Hitze und Fruchtbarkeit: Studie belegt Einfluss auf Eizellgewinnung
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 12:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine aktuelle Untersuchung im Fachjournal „Human Reproduction“ weist einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen steigenden Umgebungstemperaturen und dem Erfolg von Fruchtbarkeitsbehandlungen nach. Die am 7. August 2026 veröffentlichte Studie basiert auf der Auswertung der Daten von 58.468 Frauen aus dem Zeitraum zwischen 2018 und 2024. Die Ergebnisse zeigen, dass höhere Temperaturen die Zahl der gewonnenen, reifen und befruchteten Eizellen bei Behandlungen mittels In-vitro-Fertilisation (IVF) oder Intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) geringfügig reduzieren.
Hormonelle Mechanismen und Auswirkungen auf Eizellen
Den Studienergebnissen zufolge sinkt die Zahl der gewonnenen Eizellen mit jedem Grad Celsius Anstieg der Umgebungstemperatur. Als vermuteter Mechanismus werden hormonelle Veränderungen angeführt, die insbesondere das Luteinisierende Hormon (LH) betreffen. Trotz der beobachteten Effekte bei der Eizellgewinnung stellten die Forscher fest, dass die Embryonenqualität durch die Temperaturschwankungen unverändert blieb.
Obwohl der Effekt statistisch belegbar ist, betonen die Autoren, dass die Auswirkungen für die einzelne Patientin klein seien. Ein ursächlicher Zusammenhang gilt zudem bislang nicht als bewiesen. Fachleute raten daher davon ab, geplante Behandlungen aufgrund sommerlicher Temperaturen zu verschieben.
Risiken für die Zyklusstabilität und Verhütungssicherheit
Ergänzend zu den Erkenntnissen über Fruchtbarkeitsbehandlungen wies der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) am 6. August 2026 auf weitere geschlechtsspezifische Gesundheitsrisiken durch Hitze hin. Ab Temperaturen von circa 36 Grad Celsius könne sich der weibliche Zyklus verschieben und die Intensität von Blutungen verstärken.
Ein besonderes Augenmerk gilt der Wirksamkeit von Medikamenten. Laut BVF können orale Kontrazeptiva (die Pille) ab einer Lagerungstemperatur von 30 Grad Celsius an Wirkung verlieren. Bei Reisen mit Zeitverschiebung sei zudem das Einnahmefenster strikt zu beachten. Während Erbrechen oder Durchfall die Zuverlässigkeit beeinträchtigen können, gelten mechanische oder hormonelle Langzeitmethoden wie Spiralen und Implantate sowie Kondome als hitzeunempfindlich. Allgemein wird davor gewarnt, dass sich die Wirkstoffkonzentration vieler Medikamente bereits ab 25 Grad Celsius verändern kann.
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Steigende Hitzebelastung fordert das Gesundheitssystem
Die gesundheitlichen Folgen der Hitzebelastung spiegeln sich auch in den aktuellen Sterbezahlen wider. Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichte am 6. August 2026 eine konservative Schätzung, wonach im Jahr 2026 bislang 11.900 Hitzetote in Deutschland zu verzeichnen sind. Dies übersteigt bereits jetzt die Gesamtzahlen jedes einzelnen Jahres seit 2016. Besonders betroffen war die Woche vom 22. bis 28. Juni 2026, in der bei einer Wochenmitteltemperatur von 26,4 Grad Celsius etwa 9.600 Menschen starben. Die Mehrheit der Verstorbenen (6.060 Personen) gehörte der Altersgruppe über 85 Jahre an.
In Italien riefen Behörden am 6. August 2026 für 27 Städte die rote Alarmstufe aus. Dort wurde eine Steigerung der Notaufnahmen um 15 Prozent und eine um 3 Prozent erhöhte Sterblichkeit bei über 65-Jährigen registriert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte am 7. August 2026 vor einer neuen Hitzewelle in Europa mit Temperaturen von bis zu 43 Grad Celsius in Portugal und Südspanien.
Defizite im Hitzeschutz und bei der Infrastruktur
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Angesichts der zunehmenden Extremwetterereignisse fordern die Bundesärztekammer und über 80 europäische Gesundheitsorganisationen einen EU-Hitzeschutzplan sowie einen Notfall-Anpassungsfonds. Ein zentraler Kritikpunkt ist die mangelhafte Infrastruktur: Nur 38 Prozent der Krankenhäuser verfügen derzeit über klimatisierte Patientenzimmer.
Auch Pflegeeinrichtungen stehen vor großen Herausforderungen. Im Schweriner Pflegeheim „Lebens-Quartier“ etwa werden mangels Klimaanlagen Temperaturen von bis zu 29 Grad Celsius gemessen. Der Schutz der Bewohner wird dort über Konzepte wie nächtliches Lüften, Temperaturlisten und spezielle Ernährung (Eis, Melone) organisiert. Neben gesundheitlichen Gefahren durch Schwüle, die ab 60 Prozent Luftfeuchtigkeit die körpereigene Kühlung erschwert, leiden auch technische Systeme. Unter Motorhauben von Fahrzeugen können bis zu 100 Grad Celsius entstehen, während weich werdendes Bitumen auf Dächern und die begrenzte Kapazität von Stromleitungen bei Hitze zusätzliche wirtschaftliche Risiken darstellen.
