schulleitung untersagte den Einsatz privater Ventilatoren. Begründung: Betriebssicherheitsverordnung und Haftungsfragen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte die Entscheidung scharf.

Ökologische Nebenwirkungen: Klimaanlagen heizen Städte auf

Doch die Lösung ist nicht einfach. Forscher warnen vor den Nebenwirkungen einer flächendeckenden Kühlung. Das CryoCultures-Thesenpapier vom Juli 2026 zeigt: Die Abwärme von Klimaanlagen kann die Temperatur in Städten um bis zu 2,5 Grad zusätzlich erhöhen. Bereits jetzt beansprucht der Kühlsektor mehr als 20 Prozent des weltweiten Strombedarfs.

Experten raten daher zu passiven Lösungen: bessere Gebäudedämmung, Sonnenschutzfolien (die die Raumtemperatur um drei bis sechs Grad senken können) und verstärkte urbane Begrünung.

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DAK-Chef Storm fordert angesichts der Ergebnisse die konsequente Erstellung und Umsetzung von Hitzeschutzplänen. Besonders betroffen seien Branchen wie das Handwerk, das Bauwesen und die Pflege.

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