Helsing-Drohnenjet, Künstliche Intelligenz

Helsing-Drohnenjet besiegt Piloten im Simulator – Testflug 2027 geplant

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 15:08 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Helsings KI-gesteuerter Drohnenjet hat bei einer Demonstration in München in mehreren simulierten Luftkämpfen menschliche Piloten besiegt. Das Unternehmen plant den ersten Testflug für das kommende Jahr.

Eines der ehrgeizigsten Projekte bei Helsing ist die Entwicklung des unbemannten Kampfflugzeugs «CA-1 Europa». (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa
Eines der ehrgeizigsten Projekte bei Helsing ist die Entwicklung des unbemannten Kampfflugzeugs «CA-1 Europa». (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa

Der Münchner Drohnen- und Softwarehersteller Helsing hat bei einer Demonstration für Digitalminister Karsten Freiberger (CDU) in München mit seinem KI-gesteuerten Drohnenjet mehrere simulierte Luftkämpfe gegen menschliche Piloten gewonnen.

Erster Testflug im kommenden Jahr geplant

Helsing peilt nach eigenen Angaben den ersten Testflug des unbemannten Kampfjets für das kommende Jahr an. Freiberger bezeichnete die Entwicklung als phänomenal und verwies auf die Fortschritte, die das Unternehmen innerhalb von fünf oder sechs Jahren erzielt habe.

Zwei Piloten traten gegen „Centaur“ an

Bei der Vorführung traten ein ehemaliger Bundeswehrflieger und langjähriger Testpilot sowie ein früherer Pilot der mexikanischen Luftwaffe gegen den KI-Piloten „Centaur“ an. Beide verloren demnach mehrmals. Das System wird nach Angaben des Unternehmens auch in echten Kampfflugzeugen getestet.

Training in künstlich erzeugten Umgebungen

Technikvorstand Robert Fink erklärte, Helsing habe die Entwicklung durch das Training in synthetisch erzeugten Umgebungen beschleunigt. Nutzer könnten dabei Terrain, Tageszeit, Sichtverhältnisse, Wetter und Wind vorgeben. Nach Darstellung des Unternehmens schrumpfe der Trainingsaufwand dadurch von Jahrzehnten auf Minuten oder Stunden.

Unternehmen wächst stark

Helsing wurde 2021 gegründet und beschäftigt inzwischen rund 1.300 Menschen. Das sind nach Firmenangaben etwa siebenmal so viele wie 2024. Bei einer Finanzierungsrunde im Juli nahm das Unternehmen 1,8 Milliarden Dollar ein.

Flugzeugentwicklung bei Grob

Helsing übernahm im Juni 2025 das auf Leichtbauflugzeuge spezialisierte bayerische Unternehmen Grob. Dessen Ingenieure entwickeln nun das eigentliche Flugzeug. Die Maschine soll elf Meter lang sein und ein Startgewicht von vier Tonnen haben.

Autonomie verändert die Luftkriegsführung

Der demonstrierte Erfolg von „Centaur“ steht für einen grundlegenden Wandel in der militärischen Luftfahrt: Künstliche Intelligenz soll große Datenmengen auswerten, Flugmanöver berechnen und in sehr kurzer Zeit auf Veränderungen reagieren. In einer Simulation bedeutet ein Sieg allerdings zunächst, dass ein System innerhalb der vorgegebenen Szenarien bessere Ergebnisse erzielt hat. Für einen tatsächlichen Einsatz wären zusätzlich Fragen zu Sensorik, Kommunikation, Störfestigkeit, Sicherheit und der zuverlässigen Kontrolle durch Menschen zu klären.

Von der Software zum eigenen Flugzeug

Helsing verbindet dafür Softwareentwicklung mit eigener Luftfahrtkompetenz. Nach der Übernahme des bayerischen Flugzeugbauers Grob soll ein rund elf Meter langer und vier Tonnen schwerer Jet entstehen. Der geplante Testflug im kommenden Jahr wäre ein wichtiger Schritt, weil sich dann zeigen müsste, wie sich die im Simulator trainierten Fähigkeiten unter realen Bedingungen bewähren.

Bedeutung für Europas Verteidigung

Die Entwicklung fällt in eine Phase steigender europäischer Verteidigungsinvestitionen und wachsender Aufmerksamkeit für Drohnen, elektronische Kampfführung und automatisierte Systeme. Ein unbemannter Jet könnte das Risiko für Piloten bei bestimmten Missionen verringern und Einsätze in größerer Zahl ermöglichen. Zugleich verschärft die Technologie die Debatte über menschliche Verantwortung bei militärischen Entscheidungen. Für die Bundeswehr und europäische Streitkräfte wäre deshalb nicht nur die technische Leistung entscheidend, sondern auch die Einbindung in bestehende Luftverteidigungs- und Führungssysteme, klare Einsatzregeln sowie der Schutz vor Manipulation und Fehlentscheidungen.

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