Hitzearbeitsschutz, Gewerkschaft

Hitzearbeitsschutz: Gewerkschaft fordert Hitzefrei ab 35 Grad ab 2027

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kanzler Merz weist zusätzliche Klimagelder zurück, während Hitzefolgen zunehmen und Wirtschaft sowie Kommunen Schutzmaßnahmen ausbauen.

Merz lehnt mehr Klimamittel und Grundgesetzänderung ab
Ein leerer, sonnendurchfluteter Büroarbeitsplatz mit langen Schatten und einer verwelkten Pflanze am Fenster. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Im Rahmen der Kabinettsklausur in Neuhardenberg am 26. August 2026 hat Bundeskanzler Merz (CDU) Forderungen nach einer Aufstockung der Mittel sowie einer Grundgesetzänderung für den Klimaschutz eine Absage erteilt.

Während Länder und Kommunen über einen Zeitraum von zwölf Jahren insgesamt 100 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen erhalten sollen, betonte der Kanzler, dass es derzeit weder an Programmen noch an Geld mangle. In diesem Zusammenhang verwies er auf 300 beschlossene Maßnahmen zum Klimaschutz.

Politische Differenzen über die Grundgesetzänderung

Innerhalb der Bundesregierung führten die Pläne zur Klimaanpassung zu Diskussionen zwischen den Koalitionspartnern. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) scheiterte in Neuhardenberg mit seinem Vorstoß, die „Klimaanpassung und den Naturschutz“ als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz zu verankern. Auch die SPD-Fraktion hatte eine solche Verfassungsänderung speziell für den Hitzeschutz gefordert, was die CDU jedoch ablehnte.

Die Grünen kritisierten diese Entscheidung und bezeichneten die Ablehnung der Grundgesetzänderung als verantwortungslos. Trotz der Differenzen soll Staatsminister Philipp Amthor nun damit befasst werden, gemeinsam mit den Ländern konkrete Vorschläge für den Hitzeschutz zu erarbeiten.

Massive gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen der Hitze

Die Dringlichkeit der Debatte wird durch aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) unterstrichen. Im Hitzesommer 2026 verzeichnete die Behörde deutschlandweit rund 15.800 Hitzetote, wobei ältere Menschen besonders betroffen waren.

Ein Großteil der Sterbefälle, etwa 9.600, ereignete sich in der letzten Juni-Woche, während weitere 4.000 Todesfälle zwischen Ende Juli und Mitte August gemeldet wurden. Vizekanzler Klingbeil (SPD) bezifferte die Zahl der Hitzetoten für den laufenden Sommer auf rund 14.000.

Neben den gesundheitlichen Auswirkungen belasten die hohen Temperaturen die Volkswirtschaft erheblich. Laut Umweltminister Schneider kosten Hitzetage die Wirtschaft rund 500 Millionen Euro pro Tag.

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Eine Untersuchung von Prognos im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums berechnete für Tage mit Temperaturen über 30 Grad Kosten in Höhe von 431 Millionen Euro. Bereits im Jahr 2023 gingen der deutschen Wirtschaft demnach 37 Millionen Arbeitsstunden durch Hitze verloren.

Anpassungsstrategien in der Wirtschaft und den Kommunen

Die deutsche Industrie reagiert bereits mit operativen Anpassungen auf die klimatischen Veränderungen. Unternehmen wie BASF, Daimler Truck und die Debeka haben flexible Arbeitszeitmodelle eingeführt, nutzen nächtliche Kühlphasen für Gebäude und bieten verstärkt Homeoffice-Optionen sowie kostenloses Trinkwasser an.

Die Gewerkschaft BAU-HOLZ fordert für die Zukunft weitergehende gesetzliche Regelungen: Ab 2027 solle bei Temperaturen über 30 Grad die maximale Arbeitszeit auf acht Stunden begrenzt werden, ab 35 Grad solle ein Anspruch auf „Hitzefrei“ bestehen. Daten der Berufsgenossenschaft DGUV belegen das Risiko: Ab 30 Grad steigen die Arbeitsunfälle um 8 Prozent und die Wegeunfälle um 17 Prozent.

Auf kommunaler Ebene werden ebenfalls verstärkt Schutzkonzepte entwickelt. Die Stadt Braunschweig legte einen Hitzeaktionsplan vor, der unter anderem die Anpassung von Bauvorhaben und den Schutz gefährdeter Gruppen vorsieht. Eine Entscheidung des Rates dazu wird für Ende September 2026 erwartet.

In Hessen verweist die Landesregierung auf ein 4,7-Milliarden-Euro-Paket für den Hitzeschutz, während kommunale Vertreter wie Landrat Quilling (CDU) betonen, dass allein für die Sanierung von Schulen 2.6 Milliarden Euro notwendig seien und die bisherigen Mittel nicht ausreichten.

Wissenschaftliche Einordnung und technologische Ansätze

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Experten mahnen eine beschleunigte Umsetzung von Schutzmaßnahmen an. Gabriele G. Kiefer von der TU Braunschweig verwies darauf, dass Deutschland beim Aufbau blau-grüner Infrastruktur – also der gezielten Nutzung von Wasser und Vegetation zur Kühlung – im Vergleich zu Städten wie Wien oder Paris hinterherhinke.

Zur Unterstützung der Bauwirtschaft entwickelt das Forschungsprojekt KlimaResist derzeit digitale Tools, um Hitzestress im Hochbau zu reduzieren. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hat sich Deutschland im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bereits um 2,5 Grad erwärmt, was unter anderem zu einer Verdoppelung der Tage mit hoher Waldbrandgefahr geführt hat.

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