Henkel wird 150: Persil, Pril und Pritt prägen die Konzerngeschichte
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 03:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSHenkel feiert am 26. September sein 150-jähriges Bestehen und blickt auf eine Unternehmensgeschichte zurück, die von Waschmitteln, Klebstoffen und bekannten Konsumgütermarken geprägt ist.
Gründung in Aachen, Aufstieg in Düsseldorf
Der 28-jährige Kaufmann Fritz Henkel gründete am 26. September 1876 mit zwei Partnern in Aachen die Firma Henkel & Cie. Das erste Produkt war ein Universalwaschmittel auf Silikatbasis, 1878 folgte Henkel's Bleich-Soda.
Wegen fehlender Platzkapazitäten zog das Unternehmen nach Düsseldorf. 1900 bezog Henkel die neue Zentrale im heutigen Stadtteil Holthausen, wo sich der Konzernsitz bis heute befindet.
Persil und der Aufbau des Markengeschäfts
1907 brachte Henkel Persil auf den Markt. Die Werbefigur der Weißen Dame, mit der das Waschmittel seit 1922 beworben wird, wurde zu einer prägenden Marke der Unternehmensgeschichte.
In den 1920er Jahren baute Henkel das Geschäft mit Reinigern für Industrie und Landwirtschaft auf. 1969 kam der Pritt-Stift hinzu, seit 1995 gehört Schwarzkopf zum Konzern. 1997 übernahm Henkel die US-Marke Loctite. Weitere bekannte Marken sind Spee, Pril, Somat, Schauma, got2b und Pattex.
Vom Dax-Gründungsmitglied zum Weltkonzern
1985 ging Henkel an die Börse und gehörte zu den Gründungsunternehmen des Dax. Die bislang größte Übernahme der Firmengeschichte war 2008 der Kauf des US-Klebstoffproduzenten National Starch von Akzo Nobel für umgerechnet rund 3,7 Milliarden Euro.
2023 bündelte Henkel sein Markenartikelgeschäft mit Wäsche- und Haushaltserzeugnissen sowie Kosmetik- und Körperpflegeprodukten im Unternehmensbereich Consumer Brands. Im Zuge dessen wurden weltweit etwa 3.500 Stellen gestrichen.
20,5 Milliarden Euro Umsatz
Henkel erzielte 2025 einen Jahresumsatz von 20,5 Milliarden Euro. Rund die Hälfte der Erlöse entfällt auf Konsumgüter, die andere Hälfte auf das Klebstoffgeschäft.
Der Konzern beschäftigt in 53 Staaten und an 165 Produktionsstätten rund 50.000 Menschen, etwa 8.000 davon in Deutschland. Vorstandsvorsitzender ist seit 2020 Carsten Knobel. Simone Bagel-Trah, eine Ur-Ur-Enkelin des Firmengründers, führt den Aufsichtsrat und den Gesellschafterausschuss.
Markendruck und Kartellstreit
Zu den Wettbewerbern zählen im Konsumgüterbereich unter anderem Procter & Gamble, Unilever und L'Oréal. Bei Klebstoffen konkurriert Henkel unter anderem mit H.B. Fuller, Sika und 3M. Im Bereich der Kleb- und Dichtstoffe sowie Beschichtungen bezeichnet sich Henkel als globaler Marktführer und beliefert unter anderem die Auto- und Elektronikindustrie.
Die US-Kartellbehörde Federal Trade Commission klagte gegen die Übernahme eines US-Klebstoffherstellers durch Henkel. Sie argumentiert, die Transaktion könne den Wettbewerb erheblich beeinträchtigen.
Krisen und offene Aufgaben
Nach Beginn des Ukraine-Krieges stiegen die Energiekosten deutlich. Zudem gilt das Industriegeschäft als konjunkturanfällig. Im Konsumgüterbereich setzen die zunehmende Bedeutung günstiger Eigenmarken und die stärkere Orientierung am Preis die Herstellermarken unter Druck.
Henkel stoppte nach Beginn des Ukraine-Krieges zunächst geplante Investitionen sowie Werbung und Sponsoring in Russland. Im April 2022 beschloss der Konzern den Rückzug; ein Jahr später wurde das Russlandgeschäft verkauft.
Aufarbeitung der Unternehmensgeschichte
Die 1930er Jahre gelten als besonders schwierige Phase der Henkel-Geschichte. Das Unternehmen passte sich dem NS-Regime an, wurde 1940 zum nationalsozialistischen Musterbetrieb ernannt und anschließend Teil der Kriegswirtschaft. Auch die Beschäftigung von Zwangsarbeitern wurde später untersucht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die Aufarbeitung zunächst nur langsam ein. Eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2001 arbeitete die Rolle des Konzerns im Nationalsozialismus auf.
Vom Waschmittel zum globalen Konzern
Henkel steht beispielhaft für den Wandel deutscher Familienunternehmen zu international aufgestellten Marken- und Technologiekonzernen. Aus einem 1876 gegründeten Waschmittelbetrieb entwickelte sich ein Unternehmen, dessen Geschäft heute sowohl vom privaten Verbrauch als auch von industriellen Lieferketten abhängt. Diese Doppelstruktur verteilt Risiken, macht Henkel aber zugleich abhängig von der Konsumlaune und der konjunkturellen Entwicklung wichtiger Abnehmerbranchen.
Für Verbraucher zeigt sich der Wandel vor allem im Wettbewerb zwischen Herstellermarken und günstigeren Handelsmarken. Die im dpa-Bericht genannten Verschiebungen bei Wasch- und Reinigungsmitteln sowie Haarpflegeprodukten erhöhen den Druck, Preise, Produktleistung und Nachhaltigkeitsversprechen überzeugend miteinander zu verbinden. Bekannte Namen wie Persil oder Schwarzkopf bieten weiterhin Orientierung, garantieren aber kein dauerhaftes Wachstum.
Wachstum unter verändertem Wettbewerbsdruck
Im Klebstoffgeschäft ist Henkel stärker mit industriellen Zyklen, Rohstoffkosten und Investitionen in Branchen wie Auto und Elektronik verbunden. Die geplante oder bereits angestoßene Expansion muss deshalb kartellrechtliche Grenzen ebenso berücksichtigen wie die Frage, ob zusätzliche Größe tatsächlich technologische Vorteile und neue Absatzmärkte schafft.
Die Geschichte des Konzerns verweist zugleich auf die langfristige Bedeutung unternehmerischer Aufarbeitung. Der Umgang mit der NS-Zeit und der Rückzug aus Russland zeigen, dass wirtschaftliche Entscheidungen heute stärker an politischer Verantwortung, Transparenz und gesellschaftlicher Akzeptanz gemessen werden. Für Düsseldorf bleibt Henkel damit nicht nur ein globaler Konzern, sondern auch ein prägender Teil der lokalen Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte.
