Haribo Neuss: Kein neues Werk für Maoam – 300-Millionen-Euro-Plan aufgegeben
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 13:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Haribo baut entgegen früheren Plänen kein neues Werk in Neuss und gibt das rund 300 Millionen Euro teure Vorhaben auf.
Unternehmen verweist auf höhere Kosten
Eine Unternehmenssprecherin begründete die Entscheidung mit grundlegend veränderten weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Globale Krisen hätten Baumaterialien verknappt und die Preise auf den internationalen Märkten deutlich steigen lassen.
Ein Projekt dieser Größenordnung brauche Planungssicherheit sowie einen verlässlichen und kalkulierbaren Zeit- und Kostenrahmen. Unter diesen Bedingungen sei es wirtschaftlich und unternehmerisch sinnvoller, die Neubauplanung nicht weiterzuverfolgen.
Produktionsstart war für 2028 vorgesehen
Haribo hatte im Mai 2024 angekündigt, neben dem bestehenden Neusser Werk einen weiteren Standort zu errichten. Dort sollten Maoam-Kaubonbons produziert werden, um die hohe Nachfrage zu bedienen.
Nach einer Übergangszeit mit Parallelbetrieb sollte das neue Werk das alte und deutlich kleinere Werk ersetzen. Der Baubeginn war für 2025 vorgesehen, die Produktion sollte 2028 starten; mit dem Aus für die Pläne entfallen diese Termine.
Bestehender Standort soll weiterentwickelt werden
Haribo will sich nun auf die Weiterentwicklung bestehender Standorte konzentrieren, darunter das Werk in Neuss. Das Unternehmen betreibt außerdem Produktionsstätten in Grafschaft, Bonn und Solingen.
Der Firmenname steht für „Hans Riegel Bonn“. Haribo verlegte seinen Sitz 2018 von Bonn nach Grafschaft. Nach Unternehmensangaben sind die Produkte in fast 200 Ländern erhältlich; produziert wird an 16 Standorten in elf Ländern. Haribo beschäftigt rund 8.500 Menschen.
Verkaufsrekord im vergangenen Jahr
Im Mai meldete Haribo für 2025 einen weltweiten Absatzrekord. Die verkaufte Menge stieg demnach um 4,5 Prozent. Trotz der aufgegebenen Neubaupläne bleibt der Konzern damit auf Wachstumskurs, setzt bei der Kapazitätsentwicklung in Neuss aber zunächst auf den bestehenden Standort.
Investition sollte Kapazität sichern
Der geplante Neubau war als Antwort auf die starke Nachfrage nach Maoam angelegt. Mit rund 300 Millionen Euro hätte Haribo in Neuss zusätzliche Produktionskapazitäten geschaffen und zugleich den bisherigen, deutlich kleineren Standort schrittweise ersetzen wollen. Der ursprünglich vorgesehene Produktionsstart 2028 ist damit hinfällig.
Die Absage bedeutet nach den vorliegenden Unternehmensangaben nicht das Ende der Produktion in Neuss. Haribo will den bestehenden Standort weiterentwickeln. Für die Stadt bleibt dennoch ein bedeutendes Investitionsvorhaben aus; zugleich entfällt zunächst der geplante Übergang vom alten in ein neues Werk.
Kostenrisiken verändern Industrieplanung
Haribo begründet die Entscheidung mit veränderten weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, Materialknappheit und gestiegenen Preisen. Bei einem Großprojekt mit langfristigem Bau- und Produktionshorizont erhöhen solche Faktoren das Risiko, dass der ursprünglich kalkulierte Kostenrahmen nicht gehalten werden kann.
Der Fall steht damit für einen Zielkonflikt in der Industrie: Unternehmen müssen Kapazitäten für Wachstum schaffen, wägen Investitionen angesichts unsicherer Bau-, Energie- und Lieferkosten aber vorsichtiger ab. Haribo meldete für 2025 weltweit ein Absatzplus von 4,5 Prozent und verkauft seine Produkte in fast 200 Ländern. Die Nachfrage bleibt damit ein Argument für Ausbau, die konkrete Form dieses Ausbaus ist nach der Neuss-Entscheidung jedoch offen.
