Greenwashing-Verbot, Umweltversprechen

Greenwashing-Verbot ab September: EU stoppt vage Umweltversprechen

27.05.2026 - 12:30:41 | boerse-global.de

Ab 2027 gelten strengere EU-Regeln für Smartphone-Akkus. High-End-Geräte könnten dank Haltbarkeitsstandards vom Pflichttausch ausgenommen werden.

Greenwashing-Verbot ab September: EU stoppt vage Umweltversprechen - Foto: über boerse-global.de
Greenwashing-Verbot ab September: EU stoppt vage Umweltversprechen - Foto: über boerse-global.de

Die EU will ab 2027 nachhaltigere Smartphones – doch ausgerechnet die strengen Regeln könnten den Akku-Tausch erschweren. Ein neuer Bericht zeigt zudem: Europas Abhängigkeit von China wächst dramatisch.

User-replaceable Batteries: Die Ausnahme wird zur Regel

Am 18. Februar 2027 tritt Artikel 11 der EU-Batterieverordnung in Kraft. Eigentlich sollen dann alle tragbaren Akkus in elektronischen Geräten vom Nutzer mit handelsüblichen Werkzeugen austauschbar sein. Das Ziel: längere Lebensdauer, weniger Elektroschrott.

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Doch das kommende iPhone 18 und andere High-End-Geräte könnten von dieser Pflicht befreit sein. Grund ist eine parallele Regelung aus der EU-Ökodesign-Richtlinie, die seit Juni 2025 gilt. Sie erlaubt Herstellern eine Ausnahme – wenn ihre Hardware bestimmte Haltbarkeitsstandards erfüllt.

Die Hürden sind hoch: Ein Gerät muss nach 500 Ladezyklen mindestens 83 Prozent seiner Akkukapazität behalten, nach 1.000 Zyklen noch 80 Prozent. Zudem ist eine IP67-Zertifizierung nötig – das bedeutet Schutz vor Staub und gegen zeitweiliges Untertauchen in einem Meter Wassertiefe.

Branchenkenner sehen Apple bereits auf der sicheren Seite. Schon das iPhone 15 erfüllt die Vorgaben. Das für September 2026 erwartete iPhone 18 Pro soll einen Akku in Stahlgehäuse mit 5.100 bis 5.200 mAh Kapazität erhalten. Die Konkurrenz zieht mit: Das Xiaomi 17 Max, erschienen im Mai 2026, hat einen 8.000-mAh-Silizium-Kohlenstoff-Akku, der nach 1.600 Zyklen noch 80 Prozent Leistung bringt.

Die Industrie setzt also auf „versiegelte Langlebigkeit" statt auf „offene Modularität", um die EU-Regulatoren zufriedenzustellen.

Chinas Batterie-Monopol: Deutschlands Abhängigkeit wächst

Während Brüssel die Lebenszyklen von Batterien reguliert, zeigt eine aktuelle Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung eine besorgniserregende Entwicklung: Deutschlands Abhängigkeit von chinesischen Importen lithium-ionen-basierter Akkus ist massiv gestiegen – von 49,7 Prozent im Jahr 2023 auf 66,5 Prozent im Jahr 2025.

Studienautor Frederic Spohr warnt: „Deutschland diversifiziert nicht in kritischen Bereichen, sondern vertieft seine Abhängigkeit von einem einzigen Markt." Besonders krass ist die Lage bei Solarmodulen: Hier lag der chinesische Importanteil 2025 bei rund 93 Prozent, nach 89 Prozent im Vorjahr.

Noch extremer ist die Situation bei strategischen Rohstoffen. Für Seltene Erden wie Praseodym, Neodym und Samarium – essenziell für Permanentmagnete – bleibt China praktisch der einzige Lieferant. Die Importmengen dieser Stoffgruppe stiegen von 3,1 Tonnen (2023) auf 13,0 Tonnen (2025).

Vor diesem Hintergrund reiste Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche am 27. Mai 2026 nach China. Der Besuch steht unter dem Zeichen wachsender strategischer Abhängigkeiten und der laufenden Durchsetzung des Digital Markets Act durch die EU-Kommission.

Northvolt-Pleite: 200 Millionen Euro Verlust drohen

Europas Versuch, eine eigene Batterieproduktion aufzubauen, erlebt einen herben Rückschlag. In Schleswig-Holstein ist das geplante Northvolt-Werk bei Heide zum Politikum geworden. Ursprünglich sollte die Fabrik 3.000 Arbeitsplätze schaffen – doch nach der geplanten Übernahme durch das US-Unternehmen Lyten ist alles anders.

Ein Sonderbericht des Landesrechnungshofs zu den Fördermitteln sorgt jetzt für Aufsehen. Das Projekt war mit einer KfW-Wandelanleihe von 600 Millionen Euro finanziert, wobei Bund und Land je die Hälfte der Bürgschaften übernahmen. Aktuellen Schätzungen zufolge sind nur 153 Millionen Euro gesichert – ein möglicher Verlust von rund 200 Millionen Euro für das Land droht.

Ministerpräsident Daniel Günther sollte am 27. Mai 2026 vor dem zuständigen Ausschuss Stellung nehmen. Die Opposition wirft der Landesregierung eine mögliche Verletzung der Sorgfaltspflicht bei der Vergabe der Subventionen vor.

Varta schließt Werk – Apple als Auslöser

Auch die Zulieferindustrie spürt den Wandel. Der Batteriehersteller Varta schließt seine Micro Production GmbH in Nördlingen. Grund: Apple verzichtet in der neuesten Generation seiner AirPods auf Varta-Knopfzellen. Bis zu 350 Arbeitsplätze fallen weg, auch der Standort Ellwangen ist betroffen.

Digitaler Produktpass: Transparenz ab 2027

Am 27. Mai 2026 veranstaltete die EU-Kommission ein Webinar zur Einführung des Digitalen Produktpasses (DPP) für Batterien. Ab dem 18. Februar 2027 wird er für alle Akkus mit mehr als 2 kWh Kapazität Pflicht. Der Pass soll Daten zu Materialien, Herkunft und Lebenszyklus transparent machen – ein Meilenstein für die Kreislaufwirtschaft.

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Gefahr aus dem Koffer: Powerbank zwingt Flugzeug zur Notlandung

Dass die strengen Sicherheitsregeln für Lithium-Batterien ihre Berechtigung haben, zeigt ein Vorfall vom 26. Mai 2026. Ein EasyJet-Flug von Hurghada nach London musste in Rom notlanden. Ein Passagier hatte ein Handy über eine Powerbank im aufgegebenen Koffer geladen. Aktive Powerbanks sind im Frachtraum verboten – maximal zwei Stück pro Person sind im Handgepäck erlaubt, mit höchstens 160 Wh Kapazität.

Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: 2024 kam es weltweit durchschnittlich zweimal pro Woche zu Zwischenfällen mit Lithium-Batterien. Im Januar 2025 zerstörte ein Brand in Südkorea ein Flugzeug – mutmaßlich ausgelöst durch eine defekte Powerbank.

Greenwashing-Verbot: Schluss mit „klimaneutral"

Am 27. September 2026 tritt die EU-Richtlinie „Empowering Consumers" (EmpCo) in Kraft. Sie macht Schluss mit vagen Umweltversprechen: Begriffe wie „nachhaltig" oder „umweltfreundlich" sind dann nur noch mit anerkannten Belegen erlaubt. Auch die Werbung mit „Klimaneutralität" durch CO2-Kompensation wird für Produkte verboten.

Branchenverbände warnen vor der Vernichtung von Millionenbeständen. Das Bundesjustizministerium sieht jedoch keine Pflicht zur Warenvernichtung. Der Bundestag schlägt eine Abverkaufsfrist bis zum 27. März 2027 für Waren vor, die vor dem 27. März 2026 produziert wurden.

Ausblick: PFAS-Verbot als nächste Hürde

Während die Industrie auf den Februar 2027 zusteuert – dann gelten sowohl der Digitale Produktpass als auch die Austauschregeln der Batterieverordnung –, zeichnet sich bereits die nächste regulatorische Herausforderung ab. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat ein weitreichendes Verbot von PFAS (per- und polyfluorierte Chemikalien) empfohlen. Während NGOs auf sofortige Maßnahmen drängen, fordert die Industrie Übergangsfristen für die Umstellung ihrer Produktionsprozesse.

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