GKV-Sparpaket: Zuzahlungen steigen auf 7,50 Euro ab Juli
17.06.2026 - 21:55:22 | boerse-global.de
Betroffen sind Zuschüsse für die professionelle Zahnreinigung (100 Euro), Osteopathie (bis zu 120 Euro jährlich), Reiseimpfungen und Fitnesskurse (130 Euro zweimal jährlich).
Die gesetzlichen Pflichtleistungen bleiben unangetastet. Doch Branchenexperten rechnen damit, dass weitere Kassen unter dem finanziellen Druck ähnliche Schritte prüfen. Der Spielraum für freiwillige Angebote schrumpft.
Koalition einigt sich auf GKV-Reform
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Bereits Mitte April 2026 beschloss die schwarz-rote Koalition ein umfassendes Reformpaket zur Stabilisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung. Ziel: Die Beitragsentwicklung dämpfen und eine Finanzierungslücke schließen, die bis 2030 auf rund 40 Milliarden Euro anwachsen könnte.
Die geplanten Einschnitte sind deutlich. Die Zuzahlungen steigen auf mindestens 7,50 Euro pro Verordnung. Das Krankengeld sinkt von 70 auf 65 Prozent des Bruttolohns. Homöopathie wird als Kassenleistung komplett gestrichen. Und die beitragsfreie Mitversicherung von Ehegatten fällt weg. Das Gesetz soll bis zur Sommerpause Mitte Juli verabschiedet werden.
Reicht das Sparpaket?
Die Krankenkassen sagen: Nein. Oliver Blatt, Chef des GKV-Spitzenverbandes, warnte Mitte Juni: Das aktuelle Sparpaket von 16,3 Milliarden Euro reiche nicht. Für 2027 wird eine Finanzlücke von 18,8 Milliarden Euro erwartet.
Die Ausgaben der Kassen steigen rasant. Im ersten Quartal 2026 legten sie um 8 Prozent zu. Besonders teuer: Krankenhäuser (+9,4 Prozent) und Arzneimittel (+6,4 Prozent). Ulrike Elsner, Chefin des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), rechnet vor: Die Klinikausgaben stiegen seit 2020 von 82 auf 112 Milliarden Euro. Die Kassen fordern deshalb mehr Geld vom Bund und höhere Rabatte der Pharmaindustrie.
Auch Ärzte spüren den Rotstift
Die Sparmaßnahmen treffen nicht nur Versicherte. Seit dem 1. April 2026 gelten Honorarkürzungen von 4,5 Prozent im Bereich der Psychotherapie. Berufsverbände schlagen Alarm: Sie prognostizieren ab Januar 2027 den Wegfall von rund 38 Prozent der Therapiesitzungen, falls die Budgetierung weiter verschärft wird. Ein drohendes Praxissterben zeichnet sich ab.
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Beiträge steigen trotz Reform
Für Versicherte wird es teurer. Erste große Krankenkassen erhöhen ihre Zusatzbeiträge zum Juli 2026 um 0,3 bis 0,6 Prozentpunkte. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt mit 3,1 Prozent auf einem Rekordhoch – das politische Ziel sind 2,9 Prozent.
Doch es gibt einen Lichtblick: Die Stiftung Warentest zeigt Mitte Juni 2026, dass ein Kassenwechsel weiterhin lohnt. Die Gesamtsätze liegen zwischen 16,78 und 18,99 Prozent. Für Gutverdiener bedeutet das ein Sparpotenzial von bis zu 660 Euro pro Jahr.
