Goliath-Verfahren: Zwei Haftstrafen nach 200 Millionen Euro Steuerschaden
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 02:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deIm großangelegten Ermittlungskomplex Goliath hat das Landgericht Düsseldorf erste Haftstrafen gegen zwei Angeklagte verhängt. Den Verurteilten wurde die Beteiligung an einem grenzüberschreitenden Umsatzsteuerkarussell im Elektronikhandel zur Last gelegt, das nach gerichtlichen Feststellungen zwischen 2019 und 2023 einen Steuerschaden von 200 Millionen Euro für die Haushalte der Europäischen Union sowie einzelner Mitgliedsstaaten verursachte.
Wie Behörden und Medien am 23. Oktober 2026 berichteten, handelt es sich um die ersten Urteile, die von der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) Hamburg in diesem Verfahrenskomplex erwirkt wurden.
Mehrjährige Haftstrafen für Haupt- und Mitangeklagten
Das Gericht verurteilte einen 39-jährigen türkischen Staatsbürger aus Düsseldorf zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 7 Jahren und 2 Monaten. Die Kammer sah den Tatbestand der bandenmäßigen Steuerhinterziehung sowie die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung im Ausland als erwiesen an.
Dem Mann wurden die Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation, Umsatzsteuerbetrug in 26 Fällen in seiner Funktion als De-facto-Manager sowie Beihilfe zum Umsatzsteuerbetrug bei 10 Scheinfirmen vorgeworfen.
Ein 51-jähriger dänischer Mitangeklagter erhielt eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 8 Monaten wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung und der Unterstützung einer kriminellen Vereinigung im Ausland. Zur Last gelegt wurden ihm die Unterstützung einer kriminellen Organisation sowie Beihilfe zum Umsatzsteuerbetrug in 5 Fällen.
Beide Angeklagte hatten im Rahmen der Verhandlung Geständnisse abgelegt. Das Verfahren gegen einen thirden Angeklagten wurde hingegen abgetrennt und eingestellt. Das ergangene Urteil ist erstinstanzlich und anfechtbar; gegen die Entscheidung kann Berufung eingelegt werden.
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Konstrukt aus Scheinfirmen und Hawala-Netzwerk
Nach Überzeugung der Düsseldorfer Kammer bauten die Verurteilten ein Geflecht aus mehreren Scheinfirmen auf, um systematisch ein Umsatzsteuerkarussell zu betreiben. Bei diesen betrügerischen Kreislaufgeschäften ließen sich beteiligte Unternehmen Umsatzsteuern erstatten, die zuvor an anderer Stelle in der Handelskette niemals an den Fiskus abgeführt worden waren.
Das Liefervolumen der über das System gehandelten Elektronikgeräte belief sich nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft aus dem Vorjahr auf über 600 Millionen Euro.
Für den Transfer und die Verschleierung der illegal erlangten Gelder griffen die Akteure auf ein sogenanntes Hawala-Netzwerk zurück. Über dieses traditionelle, bankenunabhängige Zahlungssystem wurden die Finanzströme gewaschen und dem Zugriff der Steuer- und Ermittlungsbehörden entzogen.
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Internationale Dimension der Ermittlungen
Der Komplex Goliath reicht weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Während in Düsseldorf nun die ersten gerichtlichen Entscheidungen vorliegen, dauern die juristischen Aufarbeitungen in anderen europäischen Ländern an.
So befinden sich im Rahmen der länderübergreifenden Ermittlungen gegen das Betrugsnetzwerk derzeit mindestens zwei weitere Beschuldigte in Dänemark in Haft. Die europäische Ermittlungsbehörde führt die Untersuchungen zu weiteren Verflechtungen des Händler- und Firmennetzwerks fort.
