Ausbildung, Handwerk

KI treibt Abiturienten ins Handwerk – warum veraltete Betriebe die neue Generation trotzdem wieder verlieren werden

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 11:15 Uhr | presseportal, AD HOC NEWS

Herford - Immer mehr Abiturienten entscheiden sich bewusst für eine Ausbildung im Handwerk. Bereits 2025 verfügten bereits rund 16 Prozent der neuen Handwerksazubis Hochschulreife, vor 20 Jahren waren es nicht einmal fünf Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 legte die Zahl neuer Ausbildungsverträge im Handwerk weiter zu. Neben guten Karrierechancen und Sinnhaftigkeit spielen auch moderne Technologien und Entwicklungsmöglichkeiten durch KI eine wichtige Rolle.

KI treibt Abiturienten ins Handwerk – warum veraltete Betriebe die neue Generation trotzdem wieder verlieren werden - Bild: presseportal.de
KI treibt Abiturienten ins Handwerk – warum veraltete Betriebe die neue Generation trotzdem wieder verlieren werden - Bild: presseportal.de

Das Handwerk bekommt gerade eine Nachwuchschance, von der viele Betriebe jahrelang geträumt haben. Wer diese jungen Menschen dann aber mit Papierzetteln, veralteten Abläufen und einer Führung wie vor 30 Jahren empfängt, wird sie genauso schnell wieder verlieren. Nachfolgend erfahren Sie, warum Betriebe ihre Ausbildung, Führung und Arbeitsprozesse jetzt modernisieren müssen, welche Erwartungen die neue Generation mitbringt und wie aus neuen Azubis langfristige Fachkräfte werden.

Zwei Generationen, zwei Arbeitswelten

Junge Menschen sind mit Smartphones, digitalen Anwendungen und ständig verfügbaren Informationen aufgewachsen. Entsprechend erwarten sie auch im Berufsleben funktionierende Abläufe und klare Strukturen. Sie wollen wissen, welche Aufgaben sie haben, an wen sie sich bei Fragen wenden können und welche Entwicklungsmöglichkeiten ihnen offenstehen. Gleichzeitig möchten viele erleben, dass ihre Arbeit einen konkreten Nutzen hat.

In manchen Handwerksbetrieben treffen diese Erwartungen jedoch auf eine andere Realität. Stundenzettel werden auf Papier ausgefüllt, Informationen liegen in Fahrzeugen oder auf einzelnen Schreibtischen und für jede Entscheidung muss der Chef gefragt werden. Neue Mitarbeiter merken dadurch schnell, ob ein Betrieb strukturiert arbeitet oder vieles von Improvisation abhängt.

Das wirkt sich unmittelbar auf die Ausbildung aus. Steckt wichtiges Wissen ausschließlich in den Köpfen einzelner Fachkräfte, lässt es sich kaum systematisch weitergeben. Auszubildende lernen dann weniger anhand nachvollziehbarer Abläufe, sondern vor allem durch Beobachten und Nachfragen. Gleichzeitig fehlt ihnen die Orientierung, die sie benötigen, um zunehmend selbstständig zu arbeiten.

Digitalisierung beginnt nicht mit der neuesten App

Um das zu ändern, müssen Betriebe nicht sofort die neueste KI-Anwendung einführen. Vielmehr sollten sie zunächst jene Prozesse verbessern, bei denen im Alltag regelmäßig Reibungsverluste entstehen. Dazu zählen vor allem Auftragsabwicklung, Zeiterfassung, Baustellendokumentation und interne Kommunikation.

Digitale Auftragsakten ersetzen Zettel im Fahrzeug, Fotos können direkt auf der Baustelle dokumentiert werden und klare Abläufe vom Angebot bis zur Rechnung machen den Bearbeitungsstand für alle Beteiligten nachvollziehbar. Entscheidend ist allerdings die Reihenfolge: Erst muss ein sinnvoller Prozess entstehen, anschließend kann die passende Software ihn unterstützen. Andernfalls wird bestehendes Chaos lediglich digitalisiert.

Davon profitieren auch Nachwuchskräfte. Sind Informationen zentral verfügbar und Zuständigkeiten eindeutig geregelt, finden sie sich schneller zurecht. Zugleich sinkt die Abhängigkeit von einzelnen Mitarbeitern, weil Wissen nicht mehr ausschließlich mündlich weitergegeben wird.

Gute Führung schafft Orientierung

Technik allein bindet allerdings keine Mitarbeiter. Gerade während der Ausbildung sind klare Zuständigkeiten, feste Ansprechpartner und regelmäßige Rückmeldungen entscheidend. Wer weiß, was von ihm erwartet wird und an wen er sich wenden kann, gewinnt Sicherheit und kann schrittweise mehr Verantwortung übernehmen.

Dafür braucht es keine permanente Kontrolle. Kurze Abstimmungen, ehrliches Feedback und ein nachvollziehbarer Entwicklungsweg reichen häufig aus, um Orientierung zu schaffen. Gleichzeitig verändert sich die Rolle des Betriebsinhabers: Statt jede Entscheidung selbst zu treffen, sollte er Verantwortung übertragen und Auszubildende zunehmend eigenständig arbeiten lassen.

Wer Nachwuchskräfte dagegen hauptsächlich für einfache Hilfstätigkeiten einsetzt und ihnen kaum Perspektiven aufzeigt, riskiert, sie wieder zu verlieren. Moderne Ausbildung bedeutet deshalb nicht nur, neue Technik bereitzustellen, sondern junge Menschen ernst zu nehmen und fachlich weiterzuentwickeln.

KI kann unterstützen, aber keine Strukturen ersetzen

Auf dieser Grundlage können digitale Lösungen und KI den Arbeitsalltag zusätzlich erleichtern. Angebote lassen sich schneller vorbereiten, Termine und Einsätze transparenter organisieren und Baustellen direkt per Smartphone dokumentieren. KI kann außerdem bei Textarbeiten, der Angebotsvorbereitung oder der Informationssuche unterstützen.

Auch Auszubildende können davon profitieren. Bei einfachen Fragen können digitale Wissenssammlungen oder geeignete KI-Anwendungen erste Informationen liefern, statt dass jedes Mal eine erfahrene Fachkraft gesucht werden muss. Fachliche Anleitung und Kontrolle ersetzen sie jedoch nicht.

Entscheidend ist daher nicht, wie viele digitale Werkzeuge ein Betrieb einsetzt, sondern ob sie konkrete Probleme lösen. Wer junge Menschen langfristig als Fachkräfte gewinnen will, braucht zunächst klare Prozesse, verlässliche Kommunikation und zeitgemäße Führung. Erst darauf können Digitalisierung und KI sinnvoll aufbauen. Genau darin liegt für viele Handwerksbetriebe die Chance, den aktuellen Zulauf nicht nur für neue Ausbildungsverträge zu nutzen, sondern daraus langfristig qualifizierte Mitarbeiter zu entwickeln.

Über Matthias Niehaus:

Matthias Niehaus ist Gründer und Geschäftsführer der Matthias Niehaus GmbH, die sich auf praxisnahe Digitalisierungslösungen für Handwerksbetriebe spezialisiert hat. Mit seiner eigenen Erfahrung als Handwerksunternehmer hilft er Betrieben, ihre Prozesse zu automatisieren – von der schnelleren Angebotserstellung über einfache Projektverwaltung bis zur automatisierten Buchhaltung. Statt Theorie bietet er funktionierende Systeme, die Betriebe entlasten, das Wachstum fördern und Freiräume schaffen. So unterstützt er Handwerker dabei, echte Unternehmer zu werden. Mehr Informationen unter: https://matthias-niehaus.de/

Pressekontakt:

Ruben Schäfer
E-Mail: redaktion@dcfverlag.de

Matthias Niehaus GmbH
Eimterstraße 125
32049 Herford

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