Stahlindustrie, Grüner Stahl

Grüner Stahl: Merz besucht Saarland und informiert sich über Milliarden-Umbau

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 09:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bundeskanzler Friedrich Merz informiert sich im Saarland über den milliardenschweren Umbau der Stahlindustrie. In Dillingen soll der Wechsel von Kohle zu Wasserstoff die CO2-Emissionen deutlich senken – doch hohe Kosten und fehlender grüner Wasserstoff bremsen die Transformation.

  • Im Saarland werden Milliarden für den Umbau der Stahlproduktion investiert. (Archivbild)  - Bild: Andreas Arnold/dpa
    Im Saarland werden Milliarden für den Umbau der Stahlproduktion investiert. (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa
  • Bei der Transformation gibt es noch Hürden. (Archivbild) - Bild: Laszlo Pinter/dpa
    Bei der Transformation gibt es noch Hürden. (Archivbild) - Bild: Laszlo Pinter/dpa
Im Saarland werden Milliarden für den Umbau der Stahlproduktion investiert. (Archivbild)  - Bild: Andreas Arnold/dpa Bei der Transformation gibt es noch Hürden. (Archivbild) - Bild: Laszlo Pinter/dpa

Bundeskanzler Friedrich Merz informiert sich heute bei der Dillinger Hütte über den Umbau der Saar-Stahlindustrie zu einer klimafreundlicheren Produktion.

4,6 Milliarden Euro für die Transformation

Die Stahl-Holding-Saar investiert rund 4,6 Milliarden Euro in die Umstellung. Bund und Saarland fördern das Vorhaben mit 2,6 Milliarden Euro, den verbleibenden Betrag tragen die Unternehmen.

Auch Thyssenkrupp in Duisburg und die Salzgitter AG arbeiten an entsprechenden Projekten. Der Umbau der Branche ist für die deutschen Klimaziele bedeutsam, weil Stahl zu den größten industriellen CO2-Emittenten zählt.

Merz besucht Dillinger Hütte

In Dillingen nimmt Merz an einer Veranstaltung der Stahl-Holding-Saar teil und soll nach Angaben des Kanzleramts eine Rede halten. Im Mittelpunkt steht die Transformation der Saar-Stahlindustrie.

Wasserstoff ersetzt Kohle und Koks

Als grüner Stahl gilt meist Material, das mit möglichst klimafreundlich erzeugtem Wasserstoff statt mit Kohle und Koks hergestellt wird. In Direktreduktionsanlagen entzieht Wasserstoff dem Eisenerz den Sauerstoff; dabei entsteht fester Eisenschwamm, der anschließend eingeschmolzen und zu Stahl weiterverarbeitet wird.

In Dillingen und Völklingen sollen die neuen Anlagen die CO2-Emissionen bis Anfang der 2030er Jahre um bis zu 55 Prozent oder 4,8 Millionen Tonnen jährlich senken. Zu Beginn soll Erdgas eingesetzt werden, später Wasserstoff; bis 2045 soll die Produktion CO2-neutral werden.

Hohe Kosten und fehlende Mengen

Grüner Wasserstoff ist derzeit deutlich teurer als fossile Alternativen. Nach Einschätzung von Experten könnte er auch 2030 noch mindestens doppelt so teuer sein wie grauer Wasserstoff aus Erdgas.

Dadurch bleibt klimafreundlich produzierter Stahl teurer als konventioneller Stahl. Zusätzlich ist grüner Wasserstoff bislang nicht in ausreichender Menge verfügbar. Die Branche steht außerdem im Wettbewerb mit billigem Stahl aus Ländern mit häufig niedrigeren Umweltauflagen.

Schutz vor Billigimporten

Die EU-Kommission hat zum 1. Juli eine Verordnung zum Schutz des europäischen Stahlmarkts erlassen. Sie soll Importe begrenzen und teilweise verteuern.

Die Industrie fordert außerdem wettbewerbsfähige Strompreise. Öffentliche Aufträge, etwa beim Ausbau des Schienennetzes, könnten als grüne Leitmärkte die Nachfrage nach CO2-reduziertem Stahl stärken.

Umbau mit hoher strategischer Bedeutung

Die Stahlindustrie gehört zu den besonders emissionsintensiven Branchen. Der Wechsel vom kohlebasierten Hochofen zur Direktreduktion kann deshalb einen erheblichen Beitrag zur Senkung industrieller Treibhausgasemissionen leisten. Für das Saarland ist das Vorhaben zugleich eine zentrale industriepolitische Weichenstellung: An den Standorten Dillingen und Völklingen hängen Wertschöpfung, Arbeitsplätze und regionale Zulieferstrukturen.

Die geplante Förderung von 2,6 Milliarden Euro zeigt die Größenordnung des Vorhabens. Sie soll den Unternehmen den Übergang ermöglichen, solange klimafreundlicher Stahl wegen hoher Energie- und Wasserstoffkosten noch deutlich teurer ist als konventionelles Material. Entscheidend wird daher nicht allein der Bau der Anlagen sein, sondern auch, ob ausreichend erneuerbarer Strom und Wasserstoff verfügbar werden.

Wettbewerb und Nachfrage entscheiden

Für die Unternehmen verschärft sich der Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und internationalem Kostendruck. Schutzmaßnahmen gegen Billigimporte können den europäischen Markt stabilisieren, ersetzen aber keine dauerhaft wettbewerbsfähige Energieversorgung. Öffentliche Beschaffung und industrielle Abnehmer könnten zusätzlich Nachfrage nach CO2-reduziertem Stahl schaffen.

Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet die Transformation vor allem, dass energie- und industriepolitische Entscheidungen unmittelbar mit regionaler Beschäftigung und öffentlichen Haushalten verbunden sind. Gelingt der Umbau, könnten bestehende Industriestandorte erhalten und Emissionen gesenkt werden; Verzögerungen bei Infrastruktur, Wasserstoffversorgung oder Investitionen würden den Zeitplan und die Wirtschaftlichkeit belasten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau.de: „Bundeskanzler Merz besucht am Montag das Saarland“ (27.09.2026)

Der Bericht kündige den Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz im Saarland an und nenne die Dillinger Hütte als erste Station. Er bestätige damit den politischen Anlass der Meldung, setze seinen Schwerpunkt jedoch auf den Terminablauf und führe die technischen und finanziellen Details der Stahltransformation nicht aus.

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