Herzdruckmassage: Nur 55% der Deutschen helfen im Notfall
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am 21. September 2026 startet am Franziskus Hospital Bielefeld ein neuer Weltrekordversuch im Reanimieren. Unter dem Motto „7 Tage und Nächte (168 Stunden) nonstop Reanimation" soll eine Woche lang ununterbrochen an Wiederbelebungspuppen trainiert werden.
Die Aktion wird live im Internet übertragen; für die kontinuierliche Herzdruckmassage über die volle Distanz werden noch freiwillige Helfer gesucht. Der Versuch findet im Rahmen der Woche der Wiederbelebung statt, die vom 21. bis zum 27. September 2026 in ihrer 15. Auflage seit dem Jahr 2012 ausgerichtet wird.
Die Messlatte liegt hoch: Nach Angaben des Rekord-Instituts für Deutschland liegt die bisherige Bestmarke bei 128 Stunden ununterbrochener Wiederbelebung. Dieser Rekord war erst zwei Wochen zuvor in Schwerin aufgestellt worden, wo mehr als 870 Menschen gemeinsam die Herzdruckmassage aufrechterhielten.
Große Lücken bei der Laienreanimation in Deutschland
Hintergrund der öffentlichkeitswirksamen Aktionen ist die Dringlichkeit schneller Erster Hilfe. Bis zu 140.000 Menschen erleiden in Deutschland jährlich außerhalb einer Klinik einen Herz-Kreislauf-Stillstand, von denen nur gut jeder Zehnte überlebt.
Rund 70 Prozent dieser Notfälle ereignen sich im häuslichen Umfeld. Da die Hilfsfrist des Rettungsdienstes in den meisten Bundesländern bei 10 bis 15 Minuten liegt, kommt der sofortigen Herzdruckmassage durch Laien eine entscheidende Bedeutung zu.
Im Jahr 2025 wurde jedoch nur in 55,4 Prozent der Fälle vor dem Eintreffen professioneller Hilfe mit einer Laienreanimation begonnen. Nach Berechnungen des Bundesgesundheitsministeriums könnten jährlich rund 10.000 Menschenleben zusätzlich gerettet werden, wenn unverzüglich Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet würden.
Rund 70 Prozent der Herz-Kreislauf-Stillstände ereignen sich im häuslichen Umfeld — und der Rettungsdienst braucht in den meisten Bundesländern 10 bis 15 Minuten. Genau in dieser Lücke entscheidet sich, ob ein Mensch überlebt. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie die Herzdruckmassage richtig starten und einen Defibrillator in drei Schritten bedienen. Kostenlosen Erste-Hilfe-Leitfaden anfordern
Erhebungen der ADAC Stiftung verdeutlichen bestehende Wissenslücken in der Bevölkerung: Lediglich 23 Prozent der über 60-Jährigen geben an, sich mit Wiederbelebung auszukennen. Zudem hatten in dieser Altersgruppe nur 27 Prozent innerhalb der vergangenen zehn Jahre an einem Reanimationstraining teilgenommen.
Eine strukturierte Anleitung per Telefon durch Leitstellen erhöht die Bereitschaft zur Reanimation deutlich von 64 auf 83 Prozent. Auch digitale Helfernetzwerke verkürzen die therapiefreie Zeit: Bei rund 185.000 Registrierungen in Ersthelfer-Apps treffen registrierte Ersthelfer nach durchschnittlich 4 Minuten am Einsatzort ein, während professionelle Rettungskräfte im Schnitt 7 Minuten benötigen.
Verpflichtender Unterricht an Schulen und regionale Aktionstage
Um die Quote künftig nachhaltig zu steigern, setzt die Landespolitik vermehrt auf frühzeitige Ausbildung. Die NRW-Landesregierung hat die Schulung in Laienreanimation seit dem Schuljahr 2026/27 an allgemeinbildenden Schulen für die Klassen 7 bis 9 im Umfang von mindestens 90 Minuten verpflichtend eingeführt. Dies betrifft rund 2.100 Schulen im Land.
Aus dem Landeshaushalt fließen hierfür 400.000 Euro im Jahr 2026 sowie ab 2027 jährlich 300.000 Euro. Für Übungsphantome wurden 80.000 Euro aufgewendet, weitere 400.000 Euro steuerten die Björn-Steiger-Stiftung und die Deutsche Herzstiftung bei, während die ADAC Stiftung 100.000 Euro bereitstellte; bis zu 18.000 weitere Übungspuppen sind ausgeschrieben.
Nur 23 Prozent der über 60-Jährigen geben an, sich mit Wiederbelebung auszukennen — und nur 27 Prozent haben in den vergangenen zehn Jahren an einem Training teilgenommen. Wer im Notfall zögert, verliert wertvolle Minuten. Unsere 5-Minuten-Notfall-Checkliste für Zuhause hilft Ihnen, den Ernstfall vorher durchzudenken: Wer ruft den Notruf, wo steht der nächste AED, welche Handgriffe zählen zuerst. 5-Minuten-Notfall-Checkliste jetzt sichern
Parallel dazu werben Kommunen mit lokalen Aufklärungstagen für das Thema. Das Gesundheitsamt Bochum veranstaltet am Mittwoch, den 23. September 2026, von 9 bis 14 Uhr auf dem Vorplatz des Historischen Rathauses am Willy-Brandt-Platz 2–6 die Aktion „Bochum rettet Leben!".
Gemeinsam mit Krankenhäusern, Hilfsorganisationen, der Feuerwehr, dem Rettungsdienst und der Deutschen Herzstiftung werden dort unter anderem die Nutzung automatisierter Defibrillatoren demonstriert, Rettungswagen ausgestellt sowie Mitmach-Übungen, eine Teddybärklinik und eine Pflasterambulanz angeboten. Schulklassen können nach vorheriger Anmeldung beim Gesundheitsamt teilnehmen.
