gruener Wasserstoff, Spanien Energiepolitik

Grüner Wasserstoff Andalusien: Baustart für Südeuropas größte Wasserstoffanlage

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 16:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

In Palos de Frontera in Andalusien beginnt der Bau der größten Anlage für grünen Wasserstoff in Südeuropa. Das Milliardenprojekt soll Spanien und Europa unabhängiger von fossilen Energieträgern machen und langfristig auch deutsche Industriebetriebe versorgen.

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez (M), Andalusiens Regionalregierungschef Juanma Moreno (l) und der Chef des Energieunternehmens Moeve, der Niederländer Maarten Wetselaar, haben symbolisch den Grundstein für die derzeit größte Anlage Südeuropas zur Produktion grünen Wasserstoffs aus erneuerbaren Energiequellen in der Region Huelva gelegt. - Bild: Rocío Ruz/EUROPA PRESS/dpa
Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez (M), Andalusiens Regionalregierungschef Juanma Moreno (l) und der Chef des Energieunternehmens Moeve, der Niederländer Maarten Wetselaar, haben symbolisch den Grundstein für die derzeit größte Anlage Südeuropas zur Produktion grünen Wasserstoffs aus erneuerbaren Energiequellen in der Region Huelva gelegt. - Bild: Rocío Ruz/EUROPA PRESS/dpa

In Palos de Frontera in Andalusien hat das Energieunternehmen Moeve mit dem Bau der größten Anlage für grünen Wasserstoff in Südeuropa begonnen.

Milliardeninvestition und erste Ausbauphase

Das Projekt mit dem Namen "Onuba" in der Provinz Huelva sieht in einer ersten Phase Investitionen von rund einer Milliarde Euro vor. Geplant ist eine elektrische Leistung von 300 Megawatt, mit der durch Elektrolyse von Wasser jährlich 50.000 Tonnen grünen Wasserstoff erzeugt werden sollen. Nach Angaben der spanischen Regierung entspricht dies einer Einsparung von 250.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr.

Politische Unterstützung und EU-Förderung

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez würdigte die Anlage als wichtigen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel sowie für die energetische Autonomie und industrielle Zukunft des Landes und Europas. Das Vorhaben wird mit 304 Millionen Euro aus dem europäischen Aufbauprogramm "Next Generation EU" gefördert. Nach der Planung könnte die Produktion an dem Standort zum Jahreswechsel 2027/2028 anlaufen. Eine geringfügig größere Anlage für grünen Wasserstoff entsteht parallel im niedersächsischen Emden.

Erneuerbare Energien und Wasser aus Abwässern

Für die Stromversorgung der Anlage in Spanien sollen ausschließlich erneuerbare Energiequellen wie Wind- und Solarenergie genutzt werden. Der für die Elektrolyse benötigte große Wasserbedarf soll durch die Aufbereitung von Abwässern aus Haushalten und Unternehmen gedeckt werden. So sollen sowohl die Treibhausgasemissionen als auch der Verbrauch von Frischwasser reduziert werden.

Pläne für ein Wasserstoff-Valley in Andalusien

In einer zweiten Ausbauphase ist unter dem Namen "Andalusiens grünes Wasserstoff-Valley" eine erhebliche Erweiterung des Projekts vorgesehen. Moeve plant eine Vergrößerung der Anlage in Palos de Frontera sowie eine weitere Produktionsstätte in San Roque in der Provinz Cádiz, ebenfalls in Andalusien. Die Gesamtleistung beider Standorte soll dann auf 2.000 Megawatt steigen und eine Jahresproduktion von 300.000 Tonnen grünen Wasserstoff ermöglichen.

Lieferungen nach Deutschland vorgesehen

Spanien will den künftig erzeugten Wasserstoff langfristig über Pipelines auch zu energieintensiven Industrien unter anderem in Deutschland transportieren. Damit soll der Aufbau eines grenzüberschreitenden Wasserstoffnetzes unterstützt werden, das Unternehmen in mehreren europäischen Ländern eine klimafreundliche Energieversorgung ermöglicht.

Strategische Bedeutung für Spaniens Energie- und Industriepolitik

Das Projekt Onuba in Palos de Frontera reiht sich in die Bestrebungen Spaniens ein, seine Rolle als Vorreiter bei erneuerbaren Energien nun auch im Bereich des grünen Wasserstoffs auszubauen. Die Kombination aus Wind- und Solarstrom sowie der Nutzung aufbereiteter Abwässer adressiert gleich mehrere energie- und umweltpolitische Ziele: Dekarbonisierung der Industrie, Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Importen und eine effizientere Wasserverwendung in einer vom Klimawandel besonders betroffenen Region.

Grüner Wasserstoff als industriepolitischer Hebel in Europa

Mit einer geplanten Jahresproduktion von zunächst 50.000 Tonnen und perspektivisch 300.000 Tonnen grünem Wasserstoff positioniert sich Spanien als möglicher Kernlieferant für die europäische Industrie. Die angekündigte Pipeline-Anbindung nach Deutschland zielt auf energieintensive Branchen wie Chemie, Stahl und Grundstoffindustrie, die zur Erreichung der Klimaziele alternative Energieträger benötigen. Der hohe Investitionsumfang und die Unterstützung aus dem Aufbauprogramm Next Generation EU zeigen, dass die EU den Hochlauf des Wasserstoffmarktes als zentrales Instrument ihrer Klimapolitik und zur Stärkung ihrer industriellen Basis versteht.

Regionale Auswirkungen und offene Fragen

Für Andalusien bedeutet das Wasserstoff-Valley eine deutliche industriepolitische Aufwertung mit neuen Arbeitsplätzen in Bau, Betrieb und Zulieferketten sowie die Chance, sich als Technologie- und Logistikstandort zu etablieren. Zugleich stellen sich praktische Fragen zu Genehmigungen, Netzanschlüssen, Wasseraufbereitung und künftiger Nachfrage, die über den Erfolg des Projekts entscheiden werden. Auch die internationale Abstimmung über Wasserstoffinfrastruktur, etwa mit Transportkorridoren nach Mitteleuropa, bleibt ein zentraler Faktor. Sicher ist: Gelingt der planmäßige Ausbau, könnte Onuba zu einem Referenzprojekt für große Wasserstoffcluster in Europa werden.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70118476 |