Hitze, Arbeitsplatz

Hitze am Arbeitsplatz: 112 Milliarden Euro Kosten bis 2030

24.06.2026 - 09:33:15 | boerse-global.de

Rekordhitze im Juni belastet Unternehmen und Beschäftigte. Gewerkschaften fordern strengere Regeln für Innenräume, während die Wirtschaft Milliardenverluste befürchtet.

Hitzewelle am Arbeitsplatz: Rechte, Pflichten und Milliardenrisiken
Hitze - Ein Thermometer in einem modernen Büro zeigt hohe Temperaturen an, mit verschwommenen Büroangestellten im Hintergrund. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Temperaturen von teils über 35 Grad sorgen für steigende Gesundheitsrisiken und sinkende Produktivität. Gewerkschaften in Deutschland und Österreich fordern deshalb verbindlichere Regeln für Innenräume.

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Rechtliche Grenzwerte: Was ist erlaubt?

Ein allgemeines Recht auf hitzefreie Tage gibt es für Arbeitnehmer nicht. Die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 bildet die rechtliche Grundlage. Sie sieht vor: Ab 26 Grad Raumtemperatur sollten Arbeitgeber aktiv werden.

Bei 30 Grad sind sie gesetzlich verpflichtet, Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören Getränke, Sonnenschutz oder lockere Bekleidungsvorschriften. Überschreitet die Temperatur 35 Grad, gilt der Raum ohne Gegenmaßnahmen als ungeeignet für die Arbeit.

Trotzdem riskieren Beschäftigte eine Abmahnung, wenn sie eigenmächtig den Arbeitsplatz verlassen – es sei denn, es besteht akute Gesundheitsgefahr. Betriebsräte haben bei der Gestaltung der Schutzmaßnahmen ein Mitbestimmungsrecht. Sie können Betriebsvereinbarungen zu flexiblen Arbeitszeiten oder Kühlsystemen fordern.

Wirtschaftliche Folgen: Milliardenverluste durch Hitze

Die ökonomischen Auswirkungen sind gewaltig. Experten der Allianz schätzen: Extreme Temperaturen könnten die deutsche Wirtschaft bis 2030 rund 112 Milliarden Euro kosten. Ab 30 Grad sinkt die Arbeitsproduktivität um etwa drei Prozent pro weiterem Grad Anstieg.

Auch die Krankenstände steigen deutlich. An Tagen über 30 Grad nehmen Krankschreibungen um durchschnittlich 3,5 Prozent zu. Bei länger anhaltenden Hitzewellen liegt der Anstieg sogar bei sechs Prozent.

Das Unfallrisiko am Arbeitsplatz erhöht sich ab der 30-Grad-Marke um sieben Prozent. Die geistige Leistungsfähigkeit lässt laut Daten der Arbeiterkammer und der Medizinischen Universität Wien bereits ab 27 Grad nach.

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Gewerkschaften fordern: Hitzeschutz auch in Innenräumen

Der ÖGB und die GPA verlangen eine Verschärfung der Regeln. Eine Studie des IFES-Instituts zeigt: Für fast ein Drittel der Beschäftigten zählt Hitze zu den drei größten Belastungsfaktoren – nach Zeitdruck und psychischem Stress. Mehr als ein Drittel bezweifelt, den Beruf bis zur Rente durchhalten zu können.

Die GPA-Vorsitzende Teiber fordert, die Hitzeschutzverordnung auf Innenräume auszuweiten. Seit Januar 2026 gibt es in Österreich verbindliche Regeln für Außenarbeiten ab 30 Grad. Diskutiert wird auch die Einführung einer Siesta – also Arbeitszeitverlagerung in kühlere Morgen- und Abendstunden.

Volkswirte bewerten dies als sinnvolles Risikomanagement. Gewerkschaftsvertreter mahnen jedoch zur Vorsicht. Sie fürchten eine schleichende Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes.

Bauwirtschaft und Pflege: Branchen mit hohem Risiko

In Branchen mit hoher physischer Belastung reagieren Unternehmen bereits. Schweizer Bauunternehmen beginnen früher mit der Arbeit, stellen Nackenschutz und Sonnencreme bereit. Schwere körperliche Arbeiten werden in den Mittagsstunden reduziert.

Auch im Pflegesektor laufen Maßnahmen. Seniorenheime setzen verstärkt Ventilatoren, Wassersprühgeräte und kalte Umschläge ein. Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) melden technische Probleme: Gleisverformungen und Ausfälle bei Klimaanlagen.

Aktuelle Daten der Initiative Climameter unterstreichen die Dringlichkeit. Der Klimawandel sorgt dafür, dass Hitzewellen in Westeuropa mittlerweile bis zu vier Grad heißer ausfallen als in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Besonders Städte wie München, Frankfurt und Berlin verzeichnen deutliche Temperatursteigerungen.

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