Hausärzte-Krise: 12.000 Stellen könnten bis 2040 unbesetzt bleiben
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 13:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bis 2040 könnten 12.000 Hausarztstellen unbesetzt bleiben. Das zeigt eine aktuelle Studie des IGES-Instituts im Auftrag des Bosch Health Campus.
Bereits heute fehlen bundesweit rund 4.400 Hausärzte. Ohne grundlegende Reformen droht jede fünfte Stelle zu verwaisen. Die am 23. Juli veröffentlichte Untersuchung „Primärversorgung 2035+“ zeichnet ein düsteres Bild für die medizinische Grundversorgung.
Regionale Engpässe spitzen sich zu
Die Prognosen für 2040 sind alarmierend: Rund 20 Prozent der Landkreise könnten als unterversorgt gelten, weitere 15 Prozent stünden an der Grenze zur Unterversorgung. Besonders hart trifft es Baden-Württemberg. Dort soll die Hausarztdichte um 15 Prozent sinken – in 15 von 44 Kreisen droht eine mangelhafte Versorgung.
Noch dramatischer fällt die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen aus. Im Hochsauerlandkreis erwarten Forscher einen Rückgang von 48 Prozent. Minden-Lübbecke und Paderborn folgen mit jeweils 47 Prozent, der Märkische Kreis und Osnabrück mit 46 Prozent.
Der Hauptgrund: Der demografische Wandel in der Ärzteschaft selbst. 37 Prozent der Hausärzte sind mindestens 60 Jahre alt. Bis 2040 werden voraussichtlich 55 Prozent der heute Aktiven in Rente gehen.
Kliniken geraten unter Druck
Nicht nur die Praxen kämpfen mit Engpässen. Auch die Krankenhäuser spüren den wirtschaftlichen Druck. In Brandenburg schließen Kliniken bereits Abteilungen. Das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam gibt im August die Orthopädie und Gefäßchirurgie auf. Im St. Josefs-Krankenhaus fallen Neurologie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe weg – die Geburtshilfe ist schon eingestellt.
Bis 2040 könnten 12.000 Hausarztstellen unbesetzt bleiben – 55% der heutigen Ärzte gehen in Rente. Wer jetzt nicht handelt, verliert Patienten an die Konkurrenz. Unser Report liefert die entscheidenden Hebel: von der Nachfolgeplanung über interprofessionelle Teams bis zur Telemedizin. Jetzt Report anfordern
Die Kinderklinik Ludwigsfelde macht Ende Juli dicht. Die Geburtshilfe in Strausberg wird nach Rüdersdorf verlegt. Brandenburgs Gesundheitsminister verteidigt die Bündelung als notwendigen Schritt.
In Baden-Württemberg steht die Fachklinik Löwenstein vor dem Aus. Die SLK-Kliniken planen die Schließung und Verlagerung von Pneumologie sowie Thorax- und Gefäßchirurgie nach Heilbronn und Bad Friedrichshall. Über 25.000 Unterschriften protestieren gegen die Pläne. Am 27. Juli entscheiden Gemeinderat und Kreistag.
Politik unter Zugzwang
Vertreter von Ärzteschaft, Krankenkassen und Kliniken haben am 24. Juli Forderungen an den designierten Gesundheitsminister Carsten Linnemann formuliert. Der Hausärzteverband drängt auf eine umfassende Primärversorgungsreform. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung beklagt verschlechterte Rahmenbedingungen.
Die gesetzlichen Krankenversicherungen bezeichnen die Pflegereform als Mammutaufgabe. Der Spitzenverband der Krankenkassen und der AOK-Bundesverband mahnen einen konsequenten Reformkurs an. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert einen planvollen Klinikumbau und eine Notfallreform.
Lösungsansätze für die Versorgungslücke
20% der Landkreise droht bis 2040 die Unterversorgung – Kliniken schließen bereits Abteilungen. Für Praxisinhaber und Klinikmanager wird die Sicherung der Primärversorgung zur Überlebensfrage. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie mit Prävention und effizienter Patientensteuerung gegensteuern. Versorgungslücke jetzt schließen
Die IGES-Studie schlägt ein kombiniertes Szenario vor: verstärkte Prävention, effizientere Patientensteuerung und der Ausbau interprofessioneller Teams. Besonders die Übertragung medizinischer Kompetenzen auf qualifizierte Pflegekräfte und der Einsatz von Telemedizin könnten helfen.
Im Wettbewerb um Fachkräfte setzen Arbeitgeber auf finanzielle Anreize. Die Evangelische Heimstiftung mit rund 10.700 Mitarbeitern kündigt eine Gehaltserhöhung zum 1. September an. Einstiegsgehälter für Pflegefachkräfte liegen dann bei 3.761 Euro im Monat. Auch Universitätskliniken wie Erlangen suchen verstärkt Personal – für Transfusionsmedizin oder operative Intensivstationen.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
