Gewalt, Gesundheitswesen

Gewalt im Gesundheitswesen: Jeder zweite Mitarbeitende betroffen

29.05.2026 - 04:39:45 | boerse-global.de

Hohe Gewaltbelastung im Gesundheitswesen: Umfragen zeigen verbale und physische Übergriffe auf Pflegekräfte und Rettungsdienstmitarbeiter.

Gewalt im Gesundheitswesen: Jeder zweite Mitarbeitende betroffen - Foto: über boerse-global.de
Gewalt im Gesundheitswesen: Jeder zweite Mitarbeitende betroffen - Foto: über boerse-global.de

Das zeigen aktuelle Erhebungen zum internationalen Tag der Notfallmedizin Ende Mai. Besonders Rettungsdienst und Pflege stehen unter Druck.

Rettungsdienst besonders betroffen

Fast 60 Prozent der Angestellten im Rettungsdienst berichten von regelmäßiger verbaler Gewalt. Rund jeder vierte wurde bereits körperlich angegriffen. In der Pflegebranche sieht es ähnlich aus: Knapp 45 Prozent der Befragten gaben an, verbalen Attacken ausgesetzt zu sein. Über 12 Prozent erlebten physische Gewalt.

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Experten raten dazu, jeden Vorfall lückenlos zu dokumentieren und professionelle Hilfe zu suchen. Das Ziel: Den Gesundheitssektor wieder zu einem sicheren Arbeitsplatz machen.

Machtmissbrauch und Sexismus in Kliniken

Doch nicht nur aggressive Patienten und Angehörige sind das Problem. Auch die interne Arbeitskultur gerät in die Kritik. Eine Umfrage des Marburger Bundes zeigt: Respektlose Töne, Mobbing und sexuelle Belästigung sind in Kliniken präsent. Besonders in chirurgischen Fachbereichen werden vermehrt unangemessene körperliche Berührungen gemeldet.

Ein weiteres strukturelles Problem: Die Benachteiligung von Frauen. Fehlende Teilzeitoptionen für Führungspositionen und Machtmissbrauch erschweren die Karriere. Auch Medizinstudierende thematisierten auf dem jüngsten Deutschen Ärztetag Übergriffe während ihrer Ausbildung.

Prävention durch Fortbildung

Um gegenzusteuern, sind für den Frühsommer zahlreiche Fortbildungen geplant. Am 11. Juni findet in Köln die 19. Pflegefortbildung des Westens statt – in Kooperation mit der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.

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Neben Deeskalationstrainings spielt auch die systematische Unterweisung der Belegschaft eine zentrale Rolle für die Sicherheit in Kliniken und Pflegeheimen. Erfahrene Sicherheitsverantwortliche nutzen dafür spezielle Leitfäden, um rechtliche Risiken zu vermeiden und den Arbeitsschutz lückenlos zu dokumentieren. Kostenlosen Experten-Report zur Gefährdungsbeurteilung herunterladen

Weitere Angebote:

  • Informationsveranstaltung: Am 9. Juni bietet eine Veranstaltung in Mülheim an der Ruhr Hilfestellung beim Umgang mit ablehnendem Verhalten in der Pflege.
  • Digitale Schulungen: Der Deutsche Pflegeverband hat Webinare zur Erkennung und Vermeidung von Gewalt initiiert. Die Neanderklinik Harzwald bietet Schulungen zur rechtlichen Gewaltabwehr an.
  • Proteste gegen Kürzungen: Die Gewerkschaft ver.di mobilisiert zu bundesweiten Aktionen gegen geplante Finanzkürzungen im Krankenhaussektor. In Baden-Württemberg rechnen Kliniken mit massiven Mindereinnahmen – was die personelle Belastung und damit das Konfliktpotenzial weiter verschärfen könnte.

Die Branche setzt auf eine Kombination aus besserer Dokumentation, rechtlicher Aufklärung und Deeskalationstraining. Der Weg zu einem sicheren Arbeitsumfeld ist noch lang – aber die ersten Schritte sind gemacht.

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