Handwerk: Roboter und KI ersetzen 70–80% der Lackierarbeiten
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts anhaltender wirtschaftlicher Herausforderungen investieren Handwerksbetriebe verstärkt in moderne Maschinen und digitale Diagnosetechnik. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und zugleich ergonomische Arbeitsbedingungen für Beschäftigte zu schaffen. Neue Technologien und automatisierte Prozesse sollen körperlich schwere Arbeitsschritte verringern und die Fachkräfte entlasten.
Automatisierung und Ergonomie im Werkstattalltag
Neue Anlagenkonzepte zeigen, wie der technologische Wandel in der Werkstatt praxis Einzug hält. So präsentiert das Unternehmen SEHON auf der Fachmesse Automechanika in Frankfurt in Halle 11.0 am Stand E31 die robotergestützte Lackieranlage „AI-Revolution“. Nach Herstellerangaben deckt das KI-basierte System 70 bis 80 Prozent aller anfallenden Lackierarbeiten ab.
Die Anlage entspricht der Norm EN 16985 mit dem Performance Level d. Mit Blick auf regulatorische Vorgaben bereitet sich die Branche zudem auf die neue EU-Maschinenverordnung (EU 2023/1230) vor, die ab dem 20. Januar 2027 die bisherige Richtlinie 2006/42/EG ablösen wird.
Qualifizierungsprojekte für moderne Anforderungen
Um neue Technologien im Arbeitsalltag wirksam einzusetzen, setzen Verbände und Kammern auf Weiterbildung und überbetriebliche Schulungen. Am 4. September 2026 startete bei der Innung Sanitär Heizung Klima Köln ein Pilotkurs zum geprüften Berufsspezialisten für erneuerbare Energien SHK mit 17 Teilnehmenden im Rahmen des InnoVET-PLUS-Projekts ZukunftSHandwerK.
Zudem befasste sich das FBH Köln im sechsten Verbundtreffen dieses Projekts mit Themen wie einer SHK-Kompetenzmatrix, Teilqualifizierungen und einem KI-Assistenten.
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Bereits am 1. September 2026 fand im Kompetenzzentrum der Handwerkskammer Bremen die Auftaktveranstaltung für das INex-ÜBA-Projekt „QualLe Handwerk“ statt. Das Vorhaben zielt auf die Erhöhung der Ausbildungsqualität und die Weiterqualifizierung des Ausbildungspersonals zu Lernprozessbegleitern ab.
Zu den Pilotgewerken gehören Kfz-Mechatronik, Elektronik und SHK; das Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik (HPI) an der Leibniz Universität Hannover begleitet die Initiative im Beirat.
Die wissenschaftliche Begleitung der Digitalisierung schreitet ebenfalls voran: Das HPI Hannover und die TU Braunschweig untersuchten im Projekt „HaMiZu – Handwerk mit Zukunft“, wie Betriebsberatungsstellen Betriebe effektiver bei Transformationsschritten unterstützen können, dokumentiert in einem Beitrag des Sammelbands „Digitale Serviceinnovationen, Band 2“.
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Zudem entwickelten die Handwerkskammer Potsdam und der European Digital Innovation Hub DAISEC gemeinsam mit dem HPI Hannover einen Demonstrator zur KI-basierten Kurs- und Raumplanung in Berufsbildungszentren mittels Constraint Optimisation. Ausgangspunkt war ein Kontaktstudium im Jahr 2025 in Trier mit rund 20 Leiterinnen und Leitern von Bildungseinrichtungen.
Investitionsklima und Finanzierungswege
Trotz des Modernisierungsbedarfs bleibt das Investitionsklima gedämpft. Laut dem ZDH-Konjunkturbericht für das vierte Quartal 2025 haben lediglich 20 Prozent der Betriebe ihre Investitionen gesteigert, während 28 Prozent ihre Ausgaben drosselten.
Bei der Beschaffung nachhaltiger Technik gewinnt Fremdfinanzierung an Bedeutung: Wie der Bundesverband deutscher Leasing-Unternehmen in seinem Jahresbericht 2026 darlegt, finanzieren 18 Prozent der Betriebe mit extern finanzierten Nachhaltigkeitsinvestitionen ihre Vorhaben über Leasing. Bei Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten liegt dieser Anteil bei bis zu 30 Prozent.
Gleichzeitig wächst die Sorge vor Einschnitten bei den staatlichen Rahmenbedingungen. In einem offenen Brief an Bundestagsabgeordnete fordert die Taskforce Gebäudetechnik des ZDH, die geplante Überführung von 2,7 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds in den Bundeshaushalt 2027 zurückzunehmen. Daniel Föst, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima, wies diesen Schritt entschieden zurück.
