Hausärzte-Krise, Sitze

Hausärzte-Krise: 5.000 Sitze unbesetzt, ein Viertel plant Ausstieg

06.06.2026 - 06:53:18 | boerse-global.de

Finanzinvestoren kaufen hunderte Arztpraxen in Bayern. Der Trend erreicht nun auch Hausärzte und ländliche Regionen.

Private Equity erobert Arztpraxen in Bayern und bundesweit
Hausärzte-Krise - Ein düsterer, leerer Wartebereich einer Arztpraxis mit unbesetzten Stühlen und einem leeren Empfangstresen. 06.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Finanzinvestoren haben in den vergangenen Jahren hunderte Arztpraxen in Bayern erworben, wie Auswertungen von Anfang Juni zeigen. Private-Equity-Gesellschaften entdecken Praxen zunehmend als Anlageobjekte – und der Trend erreicht inzwischen auch ländliche Regionen und klassische Hausarztpraxen.

Hintergrund ist eine angespannte Versorgungslage. Bundesweit sind mehr als 5.000 Hausarztsitze unbesetzt. Etwa ein Viertel der aktuell tätigen Hausärzte plant, innerhalb der nächsten fünf Jahre aus dem Berufsleben auszuscheiden. Diese Lücke schafft Raum für neue Trägermodelle, stellt aber auch die Kontinuität der Versorgung infrage.

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Viele Praxisinhaber setzen auf schrittweise Übergaben, um ihre Standorte zu erhalten. In Berlin-Charlottenburg sucht eine Praxis für Oktober 2026 eine Entlastungsassistenz – mit der Option auf spätere Übernahme eines hälftigen Kassensitzes. Ähnliche Tendenzen zeigt die Physiotherapie in Sachsen-Anhalt: Eine Praxis, die seit Mai 1996 besteht, bietet angestellten Fachkräften die langfristige Perspektive der Übernahme.

In Feldkirch ist eine barrierefreie Kassenpraxis ausgeschrieben, die durch eine bestehende Ordinationsgemeinschaft reduzierte Einstiegskosten verspricht. Solche Kooperationsmodelle sollen den wirtschaftlichen Druck auf Nachfolger mindern. Beratungsunternehmen reagieren mit spezialisierten Dienstleistungen zu Praxisbewertungen, steuerlichen Strukturen und Beteiligungsmodellen.

Gesetzespläne verunsichern die Branche

Die Bereitschaft zur Praxisübernahme hängt maßgeblich von politischen Rahmenbedingungen ab. Ein aktueller Gesetzentwurf zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge sorgt für Unruhe. Der Hausärzteverband bezeichnet das geplante GKV-Spargesetz als erhebliche Bedrohung für die hausärztliche Versorgung.

Die Reform sieht vor, die Gesetzliche Krankenversicherung 2027 um rund 16,3 Milliarden Euro zu entlasten. Allein im Bereich der ärztlichen Versorgung werden Kürzungen in Milliardenhöhe befürchtet. Eine Ende Mai durchgeführte Umfrage zeigt: 77 Prozent der Bevölkerung erwarten negative Auswirkungen auf die medizinische Versorgung.

Auch die Pharmaindustrie reagierte mit Kritik. Unternehmen wie Boehringer Ingelheim und Eli Lilly stellten aufgrund geplanter höherer Rabatte künftige Investitionen am Standort Deutschland infrage. Die AOK-Leitung wies diese Drohungen unter Hinweis auf Milliardengewinne der Konzerne zurück.

Streit um Kompetenzen in der Versorgung

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Verschärfend kommt eine Debatte über die Aufgabenverteilung im Gesundheitswesen hinzu. Die Ärzteschaft protestierte im Juni geschlossen gegen Pläne der Apothekenverbände. Diese wollen Apotheken stärker in die Primärversorgung einbinden – etwa bei Prävention, Akutversorgung und der Erstabgabe bestimmter Medikamente. Ärztevertreter warnen vor einer Gefährdung der Patientensicherheit durch fehlende diagnostische Möglichkeiten.

Parallel dazu gibt es im Apothekenbereich Bemühungen, personelle Engpässe durch flexiblere Vertretungsregeln aufzufangen. Ein neuer Vorschlag sieht vor, dass Pharmazeutisch-technische Assistenten den Betrieb unter Auflagen vorübergehend aufrechterhalten dürfen. Die Gewerkschaft Adexa mahnt dringenden Klärungsbedarf bei Haftungs- und Vergütungsfragen an.

Zur finanziellen Stabilisierung der Apotheken wurde eine Erhöhung des Fixums beschlossen: auf 9,00 Euro zum 1. Juli und auf 9,50 Euro zum 1. Januar.

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