Grüner Wasserstoff: Welche Chancen er bietet und wie der Hochlauf gelingt
11.06.2026 - 09:56:10 | presseportal.deObwohl die weltweite Nachfrage nach Wasserstoff kontinuierlich steigt, wird der Energieträger derzeit noch fast ausschließlich auf Basis fossiler Rohstoffe wie Erdgas und Kohle gewonnen. Eingesetzt wird er traditionell für die Ammoniakproduktion, Ölraffinierung und Methanolsynthese. CO2-neutral erzeugte Mengen spielen am Gesamtmarkt bislang eine untergeordnete Rolle. Dabei gilt emissionsfreier Wasserstoff als unverzichtbarer Baustein der Energiewende - insbesondere für die Dekarbonisierung schwer elektrifizierbarer Sektoren wie der Stahlindustrie. Obwohl es einen großen Bedarf gibt, wird die Entwicklung durch wirtschaftliche, regulatorische und infrastrukturelle Hindernisse gebremst. Neben dem schleppenden Ausbau neuer Pipeline-Netze und der verzögerten Umwidmung bestehender Erdgasinfrastrukturen bleibt die Kostenstruktur ein zentraler Engpass: Nach Analysen der Internationalen Energieagentur (IEA) ist grüner Wasserstoff in der Herstellung derzeit noch zwei- bis dreimal teurer als die fossile Variante. Die nachhaltige Alternative wird jedoch vor allem dann wettbewerbsfähig, wenn unvorhersehbare oder anhaltend hohe Erdgaspreise die konventionelle Produktion verteuern.
Weniger als ein Prozent wird emissionsfrei hergestellt
Im Jahr 2024 wurden laut dem Global Energy Report 2025 weltweit etwa 100 Millionen Tonnen Wasserstoff produziert - rund 99 Prozent davon aus fossilen Brennstoffen. Etwa 980 Millionen Tonnen CO2 wurden dabei emittiert. Nicht einmal ein Prozent wurde emissionsfrei erzeugt. Durch Elektrolyse lässt sich Wasserstoff klimaneutral produzieren, wenn Wasser mithilfe von erneuerbarem Strom in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten wird. Die IEA erwartet in den kommenden Jahren aber ein deutliches Wachstum. Bis 2030 soll die Produktion von grünem Wasserstoff weltweit auf 4,2 Millionen Tonnen steigen. Im Vergleich zum Jahr 2024 würde sich die Menge somit verfünffachen. Treibende Kraft beim Aufbau von Elektrolyseuren ist China. Die IEA geht davon aus, dass in China emissonsfreier Wasserstoff bis Ende des Jahrzehnts wettbewerbsfähig wird - aufgrund der niedrigen Technologie- und Kapitalkosten. Auch in Europa sieht sie gute Chancen dafür, weil Erdgas durch die CO2-Bepreisung immer teurer wird. Wenig Potenzial gibt es dagegen in Regionen, wo Erdgas billiger ist, etwa in den Vereinigten Staaten und im Nahen Osten.
Grüner Wasserstoff: der Schlüssel für die Energiewende
Die aktuelle Energiekrise macht deutlich, welche Folgen die Abhängigkeit von fossilen Energien hat. Durch den Iran-Krieg sind die Preise für Erdöl und Erdgas stark gestiegen und treffen viele Staaten mit voller Wucht. Auch zu Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine stiegen die Erdgas-Preise deutlich. Damals war grüner Wasserstoff sogar deutlich günstiger als konventioneller. "Die wiederholten Preisschocks und Versorgungsrisiken der fossilen Energiewirtschaft schärfen den Blick für den strategischen Wert der Erneuerbaren und von grünem Wasserstoff", erklärt Markus Elsässer, Gründer und Geschäftsführer der Solar Promotion GmbH. "Ein zukunftsfähiges Energiesystem basiert nicht mehr allein darauf, sauber Strom zu erzeugen. Wir müssen diesen Strom auch intelligent speichern und sektorenübergreifend nutzbar machen. Erst wenn wir dezentrale Erzeugung, moderne Batteriespeicher und die Wasserstoff-Elektrolyse flexibel miteinander koppeln, sichern wir die Industrie ab. Grüner Wasserstoff ist dabei ein zentraler Hebel, um die Energieversorgung in Deutschland und Europa resilient aufzustellen, technologisch souverän zu machen und Strompreise langfristig planbar zu halten."
Einsatz von grünem Wasserstoff
Für die Dekarbonisierung ist grüner Wasserstoff ein zentraler Baustein. Die Industrie benötigt den Energieträger dringend für die Stahlproduktion, für Hochtemperaturprozesse über 1.000 Grad Celsius sowie als Basis für synthetische Kraftstoffe im Schwerlast-, See- und Luftverkehr. Außerdem könnte grüner Wasserstoff Erdgas in Fernwärmenetzen ersetzen. Bisher fehlt es jedoch an Elektrolyseuren. Obwohl die Europäische Union bis 2030 eine heimische Elektrolyseur-Kapazität von 40 Gigawatt anstrebt und Staaten wie Deutschland, Spanien oder Frankreich ambitionierte nationale Ziele formuliert haben, hinkt die Praxis der Theorie hinterher. Die Fortschritte sind gering, weil es neben der Infrastruktur auch an Nachfrage mangelt. Potenzielle Investoren zögern deshalb. Um die Nachfrage anzukurbeln, könnte die Produktion von synthetischen Kraftstoffen eine Lösung sein. "Die Rolle von Wasserstoff als Energieträger der Zukunft wird bisher noch zu wenig erkannt. Mit dem Hydrogen Dialogue setzen wir ein klares Zeichen für den Hochlauf und bilden die gesamte Wertschöpfungskette ab", erklärt Jens Mohrmann, Geschäftsführer der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG (FWTM).
Hydrogen Dialogue Summit 2026
Die Wirtschaft braucht tragfähige Lösungen. Hier setzt der Hydrogen Dialogue Summit im Rahmen von The smarter E Europe an. Aktuelle Trends und Herausforderungen der Wasserstoffbranche werden beleuchtet. Am 24. Juni steht Deutschland im Mittelpunkt. Zentrale Fragen sind, wie Elektrolyse dazu beitragen kann, Netzengpässe zu entschärfen, erneuerbare Energien besser zu nutzen und wie Chemie-, Zement- und Stahlindustrie die Dekarbonisierung als Wettbewerbsfaktor nutzen können. Am 25. Juni richtet sich der Blick auf Europa und die Welt sowie auf die wachsende Konkurrenz aus Asien. Spitzenvertreter aus Politik und Wissenschaft diskutieren an beiden Tagen mit Entscheidern aus Wirtschaft sowie von Verbänden aus Deutschland und Europa über die strategische Bedeutung von Wasserstoff für eine resiliente und klimafreundliche Energieversorgung der Zukunft. Schirmherr ist Bayerns Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, Hubert Aiwanger, der den Summit auch eröffnen wird.
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