Google droht EU-Zwang zur Öffnung von Android für KI-Konkurrenten
04.05.2026 - 04:49:08 | boerse-global.deHintergrund sind konkrete technische Auflagen, die Brüssel dem Alphabet-Konzern am 27. April 2026 übermittelt hat. Die Maßnahmen zielen darauf ab, dass konkurrierende KI-Dienste wie ChatGPT oder Claude künftig denselben Zugriff auf Android-Systemfunktionen erhalten wie Googles eigene Modelle. Die Anordnungen stützen sich auf den Digital Markets Act (DMA).
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Brüssel verlangt gleichen Zugang zu Systemfunktionen
Das als „Spezifikationsverfahren" bezeichnete Vorgehen der Kommission dreht sich um eine Kernfrage: Darf Google seine Gemini-Modelle auf Android-Geräten bevorzugen? Bislang kontrolliert der Konzern exklusiv zentrale Funktionen wie die Sprachassistenten-Aktivierung, die systemweite Suchintegration und die nahtlose Zusammenarbeit mit anderen Apps.
Die Kommission fordert nun, dass Drittanbieter „gleichwertigen Zugang" zu diesen Funktionen erhalten. Nutzer sollen künftig frei wählen können, welcher KI-Assistent E-Mails schreibt, Essen bestellt oder Fotos teilt – ohne an das Google-Ökosystem gebunden zu sein.
Ein weiterer Streitpunkt: die Suchdaten. Bereits im Januar 2026 leitete Brüssel ein Verfahren ein, um Google zu zwingen, anonymisierte Ranking-, Abfrage- und Klickdaten mit Konkurrenten zu teilen. Die Regulierer sehen diese Daten als unverzichtbar für die Optimierung alternativer KI-Dienste.
Google hat bis zum 13. Mai Zeit, zu den Vorschlägen Stellung zu nehmen. Eine endgültige, bindende Entscheidung der Kommission wird bis Ende Juli 2026 erwartet. Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Kartellverfahren zu KI-Trainingsdaten läuft
Parallel zu den DMA-Verfahren ermittelt die Kommission seit Dezember 2025 in einem formellen Kartellverfahren gegen Google. Der Vorwurf: Der Konzern habe Webinhalte und YouTube-Videos unrechtmäßig zum Training seiner Gemini-Modelle genutzt – ohne angemessene Vergütung oder eine Opt-out-Möglichkeit für die Urheber.
Besonders im Fokus steht die Funktion „AI Overviews" in der Google-Suche. Die Regulierer prüfen, ob Google Verlegerinhalte für KI-Zusammenfassungen nutzt und diesen dadurch Traffic und Einnahmen entzieht. Verleger hätten praktisch keine Wahl, als mitzuspielen, wenn sie in den Suchergebnissen sichtbar bleiben wollen.
Auch die Nutzung von YouTube-Videos für das KI-Training wird untersucht. Die Frage ist, ob YouTuber faire Bedingungen oder ein Widerspruchsrecht gegen die Nutzung ihrer Inhalte erhielten.
Datenschutz und EU-AI-Act als zusätzliche Hürden
Bereits im September 2024 leitete die irische Datenschutzkommission (DPC) eine Untersuchung zu Googles Sprachmodell PaLM 2 ein. Im Zentrum steht die Frage, ob Google vor dem Training mit europäischen Nutzerdaten eine notwendige Datenschutz-Folgenabschätzung durchgeführt hat.
Diese Datenschutzfragen fließen nun in die Durchsetzung des EU AI Acts ein, der im August 2024 in Kraft trat. Für bereits bestehende Modelle wie Gemini hat Google bis August 2027 Zeit, die vollen Anforderungen zu erfüllen. Ab August 2026 drohen jedoch bereits Strafen von bis zu drei Prozent des weltweiten Umsatzes bei Verstößen gegen die Regeln für allgemeine KI-Modelle.
Google hat signalisiert, den freiwilligen „Verhaltenskodex" unterzeichnen zu wollen – ein Schritt, der eine „Vermutung der Konformität" mit bestimmten AI-Act-Anforderungen begründen würde.
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Historische Präzedenzfälle belasten Googles Position
Die aktuellen Verfahren sind Teil eines größeren Musters. Die EU will verhindern, dass sich im KI-Bereich dieselben Monopolstellungen verfestigen wie zuvor bei sozialen Medien und Betriebssystemen. Branchenbeobachter stellen fest, dass Brüssel bei KI deutlich schneller reguliert als bei früheren Technologiesprüngen.
Google ist nicht der einzige betroffene Konzern. Apple verschob mehrere KI-Funktionen in Europa wegen Interoperabilitätsbedenken unter dem DMA. Zudem prüfen die EU-Kommission und die britische Wettbewerbsbehörde Googles Zwei-Milliarden-Dollar-Investition in das KI-Unternehmen Anthropic.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Europäische Gerichtshof derzeit Googles Berufung gegen eine historische Kartellstrafe von 4,125 Milliarden Euro prüft. Ein Gerichtsberater empfahl Mitte 2025, die Berufung abzuweisen – was das Prinzip untermauern würde, dass Google seine Dienste nicht illegal an sein Betriebssystem binden darf.
Entscheidender Sommer für Gemini in Europa
Die kommenden Monate werden richtungsweisend für die Zukunft von Gemini in Europa. Google plant, seinen bisherigen Assistant noch 2026 vollständig durch Gemini zu ersetzen. Die technischen Auflagen der Kommission werden entscheiden, wie viel Wettbewerb auf Millionen von Android-Geräten herrscht.
Sollte Brüssel tiefe Systemzugriffe für Drittanbieter erzwingen, könnte ein fragmentierter, aber wettbewerbsintensiver Markt für mobile KI entstehen. Google warnt dagegen, dass erzwungene Zugriffe auf sensible Hardware und Geräteberechtigungen Kosten treiben und Sicherheit sowie Privatsphäre gefährden könnten.
Bis Mitte Mai läuft die Feedback-Frist. Der Dialog zwischen Brüssel und dem Google-Hauptquartier in Mountain View bleibt einer der wichtigsten Fixpunkte für die globale Tech-Branche.
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