Elektromobilität, Außenhandel

BYD flutet Europa mit günstigen Autos: Droht Deutschland ein neuer Handelskonflikt mit China?

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 11:50 Uhr | presseportal, AD HOC NEWS

Herrenberg - Der Preiskampf auf Chinas Automarkt kommt in Deutschland an. BYD verkauft Plug-in-Hybride hierzulande mit hohen Rabatten und setzt damit VW, BMW, Mercedes und andere Hersteller unter Druck. Im Juli erreichte der chinesische Konzern bereits 10,7 Prozent Marktanteil bei den neu zugelassenen Plug-in-Hybriden. Bundesumweltminister Carsten Schneider fordert deshalb nun auch Zölle auf chinesische Plug-in-Hybride. Bislang gelten entsprechende EU-Ausgleichszölle nur für reine Elektroautos.

BYD flutet Europa mit günstigen Autos: Droht Deutschland ein neuer Handelskonflikt mit China? - Bild: presseportal.de
BYD flutet Europa mit günstigen Autos: Droht Deutschland ein neuer Handelskonflikt mit China? - Bild: presseportal.de

Wer jetzt nur auf die Autoindustrie schaut, greift zu kurz. Neue Handelsbarrieren können weit über einzelne Hersteller hinaus Folgen für Lieferketten, Importe und internationale Geschäftsbeziehungen haben. Nachfolgend erfahren Sie, wie realistisch weitere Zölle gegen chinesische Fahrzeuge sind, welche Gegenmaßnahmen China ergreifen könnte und welche Folgen eine Eskalation für deutsche Unternehmen hätte.

Die Zolllücke bei Plug-in-Hybriden gerät unter Druck

Der Preisvorteil chinesischer Hersteller hat auch regulatorische Gründe. Während für reine Elektroautos aus China neben dem regulären Einfuhrzoll zusätzliche EU-Ausgleichszölle gelten, werden Plug-in-Hybride bislang nur mit zehn Prozent belastet. Chinesische Hersteller haben darauf reagiert und ihre Exporte stärker auf Hybridmodelle verlagert.

Inzwischen wächst jedoch der politische Druck. Anfang des Jahres wurden zusätzliche Abgaben auf Plug-in-Hybride auf europäischer Ebene noch zurückhaltend bewertet, mittlerweile wird ein entsprechendes Verfahren vorbereitet. Selbst innerhalb der deutschen Automobilindustrie, die weitere Handelsbarrieren lange kritisch sah, wird die bisherige Haltung zunehmend hinterfragt.

Damit werden zusätzliche Zölle wahrscheinlicher. Für deutsche Unternehmen wäre das allerdings nur ein weiterer Schritt in einem Handelskonflikt, der längst weit über die Fahrzeugbranche hinausgeht.

Chinas größerer Hebel liegt bei kritischen Rohstoffen

Während Autozölle öffentlich viel Aufmerksamkeit erhalten, hat China seine Exportkontrollen für strategisch wichtige Rohstoffe kontinuierlich ausgeweitet. Bereits 2023 führte die Regierung Genehmigungspflichten für Gallium und Germanium ein. Später folgten unter anderem Antimon, Indium und Wolfram sowie 2025 bestimmte Seltene Erden und Permanentmagnete.

Diese Stoffe werden etwa für Halbleiter, Batterien, Solarzellen und zahlreiche Industrieprodukte benötigt. Entsprechend weitreichend können Beschränkungen wirken. Einer Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge rechnen 71 Prozent der betroffenen Unternehmen mit Lieferengpässen und 88 Prozent mit höheren Beschaffungskosten. 60 Prozent befürchten Produktionsstopps oder -verzögerungen.

Besonders anfällig sind die Metall-, Elektro- und Fahrzeugindustrie. Dabei müssen Unternehmen die Rohstoffe nicht einmal selbst aus China beziehen. Ist ein Vorlieferant auf kontrollierte Materialien angewiesen, können sich Einschränkungen über mehrere Stufen der Lieferkette auswirken.

Aus einzelnen Maßnahmen wird ein dauerhaftes Risiko

Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt ein grundsätzliches Muster. Europa reagiert auf chinesische Wettbewerbsverzerrungen mit Zöllen und handelspolitischen Schutzmaßnahmen, während China seine Exportkontrollen ausweitet.

So führte die EU 2024 zusätzliche Abgaben auf chinesische Elektroautos ein und verschärfte anschließend weitere Maßnahmen etwa bei Graphit und Stahlprodukten. Nun könnten Plug-in-Hybride folgen. China wiederum kontrolliert verstärkt die Ausfuhr von Rohstoffen, bei denen europäische Hersteller teilweise stark von chinesischen Lieferungen abhängig sind.

Jede Maßnahme lässt sich für sich genommen begründen. In ihrer Summe erhöhen sie jedoch die Unsicherheit für Unternehmen. Statt nur zu fragen, ob weitere Handelsbeschränkungen kommen, müssen Betriebe deshalb zunehmend damit rechnen und prüfen, wo sie selbst verwundbar sind.

Direkte und indirekte Abhängigkeiten prüfen

Eine gelegentliche Lieferkettenanalyse reicht dafür kaum noch aus. Unternehmen müssen handelspolitische Veränderungen laufend beobachten und mit ihren Beschaffungsstrukturen abgleichen.

Besonders wichtig ist der Blick über direkte Lieferanten hinaus. Zwar kennen Betriebe ihre unmittelbaren Zulieferer, doch häufig fehlt Transparenz darüber, welche Rohstoffe und Vorprodukte auf vorgelagerten Stufen eingesetzt werden. Gerade dort können Abhängigkeiten von China verborgen sein.

Eine neue Exportbeschränkung kann daher direkt wirken, wenn ein benötigter Rohstoff betroffen ist, oder indirekt, wenn Zulieferer Komponenten nicht mehr rechtzeitig oder nur zu höheren Preisen beschaffen können. Wer solche Risiken früh erkennt, kann alternative Bezugsquellen prüfen oder seine Beschaffung anpassen.

Der BYD-Preiskampf ist nur ein Teil des Konflikts

Zusätzliche Zölle auf chinesische Plug-in-Hybride könnten den Handelskonflikt zwischen Europa und China weiter verschärfen und Gegenmaßnahmen wahrscheinlicher machen. Die größere Herausforderung liegt für deutsche Unternehmen jedoch jenseits der aktuellen Auto-Debatte.

Exportkontrollen für Gallium, Germanium, Wolfram oder Seltene Erden zeigen bereits, wie weitreichend handelspolitische Entscheidungen wirken können. Unternehmen sollten deshalb nicht nur einzelne Zollentscheidungen verfolgen, sondern ihre direkten und indirekten Abhängigkeiten kennen und Veränderungen kontinuierlich beobachten. Denn der nächste Konflikt muss nicht bei Autos entstehen, um erhebliche Folgen für die deutsche Wirtschaft zu haben.

Über Janine Lampprecht:

Janine Lampprecht ist die Gründerin der Grenzlotsen GmbH. Sie unterstützt Unternehmen bei der Optimierung ihres Zollwesens. Mit ihren maßgeschneiderten Programmen in den Bereichen Coaching, Beratung und Outsourcing bietet das Team der Grenzlotsen GmbH flexible Lösungen für jedes Unternehmen. Weitere Informationen unter: https://www.grenzlotsen.de/

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