Greensand-Projekt: 400.000 t CO2 pro Jahr unter dem Meeresboden
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 21:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit der Inbetriebnahme der ersten kommerziell betriebenen CO2-Speicheranlage der Europäischen Union hat Dänemark einen industriellen Schritt beim Einsatz von Technologien zur CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) vollzogen.
Am 18. September 2026 eröffnete König Frederik X. die Anlage des Projekts Greensand im Meeresgrund nahe Esbjerg. Die Anlage nimmt damit ihren regulären Betrieb auf, bei dem jährlich bis zu 400.000 t verflüssigtes Kohlendioxid in rund 1.800 m Tiefe in das erschöpfte Ölfeld Nini West gepumpt werden sollen.
Die Eröffnung markiert einen zentralen Schritt für die europäischen Klimapläne im Bereich des Kohlenstoffmanagements. Nach Zielvorgaben der Europäischen Union sollen bis zum Jahr 2030 jährlich 50 Mio. t CO2 gespeichert werden können. Bis 2040 sieht die EU eine Steigerung auf ein Volumen von 250 bis 280 Mio. t pro Jahr vor. EU-Kommissar Dan Jørgensen bezeichnete die Inbetriebnahme am 18. September 2026 als wichtigen Meilenstein für Europa.
Ausbaupläne und logistische Kette
Betrieben wird das Projekt von INEOS Energy gemeinsam mit den Partnern Ineos, Harbour Energy und Nordsøfonden. Für die kommenden Jahre ist eine erhebliche Skalierung der Kapazitäten vorgesehen: Bis 2030 soll das Speichervolumen auf 4 bis 8 Mio. t CO2 pro Jahr anwachsen.
In einer vorangegangenen Pilotphase, die 2023 begonnen hatte, wurden rund 15.000 t CO2 pro Jahr gespeichert. König Frederik X. hatte damals bereits als Kronprinz die Pilotanlage in denselben erschöpften Feldern eröffnet.
Dänemark hat mit der ersten kommerziell betriebenen CO2-Speicheranlage der EU den Regelbetrieb aufgenommen — bis zu 400.000 t jährlich, mit Ausbauplänen auf 4 bis 8 Mio. t bis 2030. Wer die EU-Ziele von 50 Mio. t jährlich bis 2030 einordnen will, findet in diesem kostenlosen Report die wichtigsten Hebel. Jetzt kostenlosen CCS-Strategie-Report anfordern
Die technische Logistikkette basiert auf dänischen Biometananlagen, aus denen das Kohlendioxid abgeschieden wird. Das Gas wird vor Ort verflüssigt, per Lastkraftwagen zum Hafen von Esbjerg transportiert und von dort mit dem Spezialschiff Carbon Destroyer 1 zu der Plattform gebracht, die rund 250 km vor der dänischen Küste liegt.
An der Lagerstätte wird das verflüssigte Treibhausgas 1.800 m unter dem Meeresboden injiziert. Das Ölfeld Nini West blickt auf eine lange Historie zurück: Die Förderung an diesem Standort hatte 1972 unter Prinz Henrik begonnen.
Entwicklung der CCS-Vorhaben in Dänemark
Der Start des Regelbetriebs folgt auf eine langjährige Entwicklung der Technologie im Land. Bereits im Jahr 2008 existierten Pläne für das Nordjyllandsværket, die infolge der damaligen Finanzkrise verschoben wurden. Ein weiteres CCS-Projekt von Vattenfall in Jammerbugt wurde 2011 gestoppt. Im Jahr 2018 legte die Politik einen Klimaplan vor, der 100 Mio. DKK für die CO2-Forschung vorsah, gefolgt von einem Klimaabkommen im Jahr 2020.
Fehlende eigene CCS-Infrastruktur und unklare Förderfähigkeit bremsen viele Industrieunternehmen aus. Dieser Leitfaden zeigt, wie Abscheidung, Lkw-Transport und Seeweg zur Speicherstätte zusammenwirken — und welche Fördertöpfe in Höhe von 26,2 Mrd. DKK dafür bereitstehen. CCS-Infrastruktur-Leitfaden jetzt sichern
Im Jahr 2024 entstanden Pläne für Landspeicher an Standorten wie Gassum, Rødby und Havnsø, während Pläne für Stenlille verworfen wurden. Förderprogramme zur Abscheidung und Speicherung stießen jedoch auch auf Hürden: Die Initiative NECCS-Pulje erzielte ein Drittel der ursprünglich erhofften Klimawirkung. Insgesamt vergeben drei Fördertöpfe im Land finanzielle Mittel in Höhe von 26,2 Mrd. DKK für die Etablierung entsprechender Vorhaben.
