Haus Cramer Gruppe: 125 Stellen sollen bis Ende 2026 in Warstein wegfallen
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Haus Cramer Gruppe hat weitreichende personelle Einschnitte an ihrem Hauptstandort in Warstein angekündigt. Bis zum Ende des Jahres 2026 beabsichtigt das Unternehmen, insgesamt 125 Arbeitsplätze abzubauen. Durch diese Maßnahme wird die Belegschaft am Stammsitz von derzeit 725 auf rund 600 Mitarbeiter reduziert, was dem Wegfall von etwa jeder sechsten Stelle entspricht.
Maßnahmen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit
Der geplante Stellenabbau ist Teil einer Strategie, mit der die Haus Cramer Gruppe ihre Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft ausbauen will. Neben den Personalkosten sollen bis Ende 2026 auch in anderen Bereichen Einsparungen realisiert werden. Laut Angaben einer Unternehmenssprecherin sollen etwa 50 der 125 betroffenen Stellen durch natürliche Fluktuation, wie Renteneintritte und das Auslaufen befristeter Arbeitsverträge, wegfallen.
Für die verbleibenden rund 80 Stellen wurden bereits Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern aufgenommen. Ziel dieser Verhandlungen sei es, sozialverträgliche Lösungen für die betroffenen Beschäftigten zu finden. Bodo-Joachim Wendenburg, der seit Juli 2026 als Konzernchef fungiert, verwies auf die Notwendigkeit, angesichts der Marktentwicklung aktiv gegenzusteuern.
Marktentwicklung und strategische Neuausrichtung
Als Hauptgrund für die Restrukturierung nennt die Unternehmensführung die anhaltend negative Entwicklung auf dem deutschen Biermarkt. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre ist der Bierabsatz in Deutschland laut Unternehmensangaben um 19 Prozent zurückgegangen. Besonders deutlich zeige sich dieser Trend beim Pilsbier, dessen Absatz im Handel im gleichen Zeitraum um 21 Prozent sank.
Der Stellenabbau in Warstein folgt auf bereits eingeleitete strukturelle Veränderungen innerhalb der Gruppe. Im Sommer 2026 wurde die Brauerei in Herford geschlossen. Parallel dazu wurde der Verkauf der Paderborner Brauerei eingeleitet. Von diesen beiden Maßnahmen sind insgesamt 211 Arbeitskräfte betroffen.
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Die Marken Herforder und Paderborner sollen jedoch erhalten bleiben. Während das Herforder Bier bereits am Standort Warstein produziert wird, soll die Produktion von Paderborner nach einem erfolgten Verkauf oder der endgültigen Schließung des dortigen Standorts ebenfalls nach Warstein verlagert werden.
Widerstand der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) reagierte mit deutlicher Kritik auf die Pläne der Brauereigruppe. Die stellvertretende Geschäftsführerin Isabell Mura gab an, von der Ankündigung unvorbereitet getroffen worden zu sein. Der Betriebsrat habe die Gewerkschaft über die Situation informiert, woraufhin Mura ihr Erstaunen über das Ausmaß der Pläne ausdrückte.
Die Gewerkschaft verwies auf einen erst vor wenigen Monaten ausgehandelten Sozialtarifvertrag, der explizit der Sicherung des Standorts Warstein dienen sollte. In diesem Rahmen war vereinbart worden, 50 Arbeitsplätze in Warstein für Mitarbeiter aus den Standorten Herford und Paderborn bereitzuhalten.
Die NGG kündigte an, um jeden Arbeitsplatz kämpfen zu wollen. Für die kommende Woche sind Beratungen über das weitere Vorgehen geplant. Die Gewerkschaft betonte dabei, dass ein Abbau unbefristeter Stellen ohne die Zustimmung des Betriebsrats nicht umsetzbar sei.
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Investitionen und Zukunftsprojekte am Standort
Trotz des geplanten Personalabbaus hält die Haus Cramer Gruppe an beabsichtigten Investitionen in Warstein fest. Für das Frühjahr 2027 ist die Inbetriebnahme einer neuen Entalkoholisierungsanlage sowie einer Windenergieanlage geplant. Die Gewerkschaft bewertet die Investition in die Entalkoholisierungsanlage zwar als fachlich sinnvoll, mahnte jedoch an, dass diese Modernisierung nicht zulasten des Personals finanziert werden dürfe.
Zusätzlich zu den technischen Investitionen plant das Unternehmen für das Jahr 2026 einen Relaunch der Kernmarke Warsteiner. Im darauffolgenden Jahr 2027 soll eine groß angelegte Marketingkampagne die Marktposition der Brauerei weiter stützen.
