Handwerk-Aktionsplan: Sachsen erhöht Meisterbonus auf 3.000 Euro
26.06.2026 - 21:35:21 | boerse-global.de
Juni 2026 einstimmig einen neuen Aktionsplan für das Handwerk verabschiedet. Ziel ist es, den Fachkräftemangel zu bekämpfen und die Unternehmensnachfolge zu sichern. Die Maßnahmen umfassen finanzielle Anreize wie einen erhöhten Meisterbonus sowie den Abbau bürokratischer Hürden.
Höherer Meisterbonus und weniger Bürokratie
Der Aktionsplan soll die rund 54.000 Handwerksbetriebe im Freistaat mit ihren etwa 280.000 Beschäftigten zukunftsfähig machen. Ein zentraler Punkt: Der Meisterbonus steigt auf 3.000 Euro. Damit will die Politik Fachkräfte motivieren, die Meisterqualifikation zu erwerben und perspektivisch Betriebe zu übernehmen.
Der Handlungsdruck ist enorm. Rund 40 Prozent der Betriebsinhaber in Sachsen sind über 55 Jahre alt. In den kommenden zehn Jahren werden etwa 19.000 Betriebsübergaben erwartet. Neben der finanziellen Förderung sieht der Plan eine verstärkte Berufsorientierung und das „Once-Only-Prinzip“ vor. Das soll die Verwaltungslast für die Betriebe senken.
Honorarkräfte: Warnung aus Bayern
Während Sachsen vorprescht, warnen Branchenvertreter aus Bayern vor personellen Engpässen in der Lehre. Der Bayerische Handwerkstag (BHT) und der Bayerische Volkshochschulverband fordern gesetzliche Neuregelungen für Honorarkräfte im Bildungssektor. Hintergrund ist ein Urteil des Bundessozialgerichts aus dem Jahr 2022, das die Abgrenzung zwischen selbstständiger und abhängiger Beschäftigung verschärft hat.
BHT-Präsident Franz Xaver Peteranderl warnt: Die bestehende Übergangsregelung läuft zum 31. Dezember 2027 aus. Ohne eine rechtssichere Perspektive für Dozenten, die häufig nebenberuflich aus der Praxis unterrichten, drohe ein erheblicher Einbruch des Bildungsangebots. Bisherige Entwürfe des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales greifen nach Ansicht der Verbände zu kurz.
Saarland fordert Gleichwertigkeit der Bildung
Auch im Saarland formiert sich politischer Druck. Die Vollversammlung der Handwerkskammer des Saarlandes verabschiedete am 17. Juni 2026 eine Resolution. Sie fordert eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung und finanzielle Entlastung der Ausbildungsbetriebe.
HWK-Präsident Helmut Zimmer betont: Die berufliche Bildung müsse den gleichen Stellenwert erhalten wie die akademische Ausbildung. Das schließe die Modernisierung von Bildungsstätten und eine gezielte Unterstützung der Betriebe bei der Fachkräftesicherung ein.
Ähnliche Forderungen kommen vom Konvent der Baukultur. Anfang Juni 2026 beschloss das Gremium ein Manifest zur Stärkung der bauhandwerklichen Ausbildung. Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, erklärte: Baukulturelle Standards seien ohne kompetente Fachkräfte nicht umsetzbar. Der Fachkräftemangel führe bereits jetzt zu Defiziten bei Bauprojekten.
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Leichter Aufwärtstrend bei Ausbildungsverträgen
Trotz der Herausforderungen gibt es positive Signale. Im Jahr 2025 wurden bundesweit 135.540 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das entspricht einem leichten Zuwachs von 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke wertet dies als Zeichen für die Attraktivität der Branche. Allerdings bleiben weiterhin über 16.000 angebotene Stellen unbesetzt.
Gericht stärkt Fachkunde bei Photovoltaik
Gleichzeitig steigen die qualitativen Anforderungen an die Betriebe. Das Oberlandesgericht Koblenz entschied Anfang Juni 2026: Planung, Installation und Wartung von Photovoltaik-Anlagen sind zulassungspflichtige Handwerke. Eine Eintragung in die Handwerksrolle ist zwingend erforderlich.
Ulrich Marx, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks, begrüßte die Entscheidung. Sie stärke den fairen Wettbewerb und die notwendige Fachkunde.
NRW startet Programm gegen Cyberangriffe
Um kleine und mittlere Unternehmen zu schützen, startete Nordrhein-Westfalen das digitale Bildungsangebot „SicherheitsCheckNRW“. Das kostenlose Programm soll Betriebe gegen Cyberangriffe und Desinformation wappnen.
Die Minister Nathanael Liminski und Mona Neubaur betonten: Digitale Sicherheit sei eine wesentliche Voraussetzung für die Stabilität des Wirtschaftsstandortes.
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Soft Skills und psychische Gesundheit im Fokus
Auch überfachliche Kompetenzen rücken in den Fokus. Die Handwerkskammer des Saarlandes startet im September 2026 einen neuen Zertifikatslehrgang für Soft Skills. Themen wie Kommunikation und Problemlösung stehen auf dem Programm.
Bereits am 26. Juni 2026 fand ein Online-Workshop für Mitgliedsbetriebe mehrerer Industrie- und Handelskammern statt. Er befasste sich mit der Prävention psychischer Belastungen bei Auszubildenden.
