H&M-Tarifvertrag, Textilbeschäftigte

H&M-Tarifvertrag: 120.000 Textilbeschäftigte erhalten 3% mehr Lohn

28.05.2026 - 20:18:43 | boerse-global.de

H&M und spanische Gewerkschaften vereinbaren Abfindungen für 106 Büroangestellte. Zeitgleich tritt ein neuer Branchentarifvertrag für große Textilketten in Kraft.

H&M-Tarifvertrag: 120.000 Textilbeschäftigte erhalten 3% mehr Lohn - Foto: über boerse-global.de
H&M-Tarifvertrag: 120.000 Textilbeschäftigte erhalten 3% mehr Lohn - Foto: über boerse-global.de

Mai 2026 auf die Bedingungen für ein kollektives Kündigungsverfahren (ERE) für die Büroangestellten in Madrid und Barcelona geeinigt. Parallel dazu wurde am selben Tag ein wegweisender Branchentarifvertrag für große Textilketten in Spanien unterzeichnet.

Abfindungen für Büroangestellte

Die Vereinbarung betrifft 106 Mitarbeiter der H&M-Zentralbüros. Sie sieht gestaffelte Abfindungen vor: Für Betriebszugehörigkeit vor Februar 2012 erhalten die Betroffenen 45 Tagegehälter pro Jahr, für die Zeit danach 33 Tagegehälter. Die Obergrenze liegt bei 24 Monatsgehältern.

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Zusätzlich gibt es altersabhängige Zulagen zwischen 2.000 und 8.000 Euro. Mitarbeiter über 50 Jahre erhalten einen Extra-Bonus von 4.000 Euro. Das Unternehmen bietet zudem interne oder internationale Versetzungsmöglichkeiten an.

Besonders schutzbedürftige Gruppen profitieren von einem Vorrang beim Verbleib: Alleinerziehende, Schwangere und Menschen mit einem Behinderungsgrad von mindestens 33 Prozent. Der Sozialplan betrifft ausschließlich die Verwaltung – das Filialpersonal bleibt unberührt.

Historischer Branchentarifvertrag

Die Einigung bei H&M fiel zeitgleich mit dem ersten staatlichen Tarifvertrag für große Textilketten. Der Arbeitgeberverband ARTE – dem neben H&M auch Inditex, Mango und Primark angehören – schloss den Vertrag mit CCOO und Fetico. Die dritte große Gewerkschaft, UGT, verweigerte ihre Unterschrift.

Das neue Regelwerk gilt für rund 120.000 Beschäftigte und läuft über drei Jahre. Die Kernpunkte:

  • Lohnerhöhungen: Drei Prozent jährlich für 2027 und 2028, ergänzt um eine 1-Prozent-Klausel an den Verbraucherpreisindex
  • Mindestgehalt: Einstiegsgehalt von 18.000 Euro
  • Arbeitszeit: Schrittweise Reduzierung von 1.770 Stunden (2026) auf 1.740 Stunden (2028)
  • Urlaub: Mindestens 31 Tage, plus schrittweise mehr freie Wochenenden – bis zu elf pro Jahr ab 2028

Während CCOO den Vertrag als Verbesserung der Arbeitsbedingungen lobte, kritisierte UGT ihn scharf. Die Gewerkschaft hatte bereits am 23. Mai 2026 in mehreren spanischen Regionen zum Streik aufgerufen. Ihre Befürchtung: Der zentralisierte Vertrag könnte bestehende, auf Provinzebene erkämpfte Rechte untergraben.

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Blockade in Belgien gefährdet Südeuropa-Versorgung

Während H&M die Personalfrage in Spanien klärte, droht dem Konzern an anderer Stelle Ungemach. Im belgischen Ghlin blockierten Mitarbeiter am 27. Mai 2026 das europäische Logistikzentrum. Sie protestieren gegen die für Herbst 2026 geplante Schließung, die 440 Arbeitsplätze kosten würde.

Die Blockade hat bereits erste Auswirkungen auf Südeuropa. In H&M-Filialen in Spanien und Italien gehen die Lagerbestände zur Neige. Das Management forderte dringend 720.000 Einheiten aus dem belgischen Zentrum an – ein massiver Anstieg gegenüber den üblichen 50.000 bis 60.000 Einheiten.

Die belgischen Gewerkschaftsvertreter fordern das Einschalten eines neuen Vermittlers aus der schwedischen Konzernzentrale. Die Gespräche auf lokaler Ebene seien nach Streiks im April faktisch gescheitert.

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