Helsing-Drohnenjet besiegt Piloten im Simulator – Testflug für 2027 geplant
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 17:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Münchner Drohnen- und Softwarehersteller Helsing hat bei einer Demonstration für Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) in München einen KI-gesteuerten Drohnenjet in mehreren simulierten Luftkämpfen gegen echte Piloten gewinnen lassen.
Erfahrene Piloten treten gegen „Centaur“ an
Bei der Vorführung trat der KI-Pilot „Centaur“ gegen einen ehemaligen Bundeswehrflieger und langjährigen Testpiloten sowie gegen einen früheren Piloten der mexikanischen Luftwaffe an. Beide verloren in der Simulation mehrmals gegen die Maschine.
Wildberger bezeichnete die Entwicklung als phänomenal. Helsing peilt nach eigenen Angaben für nächstes Jahr den ersten Testflug des unbemannten Kampfjets an. Das System werde bereits auch in echten Kampfflugzeugen getestet.
Synthetische Umgebungen beschleunigen Training
Nach Angaben von Technikvorstand Robert Fink beschleunigt Helsing die Entwicklung durch künstlich erzeugte Trainingsumgebungen. Nutzer können demnach Gelände, Tageszeit, Sicht, Wetter und Windverhältnisse vorgeben, woraufhin die sogenannte synthetische KI passende Szenarien erstellt.
Dadurch könne sich das Training, das früher auf realen militärischen Aufnahmen und umfangreichen Realdaten beruht habe, von Jahrzehnten auf wenige Minuten oder Stunden verkürzen. Helsing übertrage damit Verfahren, die bei Bildern und Sprache bereits eingesetzt würden, auf militärische Anwendungen.
Unternehmen wächst stark
Helsing beschäftigt nach Firmenangaben inzwischen rund 1.300 Menschen. Das seien etwa siebenmal so viele wie noch 2024. Das Unternehmen zählt sich inzwischen zu den sogenannten Neo Primes, also softwarezentrierten jungen Rüstungsunternehmen, die etablierten Branchenkonzernen Konkurrenz machen.
Bei einer Finanzierungsrunde im Juli nahm Helsing 1,8 Milliarden Dollar ein. Im Juni 2025 übernahm das Unternehmen den bayerischen Leichtbauflugzeug-Spezialisten Grob. Dessen Ingenieure entwickeln das eigentliche Flugzeug, das elf Meter lang werden und ein Startgewicht von vier Tonnen haben soll.
Helsing verneint Gefahr für externe Systeme
Die Unternehmensspitze betonte, die KI könne keinen Schaden in externen Computersystemen anrichten. Die Software verfüge nicht über die Fähigkeit, aus ihrer begrenzten militärischen Umgebung auszubrechen, sagte Fink.
Vom Start-up zum Rüstungsunternehmen
Helsings Vorführung fällt in eine Phase, in der deutsche Technologieunternehmen stärker in sicherheits- und verteidigungspolitische Aufgaben hineinwachsen. Der Kapitalzufluss in die Branche ist erheblich: Deutsche Start-ups sammelten zwischen Januar und September 2026 rund acht Milliarden Euro Wagniskapital ein. Besonders etablierte Firmen wie Helsing und Quantum Systems ziehen dabei Investoren an.
Die Entwicklung des unbemannten Kampfjets steht zugleich für einen Wandel in der militärischen Luftfahrt. Künstliche Intelligenz soll große Mengen an Sensordaten verarbeiten, Flugmanöver unterstützen und Trainingsprozesse beschleunigen. Die Simulation mit dem System „Centaur“ zeigt jedoch zunächst die Leistungsfähigkeit in einer kontrollierten Umgebung; ein Simulatorerfolg ersetzt weder Flugerprobung noch die Bewertung unter realen Einsatzbedingungen.
Technik, Kontrolle und Beschaffung
Für Deutschland stellt sich damit nicht nur die Frage nach technischer Souveränität, sondern auch nach Kontrolle und Beschaffung. Verteidigungs- und Digitalpolitik nähern sich an, während Bundeswehr und Industrie neue Systeme für Aufklärung, Kommunikation und autonome Anwendungen entwickeln. Netzwerktreffen und Demonstrationen können Innovationen beschleunigen, müssen aber von transparenten Vergabeverfahren und klaren Zuständigkeiten begleitet werden.
Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet der Fortschritt vor allem, dass KI-gestützte Verteidigungssysteme schneller vom Forschungsprojekt zur sicherheitspolitischen Debatte werden. Entscheidend bleiben der geplante Testflug, die Zuverlässigkeit der Software, der Schutz vor Cyberangriffen und die Frage, welche Entscheidungen auch künftig zwingend beim Menschen liegen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR24: „Bits & Pretzels: Rekorde trotz Sorgen in der Start-up-Szene“ (28.09.2026)
Der Bericht ordne Helsing in den wachsenden deutschen Start-up- und Rüstungssektor ein. Er hebe hervor, dass vor allem etablierte Technologieunternehmen Kapital anzögen, und beschreibe zugleich die Debatte über Chancen, Sicherheitskontrolle und europäische Eigenständigkeit bei künstlicher Intelligenz.
tagesschau.de: „Bundeswehr und Rüstungsbranche Kräfte bündeln für die Verteidigung im Weltall“ (29.09.2026)
Der Artikel bestätige den enger werdenden Austausch zwischen Bundeswehr und Technologiebranche, setze seinen Schwerpunkt jedoch auf die Verteidigung im Weltraum. Er betone, dass Innovation und militärische Anforderungen zusammengeführt werden sollten, zugleich aber transparente Vergaben und parlamentarische Kontrolle gewahrt bleiben müssten.
Beide Beiträge stellten den Technologiestandort und die wachsende Bedeutung privat entwickelter Sicherheitstechnik heraus. Unterschiede lägen vor allem im Schwerpunkt: Während BR24 die Finanzierung und KI-getriebene Gründerszene beleuchte, konzentriere sich der tagesschau-Bericht auf Beschaffung, staatliche Kontrolle und strategische Infrastruktur.
