Grüner Stahl: PwC-Studie stellt 5,9 Mrd. Euro Förderung infrage
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 00:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die geplante Dekarbonisierung der deutschen Stahlindustrie könnte sich als wirtschaftlicher Fehlschlag erweisen. Einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC zufolge ist eine rentable Produktion von grünem Primärstahl in Mitteleuropa unter den derzeitigen und absehbaren Bedingungen in keinem untersuchten Szenario darstellbar. Das setzt die staatlichen Förderstrategien massiv unter Druck.
Milliardenschwere Wette auf Wasserstoff
Bund und Länder haben für den Umbau auf eine wasserstoffbasierte Produktion bereits rund 5,9 Milliarden Euro zugesagt. Davon entfallen zwei Milliarden Euro auf Thyssenkrupp, 2,6 Milliarden Euro auf die Stahl-Holding-Saar und 1,322 Milliarden Euro auf Salzgitter. Die Förderung für Salzgitter wurde Anfang des Jahres nochmals um 322 Millionen Euro aufgestockt.
Branchenkenner warnen nun: Die Investitionen könnten angesichts fehlender Wettbewerbsfähigkeit verloren sein. Ein PwC-Partner betont, der Transformationsbedarf sei tiefergehend als bislang angenommen – die Branche müsse ihre Daseinsberechtigung am Standort Deutschland neu erkämpfen.
Erste Risse zeigen sich bereits: ArcelorMittal hat seine Ausbaupläne gestoppt, wodurch Förderzusagen über 1,3 Milliarden Euro verfallen. Thyssenkrupp setzte zudem eine Ausschreibung für die Wasserstoffbelieferung aus. Die Politik hält derweil am Ziel fest, Arbeitsplätze zu sichern – seit 2008 verlor die Branche bereits 100.000 Stellen.
Warum der Standort das Nachsehen hat
Die Gründe für die mangelnde Konkurrenzfähigkeit liegen in hohen Energiepreisen und den Kosten für grünen Wasserstoff. Regionen wie Indien oder die Golfstaaten produzieren Primärstahl deutlich günstiger. Innerhalb Europas gilt nur Skandinavien als wettbewerbsfähiger Standort für grünen Stahl. Ökonomen warnen vor einem Wertschöpfungsverlust von bis zu 50 Milliarden Euro für Deutschland.
Die Marktdaten zeichnen ein düsteres Bild: Im vergangenen Jahr sank die deutsche Stahlproduktion um neun Prozent auf 34,1 Millionen Tonnen. Die Kapazitätsauslastung fiel damit unter 70 Prozent. Schutzzölle im Rahmen des CO?-Grenzausgleichs CBAM könnten den heimischen Markt zwar stützen – doch Experten halten die dafür nötigen Zollhöhen für unrealistisch. Sie empfehlen stattdessen eine Mischkalkulation: heimische Produktion von Spezialstählen plus Import von grünem Vormaterial.
Wer sich mit dem Thema CO2-Grenzausgleich befasst, muss die komplexen Berichtspflichten der neuen EU-Verordnung genau kennen. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie die CBAM-Vorgaben rechtssicher und schnell in Ihrem Unternehmen umsetzen. Gratis-Checkliste zur CBAM-Umsetzung herunterladen
Projekte laufen trotzdem weiter
Trotz der düsteren Studie halten Politik und Unternehmen an ihren Plänen fest. Bundeswirtschaftsministerin Reiche besuchte Anfang August das SALCOS-Projekt der Salzgitter AG. Zentraler offener Punkt bleibt die Verfügbarkeit von Wasserstoff. Parallel dazu vergab die Salzgitter-Tochter HKM den Bau des deutschlandweit größten Elektrolichtbogenofens in Duisburg – gefördert mit rund 200 Millionen Euro, bei einer Kapazität von bis zu 2,5 Millionen Tonnen.
Auch international tut sich etwas: Das schwedische Unternehmen Stegra sicherte sich 1,4 Milliarden Euro von Investoren. Das Werk in Boden soll bis Ende des Jahrzehnts fünf Millionen Tonnen pro Jahr produzieren. Doch auch hier steigen die Kosten – zuletzt lagen sie 15 Prozent über dem Budget, die Finanzierungslücke beträgt über zwei Milliarden Euro.
Viele Importeure sind von den neuen Meldepflichten beim Warenimport betroffen, ohne es bereits sicher zu wissen. Ein spezialisierter Report klärt darüber auf, was Ihr CBAM-Bericht enthalten muss, um Bußgelder zuverlässig zu vermeiden. Kostenloses E-Book zu CBAM-Berichtspflichten sichern
Die Hoffnung auf günstige natürliche Wasserstoffvorkommen schwindet derweil. Eine aktuelle Untersuchung zeigt: Die förderbaren Mengen an weißem Wasserstoff in den Pyrenäen oder Kalifornien liegen weit unter früheren Schätzungen. Das erhöht den Druck auf die teure elektrolytische Herstellung weiter.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
