GKV-Reform, Zuzahlungen

GKV-Reform: Zuzahlungen für Medikamente und Klinik steigen ab 2027

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die GKV-Reform bringt kurzfristige Entlastungen von Milliarden, doch ab 2029 zeichnen sich erneut Finanzierungslücken ab. Patienten und Gutverdiener müssen mit höheren Beiträgen rechnen.

GKV-Reform: Milliarden-Puffer für 2027/2028, ab 2029 drohen neue Löcher
Eine Hand legt eine Münze auf einen Stapel von Münzen, mit verschwommenen Dokumenten im Hintergrund, die finanzielle Stabilität symbolisieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Milliarden-Puffer für 2027 und 2028

Das am 10. Juli verabschiedete GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz soll die Zusatzbeiträge vorerst stabil halten. Oliver Blatt, Chef des Kassen-Spitzenverbands, sieht ausreichend Spielraum für die Jahre 2027 und 2028.

Für 2027 erwartet das Gesetz Entlastungen von 18,8 Milliarden Euro – das erwartete Defizit wäre damit komplett gedeckt. 2028 stehen 25,3 Milliarden Euro Entlastung einer prognostizierten Lücke von 25 Milliarden Euro gegenüber. Ein Puffer von rund 0,3 Milliarden Euro bleibt.

Doch die langfristige Perspektive trübt das Bild. Für 2029 und 2030 sind zwar Entlastungen von über 30 Milliarden Euro geplant. Die entstehenden Defizite könnten sie aber nicht mehr vollständig auffangen. Blatt betonte: Für eine Abschwächung der Maßnahmen gebe es keinen Spielraum.

Patienten zahlen deutlich mehr

Die Reform greift tief in den Alltag der Versicherten ein. Die Zuzahlungen für Medikamente steigen von 5 bis 10 Euro auf 7,50 bis 15 Euro. Der Eigenanteil bei Krankenhausaufenthalten erhöht sich von 10 auf 15 Euro pro Tag. Ab 2028 sollen diese Sätze automatisch angepasst werden.

Weitere Änderungen:

  • Einführung von Teilkrankschreibung und Teilkrankengeld für Langzeiterkrankte
  • Kürzung der Zuschüsse zum Zahnersatz
  • Einschränkungen bei der beitragsfreien Familienversicherung
  • Weniger Informationspflichten für Kassen bei Zusatzbeitragserhöhungen – spart Porto und Verwaltungskosten

Scharfe Kritik von Ärzten und PKV

Der Verband der Privaten Krankenversicherung läuft Sturm gegen die Reform. Direktor Florian Reuther kritisierte vor allem die außerordentliche Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze. Rund 6,3 Millionen Beschäftigte seien betroffen, die jährliche Zusatzbelastung liege bei 4,5 Milliarden Euro. Reuther spricht von einem Eingriff in Wettbewerb und Wahlfreiheit.

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Auch Mediziner schlagen Alarm. In der Region Ingolstadt rechnen Ärzte mit deutlich längeren Wartezeiten auf Facharzttermine – weil finanzielle Anreize zur Terminvermittlung wegfallen. Bei psychotherapeutischen Leistungen droht durch gestrichene Zuschläge ein Rückgang der Therapieplätze.

Ungelöste Finanzierungsfragen belasten das System zusätzlich. Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit, fordert eine angemessene Refinanzierung der Beiträge für Bürgergeldempfänger durch den Bund. Die jährliche Unterdeckung beziffert er auf rund 10 Milliarden Euro. Storm hat bereits Klage vor dem Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen eingereicht.

In der Pflege warnen Verbände vor den Folgen des Sparkurses. Tariflohnsteigerungen würden nicht vollständig refinanziert, Budgets seien gedeckelt. Die Versorgung gerate unter Druck.

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