Großbritannien, Gehaltstransparenz

Großbritannien: Gehalt soll vor Bewerbung klar sein

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 05:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die britische Regierung will Bewerberinnen und Bewerbern frühzeitig Klarheit über die Vergütung geben. Besonders junge Menschen und Rückkehrer in den Arbeitsmarkt sollen dadurch vor unnötigem Bewerbungsaufwand geschützt werden.

Arbeitsmarkt setzt auf klarere Gehaltsangaben

  • Die britische Regierung kündigte unter Premierminister Andy Burnham ein Gesetz für Gehaltsangaben in Stellenanzeigen an.
  • Nur 18 Prozent der Unternehmen nennen bislang ein konkretes Gehalt, 41 Prozent geben eine Gehaltsspanne an.
  • Zwischen April und Juni waren 13 Prozent der 16- bis 24-Jährigen ohne Arbeits- oder Ausbildungsplatz oder andere Bildungsmaßnahme.
In Großbritannien sollen Arbeitgeber künftig dazu verpflichtet sein, in Stellenanzeigen das Gehalt anzugeben, wie Premierminister Andy Burnham angekündigt hat. (Archivbild) - Bild: Darren Staples/Pool AFP/AP/dpa

Britische Regierung plant Gehaltspflicht für Stellenanzeigen

Arbeitgeber in Großbritannien sollen künftig verpflichtet werden, das Gehalt einer Stelle bereits in der Anzeige zu nennen. Die Regierung von Premierminister Andy Burnham kündigte dafür ein Gesetz an, das Bewerbungen transparenter machen und Nachteile für Frauen verringern soll.

Gesetz soll möglichst bald kommen

Ein genauer Termin für das Vorhaben wurde nicht genannt. Die Regierung begründet die geplante Regelung damit, dass Bewerber insbesondere am Beginn ihres Berufslebens bislang viel Zeit in Bewerbungen investieren können, ohne zu wissen, ob die Vergütung ihren Erwartungen entspricht oder die Lebenshaltungskosten deckt.

Viele Anzeigen bleiben bei der Vergütung vage

Nach einer von der Regierung angeführten Studie nennen bislang nur 18 Prozent der Unternehmen in ihren Anzeigen ein konkretes Gehalt. Weitere 41 Prozent geben zumindest eine Gehaltsspanne an.

Andy Burnham erklärte, das Einreißen von Barrieren sei nur ein Teil der Aufgabe. Unternehmen müssten jungen Menschen auch mehr Möglichkeiten geben, erste Berufserfahrungen zu sammeln und Vertrauen in den Einstieg zu entwickeln.

Fawcett Society sieht Frauen benachteiligt

Penny East von der Fawcett Society sagte, intransparente Gehaltsangaben hätten Frauen lange benachteiligt. Sie erschwerten es, sich gegen unfaire und ungleiche Bezahlung zu wehren.

Die Fawcett Society setzt sich nach eigenen Angaben seit mehr als 150 Jahren für Frauen und Geschlechtergerechtigkeit in Großbritannien ein. Die geplante Gehaltspflicht soll deshalb nicht nur Bewerbungsprozesse vereinfachen, sondern auch mehr Klarheit über mögliche Lohnunterschiede schaffen.

Eine Million junge Menschen ohne Job oder Ausbildung

Zwischen April und Juni waren nach offiziellen Zahlen 13 Prozent der 16- bis 24-Jährigen in Großbritannien ohne Arbeits- oder Ausbildungsplatz oder absolvierten keine andere Bildungsmaßnahme. Zwischen Januar und März hatte ihre Zahl erstmals seit 2013 wieder eine Million erreicht.

Auch die Zahl der offenen Stellen ging zurück. Zwischen Juli und September sank sie nach Schätzung des nationalen Statistikamts um 21.000 auf 691.000.

Einordnung: Transparenz allein schafft keine Stellen

Die angekündigte Pflicht zur Gehaltsangabe zielt auf ein Problem, das viele Bewerber aus eigener Erfahrung kennen: Stellenanzeigen machen Anforderungen und Aufgaben oft detailliert sichtbar, lassen die entscheidende Gegenleistung aber offen. Eine verbindliche Angabe könnte Bewerbungen mit unpassenden Vergütungserwartungen verringern und besonders Menschen am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn vor unnötigem Aufwand schützen.

Für Frauen ist die Maßnahme auch im Zusammenhang mit dem geschlechtsspezifischen Lohngefälle relevant. Transparente Gehaltsbänder können die Verhandlungsposition von Bewerberinnen stärken, ersetzen aber keine Kontrolle gleicher Bezahlung bei vergleichbarer Arbeit. Entscheidend wird deshalb sein, wie eng die zulässigen Gehaltsspannen gefasst werden und ob Arbeitgeber die Angaben später begründen müssen.

Transparenz trifft auf angespannten Arbeitsmarkt

Die Initiative fällt in eine Phase, in der der britische Arbeitsmarkt zugleich weniger offene Stellen und eine hohe Zahl junger Menschen ohne Arbeit oder Ausbildung aufweist. Eine Gehaltsangabe schafft dabei nicht automatisch zusätzliche Jobs, kann aber die Qualität der Vermittlung verbessern: Bewerber sehen früher, ob eine Stelle zu ihren finanziellen Möglichkeiten passt, und Unternehmen erreichen eher Interessierte mit realistischen Erwartungen.

Für die Praxis wird die konkrete Ausgestaltung entscheidend sein. Dazu gehören der Zeitpunkt der Angabe, der Umgang mit variablen Vergütungen und mögliche Sanktionen bei falschen oder irreführenden Angaben. Auch die Wirkung auf Rückkehrer in den Arbeitsmarkt hängt davon ab, ob neben dem Gehalt weitere Einstiegshürden wie fehlende Erfahrung oder flexible Betreuungsmöglichkeiten berücksichtigt werden.

Britische Regierung nennt keinen Starttermin

Die Regierung will das Gesetz nach eigenen Angaben so bald wie möglich auf den Weg bringen. Parallel zu den Debatten über bessere Zukunftschancen für junge Menschen wird damit die Frage wichtiger, wie attraktiv und zugänglich der Einstieg in den Arbeitsmarkt tatsächlich ist.

Die angekündigte Pflicht zur Gehaltsangabe zielt auf ein Problem, das viele Bewerber aus eigener Erfahrung kennen: Stellenanzeigen machen Anforderungen und Aufgaben oft detailliert sichtbar, lassen die entscheidende Gegenleistung aber offen. Eine verbindliche Angabe könnte Bewerbungen mit unpassenden Vergütungserwartungen verringern und besonders Menschen am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn vor unnötigem Aufwand schützen.

Für Frauen ist die Maßnahme auch im Zusammenhang mit dem geschlechtsspezifischen Lohngefälle relevant. Transparente Gehaltsbänder können die Verhandlungsposition von Bewerberinnen stärken, ersetzen aber keine Kontrolle gleicher Bezahlung bei vergleichbarer Arbeit. Entscheidend wird deshalb sein, wie eng die zulässigen Gehaltsspannen gefasst werden und ob Arbeitgeber die Angaben später begründen müssen.

Transparenz trifft auf angespannten Arbeitsmarkt

Die Initiative fällt in eine Phase, in der der britische Arbeitsmarkt zugleich weniger offene Stellen und eine hohe Zahl junger Menschen ohne Arbeit oder Ausbildung aufweist. Eine Gehaltsangabe schafft dabei nicht automatisch zusätzliche Jobs, kann aber die Qualität der Vermittlung verbessern: Bewerber sehen früher, ob eine Stelle zu ihren finanziellen Möglichkeiten passt, und Unternehmen erreichen eher Interessierte mit realistischen Erwartungen.

Für die Praxis wird die konkrete Ausgestaltung entscheidend sein. Dazu gehören der Zeitpunkt der Angabe, der Umgang mit variablen Vergütungen und mögliche Sanktionen bei falschen oder irreführenden Angaben. Auch die Wirkung auf Rückkehrer in den Arbeitsmarkt hängt davon ab, ob neben dem Gehalt weitere Einstiegshürden wie fehlende Erfahrung oder flexible Betreuungsmöglichkeiten berücksichtigt werden.

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